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Ratgeber

Kassensystem Restaurant 2026: Der ehrliche Vergleich für Gastronomen

Welches Kassensystem passt zum Restaurant? Tischverwaltung, Splitbill, TSE-Pflicht und Kosten — orderbird, ready2order, Gastronovi und Lightspeed im Test.

Von Ulf Mayer 23. Juni 2026 Aktualisiert 11. September 2026 8 Min. Lesezeit
Kassensystem Restaurant 2026: Der ehrliche Vergleich für Gastronomen

Das Problem beim Kassensystem-Kauf für Restaurants ist nicht der Preis — es ist die falsche Reihenfolge der Fragen. Die meisten Händler fragen zuerst: “Was kostet das Terminal?” Sie sollten zuerst fragen: “Was kostet mich ein Servicefehler?”

Ein Bon, der in der Küche zu spät ankommt. Ein Tisch, der auf seine Rechnung wartet, weil der Kellner gerade nicht greifbar ist. Eine Splitbill, die manuell aufgeteilt wird, während die nächste Bestellung reinkommt. Das sind die teuren Momente im Restaurantbetrieb — und das richtige Kassensystem löst sie, ohne dass irgendjemand nachdenken muss.

Dieser Ratgeber zeigt, was Gastronomen wirklich brauchen — und welche Systeme das liefern.

Was ein Restaurant-Kassensystem können muss

Bevor du Preise vergleichst: Diese Features sind für Restaurants nicht optional.

Tischverwaltung
Grafischer Grundriss, Tische öffnen/schließen, Tische zusammenführen (Großgruppe) oder splitten (Pärchen teilt sich zwei Tische). Ohne Tischplan verlierst du ab 15 Tischen die Übersicht.

Bestellworkflow und Bondrucker
Bestellung wird am Tisch oder an der Kasse erfasst und automatisch an Küche und Bar weitergeleitet. Bondrucker in Küche und Bar drucken nur die für sie relevanten Positionen — Getränke gehen zur Bar, Speisen in die Küche.

Kitchen Display System (KDS)
Digitale Alternative zum Bondrucker. Bestellungen erscheinen auf einem Bildschirm in Küche und Bar. Küchenzeiten messbar, Bon-Flut entfällt, sofortige Storno-Sichtbarkeit. Ab 30 Couverts empfehlenswert.

Splitbill
Tisch auf mehrere Rechnungen aufteilen — nach Sitzplatz, nach Artikeln oder beliebig. Bei Geschäftsessen oder größeren Gruppen Standard-Anforderung.

Trinkgeld-Funktion
Trinkgeld am Terminal, auf dem Kassenbon oder als freie Eingabe. Steuerlich korrekte Buchung (Trinkgeld ist für Angestellte Arbeitslohn, für selbstständige Servicekräfte steuerfrei). Alle modernen Systeme unterstützen Trinkgeld, aber die Buchungslogik unterscheidet sich.

TSE-Pflicht
In Deutschland gesetzlich vorgeschrieben für alle elektronischen Kassen. Alle relevanten Anbieter liefern TSE mit. Kontrolliere beim Abschluss, dass die TSE im Vertrag ausdrücklich enthalten ist.

Offline-Fähigkeit und Konnektivität
Restaurant-WLAN ist nie garantiert — besonders in Altbauten, Gewölbekellern oder Außenterrassen mit schlechter Abdeckung. Gute Systeme laufen lokal weiter und synchronisieren, sobald die Verbindung wieder steht. Kasse, die bei Verbindungsabbruch einfriert, ist im Restaurantbetrieb untragbar.

Noch wichtiger als Offline-Fähigkeit der Software: das Terminal muss auch ohne WLAN funktionieren. Klassische Bank-Terminals (Ingenico, Verifone via Sparkasse) sind WLAN-abhängig — fällt die Verbindung im Keller oder auf der Terrasse aus, können Gäste nicht zahlen. Die Lösung: Terminals mit eingebauter SIM-Karte (4G/LTE), die unabhängig vom lokalen WLAN funktionieren. Anbieter wie Flatpay (PAX A920Pro mit SIM), myPOS oder Vert (Clover Flex mit SIM) bieten solche Geräte — ein erheblicher Vorteil in Betrieben mit schlechter Netzabdeckung.


