IC++ vs. Blended Rate: Welches Preismodell ist günstiger?
IC++, Blended Rate oder Pass-Through: Die drei Preismodelle für Kartenzahlung im Vergleich — wann welches rechnet und was Händler wirklich zahlen.
Wenn du zwei Angebote für ein Kartenterminal vergleichst, stehst du früher oder später vor einem Problem: Die Angebote sind nicht direkt vergleichbar. Der eine Anbieter nennt 1,29 % auf alle Karten. Der andere spricht von „IC++ 0,15 %”. Und ein dritter wirbt mit „Interchange-Plus-Preismodell mit transparenten Kosten”. Alle drei Aussagen können gleichzeitig stimmen — und trotzdem zu sehr unterschiedlichen Gesamtkosten führen.
Dieser Artikel erklärt die drei gängigen Preismodelle, zeigt wann welches günstiger ist, und gibt konkrete Zahlen für typische Händlersituationen.
Die drei Preismodelle im Überblick
1. Blended Rate (Einheitssatz)
Ein einziger Prozentsatz gilt für alle Kartenarten — Girocard, Visa, Mastercard, Amex, inländisch wie ausländisch. Der Acquirer kalkuliert intern mit den unterschiedlichen Interchange-Sätzen und trägt das Risiko, wenn der Mix ungünstig wird.
Wie es aussieht: SumUp 1,39 %, Flatpay 1,29 %, myPOS 1,29 % (Plan One), Zettle 1,39 %.
Was du wirklich zahlst: Den genannten Satz — immer, unabhängig von Kartentyp, Herkunft und Scheme-Fee-Entwicklung. Wenn Visa die Scheme Fees erhöht, ist das das Problem des Anbieters, nicht deins.
Wer profitiert: Händler mit gemischtem oder unbekanntem Kartenmix, Betriebe mit vielen internationalen Kunden oder Kreditkarten, alle, die Planbarkeit über Sparmaximierung stellen.
2. Interchange++ (IC++)
Du zahlst die tatsächlichen Interchange-Kosten des Kartennetzes + die Scheme Fees von Visa/Mastercard + einen fixen Aufschlag des Acquirers. Alle drei Komponenten werden separat ausgewiesen — daher das doppelte Plus.
IC++ Gesamtgebühr = Interchange + Scheme Fee + Acquirer-Marge
Beispiel Girocard ≈ 0,12 % + 0,07 % + 0,15 % = 0,34 %
Beispiel Visa-Kredit ≈ 0,30 % + 0,10 % + 0,15 % = 0,55 %
Beispiel UK-Karte ≈ 1,50 % + 0,40 % + 0,15 % = 2,05 %
Wie es aussieht: PAYONE „IC++ 0,12 %”, Nexi „ab 0,22 % Girocard + 0,05 €”, Adyen „Interchange + Processing Fee”, TeleCash individuelle Verhandlung.
Was du wirklich zahlst: Hängt von deinem Kartenmix ab und schwankt, wenn Interchange-Sätze oder Scheme Fees sich ändern. Du siehst jeden Bestandteil auf deiner Abrechnung — aber du musst sie auch lesen können.
Wer profitiert: Händler mit hohem Girocard-Anteil und relevantem Volumen, die den günstigeren Girocard-Interchange nutzen wollen — und bereit sind, Schwankungen zu akzeptieren.
3. Interchange Plus (IC+) / Pass-Through
Eine vereinfachte Form von IC++: Du zahlst die Interchange + einen fixen Acquirer-Aufschlag. Die Scheme Fees werden dabei oft pauschaliert oder mit dem Acquirer-Aufschlag zusammengelegt — nicht getrennt ausgewiesen.
In der Praxis ist IC+ selten als eigenes Modell vermarktet; es taucht eher in individuellen Vertragsverhandlungen auf oder ist die de-facto-Struktur hinter manchen „transparenten” Angeboten.
Wann ist IC++ günstiger als Blended?
Das hängt von zwei Faktoren ab: Kartenmix und Umsatzvolumen.
Der Kartenmix entscheidet mehr als der Umsatz
Girocard ist das günstigste Zahlungsmittel für Händler in Deutschland — das Interbankenentgelt liegt strukturell unter dem von internationalen Karten. Im IC++-Modell profitierst du direkt davon.
| Kartenmix | Blended (1,29 %) | IC++ (Richtwert) | Vorteil |
|---|---|---|---|
| 80 % Girocard, 20 % Visa-Debit | 1,29 % | ~0,45–0,55 % | IC++ günstiger |
| 50 % Girocard, 50 % Kreditkarte | 1,29 % | ~0,75–0,90 % | IC++ günstiger |
| 30 % Girocard, 70 % Kreditkarte/International | 1,29 % | ~1,00–1,30 % | Nahezu gleich |
| Vorwiegend ausländische Kreditkarten | 1,29 % | 1,50–2,00 %+ | Blended günstiger |
Richtwerte für DE, Stand 2026. Reale IC++-Sätze variieren je nach Acquirer, Volumen und Kartentyp.
