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Clearing erklärt: Was zwischen Kartenzahlung und Auszahlung passiert

Was ist Clearing? Der Prozess zwischen Kartenzahlung und Auszahlung einfach erklärt — mit Settlement-Float, Netting und warum Händler 1–3 Tage warten.

Von Ulf Mayer 29. September 2026 7 Min. Lesezeit
Ablaufskizze am Whiteboard — der Weg einer Zahlung vom Terminal bis zur Auszahlung

Der Kunde hält die Karte ans Terminal, nach zwei Sekunden steht „Zahlung erfolgt” auf dem Display. Für den Kunden ist die Sache damit erledigt. Für den Händler beginnt jetzt ein Prozess, der oft mehrere Tage dauert, bis das Geld wirklich auf dem Geschäftskonto liegt. Der Kern dieses Prozesses heißt Clearing. Wer versteht, was dabei passiert, kann Auszahlungszeiten besser einschätzen und Anbieter gezielter vergleichen.

Was ist Clearing?

Clearing (vom englischen to clear, „bereinigen, verrechnen”) bezeichnet im Zahlungsverkehr den Schritt, in dem Zahlungsinformationen zwischen den beteiligten Instituten ausgetauscht, geprüft und verrechnet werden. Am Ende steht für jede Partei eine klare Zahl: So viel schuldest du, so viel bekommst du.

Eine Kartenzahlung durchläuft drei Phasen:

PhaseWas passiert?Dauer
1. AutorisierungTerminal fragt bei der Bank des Kunden an: Ist die Karte gültig, ist genug Geld da? Betrag wird reserviert.1–3 Sekunden
2. ClearingAcquirer reicht die Transaktionsdaten beim Kartennetzwerk ein, dieses leitet sie an die Kundenbank weiter; Gebühren und Forderungen werden berechnet.Stunden bis 1 Tag
3. SettlementDas Geld fließt tatsächlich: Kundenbank → Kartennetzwerk → Acquirer → Händler.1–3 Werktage

Beteiligt sind vier Parteien (das sogenannte Vier-Parteien-Modell):

  • Karteninhaber — der Kunde
  • Issuer — die Bank, die die Karte ausgegeben hat. Mehr dazu: Was ist ein Issuer?
  • Acquirer — der Zahlungsdienstleister des Händlers. Mehr dazu: Was ist ein Acquirer?
  • Händler — Sie

Dazwischen steht das Kartennetzwerk (Visa, Mastercard) bzw. bei der girocard das System der Deutschen Kreditwirtschaft. Es liefert die Regeln und die Technik für das Clearing.

Clearing gibt es nicht nur bei Karten. Auch Überweisungen und Lastschriften werden gecleart: In Europa laufen SEPA-Zahlungen über Clearinghäuser wie EBA Clearing oder den SEPA-Clearer der Bundesbank, Echtzeitüberweisungen über spezielle Instant-Systeme. Das Prinzip ist dasselbe — Daten austauschen, verrechnen, dann Geld bewegen.

Clearing vs. Settlement: Der Unterschied

Die beiden Begriffe werden oft zusammen genannt, beschreiben aber verschiedene Dinge:

ClearingSettlement
FrageWer schuldet wem wie viel?Ist das Geld angekommen?
GegenstandDaten und ForderungenGeld
Ergebnisberechnete Saldenerfüllte Zahlungsverpflichtung
Vergleichdie Rechnung wird geschriebendie Rechnung wird bezahlt

Beim Clearing einer Kartenzahlung passiert konkret:

  1. Der Acquirer sammelt die Zahlungen des Tages — häufig ausgelöst durch den Tagesabschluss am Terminal.
  2. Er übermittelt die Daten an das Kartennetzwerk.
  3. Das Netzwerk ordnet jede Zahlung der richtigen Kundenbank zu.
  4. Die Interchange-Gebühr und die Scheme Fees werden berechnet.
  5. Die Kundenbank bucht den Betrag endgültig vom Kundenkonto ab.
  6. Für jede Bank und jeden Acquirer wird ein Gesamtsaldo ermittelt.

Erst danach kommt das Settlement: Das Kartennetzwerk veranlasst die Zahlungen zwischen den Banken, und der Acquirer zahlt den Händler aus — abzüglich seiner Gebühren. Die Gebührenbestandteile erklären die Ratgeber Interchange-Gebühr und Scheme Fees.

Wie lange dauert Clearing bei Kartenzahlung?