Die vier wichtigsten Systeme im Vergleich

orderbird

Marktführer für Restaurants in Deutschland und Österreich.

orderbird läuft ausschließlich auf iPad. Die Software ist tief auf Gastro-Betrieb optimiert: Raumplan-Editor, Bestellworkflow mit mehreren Druckzonen, umfangreiche Tischverwaltung, Splitbill, Trinkgeld. DATEV-Export und TSE (Cloud) inklusive.

Stärken:

  • Stabilstes Gastro-Feature-Set im Markt
  • Sehr gutes Servicepersonal-Training (App-Onboarding < 30 Min.)
  • starkes Support-Netz in DE/AT

Schwächen:

  • iPad-only (keine Android-Alternative)
  • Kein nativer Webshop-Sync
  • Höherer Preis als ready2order

Kosten:

Paket (orderbird PRO)MonatlichEnthalten
Paket S99,90 €1 Geräte-Lizenz, Online-TSE
Paket M139,90 €2 Geräte-Lizenzen, Online-TSE
Paket L169,90 €3 Geräte-Lizenzen, Online-TSE

Preise bei 12 Monaten Laufzeit und nur zusammen mit der orderbird-Kartenzahlung; ohne sie 119,90 € / 159,90 € / 199,90 €. Jede weitere Lizenz kostet 39,90 €/Monat, das Reservierungssystem 59,90 €/Monat. Für kleinere Betriebe gibt es die orderbird MINI ab 24,99 €/Monat (Jahreslizenz).

Hardware (iPad + Standfuß + Bondrucker + Kassenschublade): ca. 800–1.200 € einmalig.

Transaktionsgebühren: Bei orderbird PRO läuft die Kartenzahlung über Nexi; die Sätze veröffentlicht orderbird nicht, sie stehen im individuellen Vertrag.


ready2order

Stärkstes Preis-Leistungs-Verhältnis, läuft auf Android und iPad.

ready2order ist in Österreich beheimatet und besonders stark in der DACH-Region. Die Software unterstützt sowohl Gastronomie als auch Einzelhandel — ein Vorteil für Mischbetriebe (Café + Ladenverkauf, Restaurant + Weinhandel).

Stärken:

  • Android-Kompatibilität (günstigere Hardware-Option)
  • Hybridbetrieb Gastro + Retail aus einer Software
  • DATEV, BMD, Lexoffice Export
  • Günstigere Einstiegspakete als orderbird

Schwächen:

  • Tischverwaltung weniger ausgefeilt als orderbird
  • KDS nur über Drittanbieter-Integration
  • Kleineres Support-Team in Deutschland

Kosten:

PostenMonatlichHinweis
Kassenlizenz35,90 €je Gerät, monatlich kündbar
TSE-Paket15,90 €in Deutschland Pflicht
Gastro-Paket23,90 €Gastro-Funktionen

Hardware: ab 279 € (readyMini), alternativ eigenes Android-Tablet oder iPad. Einmalig 99 € Aktivierung.

Transaktionsgebühren: readyPay 1,23 % für alle Kartenarten. Eigener Acquirer wählbar.


Gastronovi — All-in-One für Gastronomie mit Reservierungsbedarf

Für wen: Restaurants und Bars, die Kasse, Tischverwaltung und Reservierung aus einer Hand wollen.

Gastronovi ist ein deutsches Cloud-Kassensystem, das speziell für die Gastronomie entwickelt wurde. Das Besondere: Reservierungssystem, Allergenkennzeichnung, Warenwirtschaft und Tischverwaltung sind in einer Plattform integriert — ohne Drittanbieter-Verträge.