Die Schwelle: Ab wann lohnt sich IC++?
Als Faustregel gilt: Ab 10.000 € Monatsumsatz und einem Girocard-Anteil über 50 % beginnt IC++ interessant zu werden — aber nur dann, wenn der fixe Acquirer-Aufschlag im Verhältnis zum Vorteil steht.
Das Problem: IC++-Angebote kommen meistens mit Vertragsbindung (24–48 Monate) und ohne Self-Service-Onboarding. Der Wechsel zu IC++ ist nicht für sechs Monate zum Ausprobieren geeignet.
Konkretes Rechenbeispiel:
Monatsumsatz: 20.000 €, Kartenmix: 70 % Girocard (14.000 €), 30 % Visa/MC (6.000 €)
| Modell | Berechnung | Monatliche Gebühr |
|---|---|---|
| Blended 1,29 % | 20.000 × 1,29 % | 258 € |
| IC++ (0,34 % Giro / 0,55 % Kredit) | 14.000 × 0,34 % + 6.000 × 0,55 % | 48 € + 33 € = 81 € |
Das klingt nach einer klaren Entscheidung für IC++ — aber dieser Vergleich lässt die Monatspauschalen, Fixgebühren je Transaktion und die Vertragsbindung noch außen vor. Nexi zum Beispiel berechnet 19,95 €/Monat + 0,05 € je Transaktion. Bei 300 Transaktionen im Monat kommen nochmal 34,95 € obendrauf. Das IC++-Vorteil bleibt trotzdem erheblich, aber die Kalkulation ist komplexer als sie auf den ersten Blick erscheint.
Was IC++ in der Praxis unsichtbar macht
Zwei Dinge, die im IC++-Modell oft unterschätzt werden:
1. Scheme-Fee-Schwankungen gehen auf dein Konto. Visa und Mastercard erhöhen ihre Scheme Fees regelmäßig — dokumentiert hat das u. a. die britische Wettbewerbsbehörde PSR. Im Blended-Rate-Modell trägt der Anbieter das Risiko. Im IC++-Modell wirst du bei jeder Anpassung direkt betroffen.
2. Der „ab”-Satz ist oft nur ein Teil. Wenn Nexi „ab 0,22 % Girocard” bewirbt, ist das der Interchange-Teil — die 0,05 € Fixgebühr, die 19,95 €/Monat und etwaige Scheme Fees kommen separat. Ein belastbarer Vergleich erfordert eine Muster-Abrechnung, keine Werbeaussage.
Wer bietet welches Modell an?
| Anbieter | Modell | Mindestvolumen |
|---|---|---|
| SumUp, Zettle, Flatpay, myPOS | Blended Rate | keins |
| PAYONE | IC++ | ~Vertriebsgespräch |
| Nexi | IC++ (ab 0,22 % Giro) | ~10.000 €/Mt empfohlen |
| Adyen | IC++ (Interchange++) | Enterprise/Midmarket |
| TeleCash | IC+ individuell | mittelgroße Händler |
| Unzer | IC+, individuell | ~Vertriebsgespräch |
| Viva.com | Hybrid (ab 0,30 %, nicht vollständig IC++) | keins |
Das Richtige für deine Situation
Du kassierst weniger als 10.000 € im Monat: Blended Rate ist fast immer die bessere Wahl. Einfach, transparent, ohne Vertragsbindung, und die Ersparnis bei IC++ wäre durch Fixkosten und Vertragslaufzeiten schnell aufgefressen.
Du kassierst 10.000–50.000 € und hast überwiegend Girocard: IC++ lohnt sich zu prüfen. Eine Muster-Abrechnung von PAYONE oder Nexi auf Basis deiner echten Umsatzdaten ist der richtige erste Schritt — nicht ein Angebotsvergleich auf Basis von Werbesätzen.
Du kassierst über 50.000 € und hast Anteile an Kreditkarten und internationalen Karten: IC++ fast immer günstiger, aber der Kartenmix-Anteil entscheidet maßgeblich. Hochgradig internationale Kundschaft (Hotel, Flughafen, Onlinehandel mit EU-Ausland) kann mit Blended besser bedient sein — weil IC++ diese Karten teurer macht.
Du hast viele ausländische Kreditkarten: Blended schützt dich. Bei IC++ zahlst du für UK-Karten oder US-Amex-Karten schnell 2,0 % und mehr — deutlich über dem Blended-Satz der meisten Anbieter.
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