Das Clearing selbst ist heute in wenigen Stunden erledigt. Dass Händler trotzdem ein bis drei Werktage warten, hat mehrere Gründe:

  • Batch-Verarbeitung: Viele Systeme verarbeiten Transaktionen nicht einzeln, sondern in festen Tagesläufen. Eine Zahlung am Abend wird oft erst im Lauf des nächsten Tages gecleart.
  • Tagesabschluss: Bei manchen Terminals werden Zahlungen erst nach dem Tagesabschluss eingereicht. Wer ihn vergisst, verlängert die Wartezeit. Mehr dazu im Ratgeber Tagesabschluss an der Kasse.
  • Bankarbeitstage: Settlement findet in der Regel nur an Geschäftstagen statt. Freitagsumsätze kommen oft erst Montag oder Dienstag an.
  • Auszahlungsrhythmus des Acquirers: Viele Anbieter zahlen täglich aus, manche wöchentlich oder erst ab einem Mindestbetrag.
  • Risikoprüfung: Neue Händler oder ungewöhnlich hohe Umsätze können zu längeren Haltefristen führen.

Typischer Ablauf einer Zahlung am Freitagabend:

ZeitpunktSchritt
Freitag, 20:00Autorisierung am Terminal
Freitag, 23:00Tagesabschluss, Einreichung beim Acquirer
Samstag/SonntagClearing teils bereits erledigt, aber kein Settlement
MontagSettlement zwischen Banken und Acquirer
Montag/DienstagAuszahlung auf das Händlerkonto

Wie schnell einzelne Anbieter auszahlen, vergleicht der Ratgeber Kartenzahlung: Wann ist das Geld auf dem Konto?.

Netting: Warum Transaktionen zusammengefasst werden

Stellen Sie sich vor, jede einzelne Kartenzahlung würde als eigene Überweisung zwischen Kundenbank, Netzwerk und Acquirer bewegt. Bei Millionen Zahlungen am Tag wäre das teuer und langsam. Deshalb wird verrechnet, bevor Geld fließt. Das nennt man Netting.

Einfaches Beispiel:

  • Kunden der Sparkasse zahlen an einem Tag 1.000.000 € bei Händlern, deren Acquirer Bank X ist.
  • Kunden von Bank X zahlen am selben Tag 700.000 € bei Händlern, deren Acquirer die Sparkasse ist.
  • Statt zwei Zahlungen über insgesamt 1,7 Mio. € fließt nur eine: 300.000 € von der Sparkasse an Bank X.

In der Realität rechnet das Kartennetzwerk multilateral — also über alle beteiligten Institute gleichzeitig. Jede Bank zahlt oder erhält am Ende nur einen einzigen Saldo.

Netting beim Händler: Auch Ihre Auszahlung ist verrechnet. Der Acquirer zieht Gebühren, Rückerstattungen, Chargebacks und eventuell Gerätemiete direkt vom Umsatz ab und überweist nur den Rest. Deshalb passt die Auszahlung selten exakt zum Tagesumsatz im Kassensystem. Für eine saubere Buchhaltung sollten Sie Bruttoumsatz und Gebühren getrennt erfassen — die Abrechnung des Anbieters liefert dafür die Details.

Settlement-Float: Zinsen auf das eigene Geld

Zwischen Autorisierung und Auszahlung liegt das Geld nicht mehr beim Kunden, aber noch nicht beim Händler. Es befindet sich auf Konten der beteiligten Banken und Zahlungsdienstleister. Dieser Bestand heißt Float.

Bei einem einzelnen Händler sind das nur ein paar Tagesumsätze. Bei einem Acquirer mit zehntausenden Händlern summiert sich der Float schnell auf dreistellige Millionenbeträge — und die können verzinst angelegt werden.

Was das für Sie bedeutet:

  • Die Wartezeit ist nicht allein technisch begründet, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor für Anbieter.
  • Einige Anbieter bieten deshalb Sofortauszahlungen an, teils kostenlos auf ein eigenes Konto beim Anbieter, teils gegen Gebühr auf die Hausbank.
  • Für Betriebe mit knapper Liquidität kann eine schnellere Auszahlung mehr wert sein als ein etwas günstigerer Transaktionssatz.

Wer den Float genauer verstehen will, findet die Hintergründe im Beitrag Settlement-Float: Warum Händler auf ihr Geld warten.

Clearing-Risiken für Händler

Solange Clearing und Settlement nicht abgeschlossen sind, ist das Geld „unterwegs”. Daraus ergeben sich einige Risiken, die Händler kennen sollten:

1. Verzögerte Liquidität Lange Wochenenden, Feiertage oder technische Störungen können Auszahlungen um mehrere Tage verschieben. Gerade kleine Betriebe mit knapper Kasse sollten einen Puffer einplanen.