Stärken:

  • Reservierungssystem nativ integriert (kein separater OpenTable/Quandoo-Vertrag nötig)
  • Allergenkennzeichnung nach EU-Verordnung im Bestellsystem
  • TÜV-geprüfte Cloud-TSE verfügbar
  • Modular: kleinere Betriebe starten schlank, buchen Funktionen bei Bedarf dazu
  • Kartenzahlung über Gastronovi Pay integriert (Visa, Mastercard, Amex, Apple Pay, Google Pay, Tap to Pay)

Schwächen:

  • Cloud-TSE kostet 14 €/Monat extra (nicht im Basispreis enthalten)
  • Module teuer: Tischreservierung 99 €/Monat, Warenwirtschaft 129 €/Monat
  • Österreich und Schweiz nur auf Anfrage, kein Online-Abschluss

Kosten:

PostenMonatlich
Kassenlizenz (1. Lizenz)69 €
Cloud-TSE (Pflicht in DE)14 €
Minimal-Setup gesamt83 €
Tischreservierung+99 € (optional)

Hardware: eigenes Tablet oder iPad, Bondrucker separat.

Transaktionsgebühren: über Gastronovi Pay (Interchange++, ab 10 Cent pro Transaktion) inklusive Tap to Pay, alternativ externes Kartenterminal.


Lightspeed Restaurant

Premium-Wahl für gehobene Gastronomie und Mehrstandort-Betriebe.

Lightspeed Restaurant (ehemals Gastrofix) ist die europäische Antwort auf Toast (US-Marktführer). Umfangreichste Funktionalität, stärkste Analytik, robuste Multistandort-Verwaltung.

Stärken:

  • Stärkstes Multistandort-Dashboard
  • Umfangreiche Analytik (Deckungsbeiträge per Gericht, Servicekraft-Performance)
  • KDS nativ
  • Webshop-Integration (Deliverect, Lightspeed Order)

Schwächen:

  • Teuerste Lösung im Vergleich
  • Onboarding komplex, längere Einlernzeit
  • Overkill für Betriebe unter 50 Couverts

Kosten:

PaketMonatlichLizenzen
Basic89 €1
Core159 €2
Pro249 €3

Jede weitere Lizenz kostet 49 €/Monat. Hardware (iPad, Ständer, Küchen- und Bondrucker, Terminal, Kassenschublade), Kartengebühren und Mindestlaufzeit bepreist Lightspeed nicht öffentlich — sie stehen im individuellen Angebot.


Systemvergleich auf einen Blick

Kriteriumorderbirdready2orderGastronoviLightspeed
BetriebssystemiPad onlyAndroid + iPadAndroid + iPadiPad + Android
Tischverwaltung★★★★★★★★★★★★★★★★★★★
KDS✓ (nativ)✓ (Dritt)✓ (nativ)
Splitbill
Trinkgeld
ReservierungModul (59,90 €)Modul (99 €)
TSE inklusiveextra (+15,90 €/Mo)extra (+14 €/Mo)k. A.
DATEV-Export
Webshop-Sync✓ (Deliverect)
Retail-Hybrid
Multistandorteingeschränkt
Payment integriert✓ (Nexi)✓ (readyPay, optional)✓ (Gastronovi Pay)
Einstiegspreis/Mt99,90 € (inkl. TSE)51,80 € (inkl. TSE)83 € (inkl. TSE)89 €
Support auf Deutsch

Gesamtkosten Beispielrechnung

Szenario: Restaurant, 25 Tische, 350 Transaktionen/Monat, Ø-Bon 22 €

AnbieterHardwareSoftware/JahrTransaktionen/JahrGesamt Jahr 1
orderbird PRO Paket S1.000 €1.199 €1.109 € (Annahme 1,2 %)*3.308 €
ready2order mit Gastro-Paket700 €1.007 € (inkl. TSE + 99 € Aktivierung)1.137 € (1,23 % readyPay)2.844 €
Lightspeed Restaurant Basic1.500 €1.068 €1.109 € (Annahme 1,2 %)*3.677 €

*orderbird PRO und Lightspeed veröffentlichen ihre Kartengebühren nicht; die 1,2 % sind eine Annahme für die Beispielrechnung.

Hinweis: Transaktionsgebühren variieren je nach eigenem Acquirer-Vertrag. Mit eigenem Terminal-Vertrag (SumUp Business, Adyen) kannst du auf 1,00–1,20 % kommen.


