Disagio: Was Händler über die Händlergebühr bei Kartenzahlung wissen müssen
Das Disagio ist die Gesamtgebühr pro Kartenzahlung an den Acquirer. Wie es sich zusammensetzt, was typische Werte sind und wann Interchange++ lohnt.
Wer Karte akzeptiert, zahlt dafür — aber was genau? Auf Abrechnungsbelegen tauchen Begriffe wie Disagio, MSC oder Händlergebühr auf, ohne dass erklärt wird, wie sich diese Zahl zusammensetzt. Dabei steckt hinter dem Disagio eine Struktur, die Händler kennen sollten: Wer sie versteht, kann verhandeln, vergleichen und bares Geld sparen.
Was ist das Disagio?
Das Disagio (auch: Merchant Service Charge, MSC, oder Merchant Discount Rate, MDR) ist die prozentuale Gebühr, die ein Händler pro Kartenzahlung an seinen Acquirer zahlt. Sie wird vom Transaktionsbetrag abgezogen, bevor das Geld ausgezahlt wird.
Beispiel: Ein Kunde zahlt 100 €, das Disagio beträgt 1,20 % — der Händler erhält 98,80 €.
Das Disagio ist keine willkürliche Gebühr, sondern die Summe mehrerer Kostenkomponenten, die der Acquirer an verschiedene Stellen im Zahlungssystem weiterleitet.
Aus was besteht das Disagio?
Das Disagio setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:
1. Interchange-Gebühr
Der größte Posten. Diese Gebühr zahlt der Acquirer (die Bank des Händlers) an den Issuer (die Bank des Kunden). Sie ist durch die EU-Interchange-Verordnung reguliert:
- Girocard: 0,2 % (inländisch, reguliert)
- Visa/Mastercard Consumer-Debit: 0,2 %
- Visa/Mastercard Consumer-Kredit: 0,3 %
- Firmenkarten und Nicht-EU-Karten: nicht reguliert, deutlich höher
2. Scheme Fees
Gebühren von Visa, Mastercard oder der Deutschen Kreditwirtschaft (für Girocard) für die Nutzung ihrer Zahlungsinfrastruktur. Nicht reguliert und in den letzten Jahren stark gestiegen — auch wenn die Interchange-Deckelung nach EU-Regulierung stabil blieb.
3. Acquirer-Marge
Der Aufschlag des Acquirers für seine eigene Leistung: Risikomanagement, Abwicklung, Support, Settlement. Dieser Teil ist verhandelbar.
Disagio = Interchange + Scheme Fees + Acquirer-Marge
Typische Disagio-Werte
| Kartentyp | Typischer Disagio-Bereich |
|---|---|
| Girocard (inländisch) | 0,20–0,50 % |
| Visa/Mastercard Consumer Debit | 0,30–0,80 % |
| Visa/Mastercard Consumer Kredit | 0,50–1,40 % |
| Firmenkarte (Corporate) | 1,00–2,50 % |
| American Express | 1,00–2,50 % |
| Nicht-EU-Karten (z. B. US-Tourist) | 1,50–3,00 % |
Die Bandbreite entsteht durch unterschiedliche Acquirer-Margen und Vertragskonditionen. Wer mehr Umsatz macht, kann niedrigere Sätze verhandeln.
Blended Rate vs. Interchange++
Es gibt zwei grundsätzliche Modelle, wie das Disagio berechnet wird:
Blended Rate (Einheitssatz)
Ein fester Prozentsatz für alle Kartentypen — egal ob Girocard, Visa Debit oder Corporate-Kreditkarte. Einfach zu kalkulieren, aber oft teurer als nötig, weil der günstige Girocard-Satz quersubventioniert, was teure Firmenkarten kosten.
Anbieter mit Blended Rate: SumUp (1,39 %), Flatpay (1,29 %), Zettle (1,39 %), myPOS (1,29 % im One-Tarif).
Interchange++ (IC++)
Das transparente Modell: Der Händler zahlt die tatsächliche Interchange + tatsächliche Scheme Fees + einen fixen Acquirer-Aufschlag. Günstiger bei hohem Girocard-Anteil, komplexer in der Kalkulation.
Anbieter mit IC++: Nexi, PAYONE, Adyen, TeleCash, VR Payment.
Faustregel: Bei hohem Girocard-Anteil (typisch für DE-Händler) rechnet sich IC++ ab ca. 10.000–15.000 € Monatsumsatz. Bei gemischtem Kartenmix oder vielen ausländischen Kunden kann Blended Rate günstiger sein.
Woran erkenne ich mein Disagio?
Das Disagio steht auf dem monatlichen Abrechnungsbeleg des Acquirers. Worauf achten:
- Effektiver Durchschnittssatz: Gesamtgebühren ÷ Gesamtumsatz — der echte Preis, nicht der beworbene Einsteigersatz
- Aufschlüsselung nach Kartentyp: Zeigt, wie viele teure Karten (Corporate, Nicht-EU) im Mix waren
- Fixgebühren pro Transaktion: 0,05 € je Transaktion macht bei 3-Euro-Käufen effektiv über 1,6 % extra
Viele Händler kennen nur den beworbenen Satz, nicht den effektiven — das ist der Unterschied zwischen dem, was verglichen wird, und dem, was tatsächlich bezahlt wird.
Kann ich das Disagio senken?
Ja — mit drei Hebeln:
1. Umsatzvolumen nutzen Ab ca. 5.000 € Monatsumsatz lohnt sich das Gespräch mit dem Acquirer. Höheres Volumen = niedrigere Marge für den Acquirer = Verhandlungsspielraum.
2. Zum IC++-Modell wechseln Wer viele Girocard-Zahlungen hat und bisher Blended Rate zahlt, kann durch IC++ signifikant sparen. Rechenbeispiel: Bei 20.000 € Monatsumsatz mit 70 % Girocard-Anteil spart IC++ gegenüber 1,29 % Flatrate bis zu 120 € pro Monat.
3. Direktacquirer statt Reseller Manche Anbieter sind Reseller, die ihrerseits einen Acquirer beauftragen. Ein Direktacquirer wie PAYONE, Nexi oder Adyen hat weniger Zwischenstufen und damit potenziell günstigere Konditionen.
Disagio vs. Transaktionsgebühr: Was ist der Unterschied?
Technisch ist das Disagio die prozentuale Komponente. Transaktionsgebühren können zusätzlich eine Fixgebühr pro Buchung enthalten (z. B. 0,05 € bei Nexi). Bei kleinen Beträgen dominiert diese Fixgebühr den Gesamtpreis. Das Disagio allein sagt deshalb nicht alles: Erst die Kombination aus Prozentwert + Fixgebühr + Monatspauschale ergibt die echte Kostenstruktur. Der Kostenrechner rechnet alle drei durch.
Fazit
Das Disagio ist nicht der Preis, den ein Anbieter bewirbt — es ist die Summe aus Interchange, Scheme Fees und Acquirer-Marge. Wer die Komponenten kennt, kann vergleichen: Blended Rate ist einfach, IC++ ist günstiger bei günstigem Kartenmix. Wer den eigenen effektiven Durchschnittssatz nicht kennt, zahlt wahrscheinlich mehr als nötig.
→ Interchange-Gebühr erklärt → Kartenzahlung Kosten: Was Händler wirklich zahlen → Kostenrechner: Dein Kartentypen-Mix und was er kostet