2. Einbehalte (Rolling Reserve) Manche Acquirer behalten einen Teil der Umsätze als Sicherheit ein — typisch bei Neukunden, Branchen mit Vorkasse (Reisen, Events) oder hohem Rückbuchungsrisiko. Der Betrag wird erst nach Wochen oder Monaten freigegeben. Prüfen Sie im Vertrag, ob und unter welchen Bedingungen das passieren kann.

3. Rückbuchungen nach dem Clearing Clearing bedeutet nicht, dass eine Zahlung endgültig unangreifbar ist. Bei Kreditkarten kann der Kunde über seine Bank einen Chargeback auslösen, oft noch Monate später. Der Betrag wird dann von künftigen Auszahlungen abgezogen. Mehr dazu im Ratgeber Chargeback und Rückbuchung.

4. Fehler beim Einreichen Wird der Tagesabschluss vergessen oder bricht die Verbindung beim Einreichen ab, bleiben Zahlungen im Terminal hängen. Manche Anbieter reichen automatisch nach, bei anderen können Transaktionen nach einer Frist verfallen. Prüfen Sie regelmäßig, ob die Auszahlungen zum Kassenumsatz passen.

5. Insolvenz des Zahlungsdienstleisters Selten, aber nicht ausgeschlossen: Geht ein Zahlungsdienstleister in die Insolvenz, während Gelder im Float liegen, kann die Auszahlung stocken. Beaufsichtigte Zahlungsinstitute müssen Kundengelder zwar getrennt sichern, trotzdem kann es zu erheblichen Verzögerungen kommen. Die Wirecard-Pleite 2020 hat gezeigt, wie schnell Händler davon betroffen sein können. Achten Sie deshalb auf eine Zulassung durch BaFin oder eine andere EU-Aufsicht und eine regelmäßige Auszahlung statt großer Sammelbeträge.

Fazit

Clearing ist der unsichtbare Mittelteil jeder Kartenzahlung: Zwischen dem Piepen am Terminal und dem Geld auf dem Konto werden Transaktionen gesammelt, zugeordnet, verrechnet und schließlich ausgezahlt. Die Wartezeit von ein bis drei Werktagen erklärt sich aus Tagesläufen, Bankarbeitstagen und dem Auszahlungsrhythmus der Anbieter — und nur zum Teil aus Technik. Für Händler lohnt sich ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen: Wie oft wird ausgezahlt, gibt es Einbehalte, und was kostet eine schnellere Auszahlung?

→ Kartenzahlung: Wann ist das Geld auf dem Konto? → Settlement-Float erklärt → Was ist ein Acquirer? → Bargeldloser Zahlungsverkehr im Überblick → Alle Kartenterminals im Vergleich

Häufige Fragen

Was bedeutet Clearing im Zahlungsverkehr?

Clearing ist der Abrechnungsschritt zwischen den beteiligten Banken und Zahlungsdienstleistern: Transaktionsdaten werden ausgetauscht, geprüft, zugeordnet und die gegenseitigen Forderungen berechnet. Erst danach fließt beim Settlement das eigentliche Geld.

Was ist der Unterschied zwischen Clearing und Settlement?

Clearing ist die Verrechnung: Wer schuldet wem wie viel? Settlement ist die Erfüllung: Das Geld wird tatsächlich überwiesen. Bei einer Kartenzahlung laufen Autorisierung, Clearing und Settlement nacheinander ab, oft verteilt auf mehrere Tage.

Warum dauert es 1–3 Tage, bis Kartenzahlungen auf dem Konto sind?

Weil Kartennetzwerke und Acquirer Transaktionen gesammelt in Tagesläufen abrechnen, Settlement nur an Bankarbeitstagen stattfindet und Acquirer die Auszahlung an Händler nach eigenen Regeln takten. Technisch wären schnellere Auszahlungen möglich, einige Anbieter bieten sie bereits an.

Was ist Netting?

Netting ist die Verrechnung vieler einzelner Forderungen zu einem einzigen Saldo. Statt tausende Einzelbeträge hin- und herzuüberweisen, zahlt jede Partei am Ende nur die Differenz. Das senkt Kosten und Liquiditätsbedarf.

Welche Risiken hat Clearing für Händler?

Die wichtigsten Risiken sind Verzögerungen an Wochenenden und Feiertagen, einbehaltene Sicherheiten (Rolling Reserve), spätere Rückbuchungen nach dem Clearing und im Extremfall die Insolvenz des Zahlungsdienstleisters, solange Gelder noch nicht ausgezahlt sind.