TSE-Pflicht in der Praxis

Alle drei Systeme liefern TSE über Cloud-Zertifizierung (Telekommunikationsanbieter als TSE-Provider). Das bedeutet:

  • Kein Hardware-Stick nötig (frühere USB-TSE sind veraltet)
  • TSE läuft automatisch im Hintergrund
  • Exportfunktion für Betriebsprüfung inklusive (DSFinV-K Format)
  • Bei Internetausfall: Systeme puffern Transaktionen lokal, TSE-Signierung erfolgt bei Wiederverbindung

Was du nicht tun solltest: Kassensystem ohne TSE kaufen und “später nachrüsten wollen”. Ordnungswidrigkeitsverfahren beginnen bei 25.000 € Bußgeld, Steuerschätzungen können deutlich höher ausfallen.


Mitarbeiter einlernen: Wie lange dauert es?

orderbird und ready2order sind für schnelles Einlernen optimiert — 15–30 Minuten reichen für Servicekräfte. Lightspeed braucht etwas länger (1–2 Stunden für den vollständigen Funktionsumfang).

Eine strukturierte Einweisung der Mitarbeiter ist vor dem ersten Betriebstag empfehlenswert.


Empfehlung nach Betriebstyp

Kleines Restaurant / Bistro (< 20 Tische):
ready2order — geringste laufende Kosten (35,90 € + 15,90 € TSE), monatlich kündbar, auch für Österreich geeignet.

Mittelgroßes Restaurant / Café (20–60 Tische):
orderbird PRO (Paket S oder M) — stabilstes Gastro-Feature-Set, TSE inklusive.

Gehobene Gastronomie / Mehrere Standorte:
Lightspeed Restaurant (Core oder Pro) — zentrale Analytik, KDS nativ, stärkste Multistandort-Verwaltung.

Restaurant mit Reservierungsbedarf:
Gastronovi — Reservierung, Tischverwaltung und Kasse nativ in einer Plattform; kein separater Reservierungsdienstleister nötig.

Café mit Ladenverkauf (Mischbetrieb):
ready2order mit Gastro-Paket — verbindet Gastro- und Retail-Funktionen in einem System.


Nächste Schritte

Häufige Fragen

Welches Kassensystem eignet sich am besten für ein Restaurant?

orderbird ist der DE-Marktführer für Restaurants mit iPad-nativer Software und starker Tischverwaltung. ready2order ist günstiger und eignet sich für Betriebe, die neben Gastronomie auch Retail betreiben. Gastronovi ist die stärkste Wahl wenn ein natives Reservierungssystem benötigt wird — als Zusatzmodul für 99 €/Monat. Lightspeed Restaurant ist die beste Wahl bei komplexen Mehrstandort-Setups.

Brauche ich als Restaurant eine TSE?

Ja. Alle Restaurants mit elektronischer Kasse in Deutschland benötigen seit 2020 eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE). Alle modernen Gastro-POS-Systeme liefern diese Cloud-basiert oder als Hardware-Modul mit.

Was kostet ein Kassensystem für ein Restaurant im ersten Jahr?

Für ein mittelgroßes Restaurant mit 20–30 Tischen: Hardware 800–1.500 €, Software 59–119 €/Monat, Transaktionsgebühren 0,99–1,75 %. Gesamtkosten Jahr 1 liegen typischerweise zwischen 3.000 und 5.000 €.

Was ist ein Kitchen Display System (KDS) und brauche ich es?

Ein KDS ersetzt den Küchenbon durch einen Bildschirm in der Küche. Die Bestellung erscheint sofort digital, Küchenzeiten sind messbar, und der Bon-Drucker entfällt. Für Betriebe ab 30 Couverts oder mit Lieferservice lohnt sich ein KDS — die meisten Gastro-POS-Systeme unterstützen es.

Kann ich Splitbill mit jedem Kassensystem?

Splitbill (Rechnung auf mehrere Gäste aufteilen) ist in orderbird, ready2order und Lightspeed Restaurant standard. Bei einfachen Systemen wie SumUp POS fehlt diese Funktion — ein Ausschluss­kriterium für Restaurants mit Gesellschaftstischen.

Was ist der Unterschied zwischen orderbird und ready2order?

orderbird ist iPad-exklusiv, tiefer auf Gastronomie spezialisiert und hat den größeren Marktanteil in deutschen Restaurants. ready2order läuft auf Android und iPad, ist günstiger in der Einstiegsstufe und eignet sich auch für Betriebe mit Retail-Anteil (z.B. Café mit Ladenverkauf).

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