PAYONE Erfahrungen: Das Sparkassen-Terminal im Praxistest
PAYONE ist Deutschlands meistgenutzter Acquirer — die meisten Händler wissen es nicht. Was es kostet, was dahintersteckt und wann ein Wechsel lohnt.
Eine Eisdiele in München, Juni 2026. Die Inhaberin zeigt auf das Kartenterminal hinter dem Tresen: „Das habe ich über meine Sparkasse. Die haben das damals eingerichtet.” Den Namen des Anbieters kennt sie nicht. Den genauen Gebührensatz auch nicht. Den Vertrag hat sie seit zwei Jahren nicht angeschaut.
Dieses Bild wiederholt sich in Hunderttausenden deutschen Betrieben. Der Anbieter dahinter heißt fast immer PAYONE.
Das Sparkassen-Terminal: Was viele Händler nicht wissen
PAYONE ist der größte Acquirer in Deutschland nach Händlerzahl — und trotzdem eine der unbekanntesten Marken im deutschen Zahlungsmarkt. Der Grund: PAYONE verkauft nicht direkt an Händler, sondern über Sparkassen und Commerzbank-Filialen. Das Terminal kommt vom Bankberater, der Vertrag läuft über die Hausbank, und der Name PAYONE erscheint bestenfalls auf der monatlichen Abrechnung.
Wer nie aktiv nach einem Kartenlesegerät gesucht hat, sondern es einfach von seiner Bank bekommen hat, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit PAYONE-Kunde — ohne es zu wissen.
Was PAYONE ist
PAYONE GmbH wurde aus der BS Payone heraus entwickelt und gehört heute mehrheitlich dem DSGV (Deutschen Sparkassen- und Giroverband) und der Commerzbank. Das Unternehmen verarbeitet nach eigenen Angaben über 3 Milliarden Transaktionen pro Jahr und betreut mehr als 300.000 Händler in Deutschland.
Das Geschäftsmodell ist klassisch bankgebunden: Der Händler kommt nicht zu PAYONE, PAYONE kommt über den Bankberater zum Händler. Das erklärt die hohe Marktdurchdringung — und die niedrige Markenbekanntheit.
Produkte im Überblick
PAYONE deckt den stationären und den Online-Kanal ab:
Stationär: Kartenterminals im Mietmodell — typischerweise Ingenico- oder Verifone-Geräte unter PAYONE-Branding. Die Terminals unterstützen Chip, PIN, Kontaktlos, Apple Pay und Google Pay. Für Gastronomie und Einzelhandel gibt es PAYONE POS, ein integriertes Kassensystem.
Online: PAYONE bietet einen vollständigen Payment-Gateway für E-Commerce (Shopware, WooCommerce, Magento, eigene API). Mit über 30 Zahlungsmethoden — von SEPA bis PayPal bis BNPL — ist PAYONE im Mittelstands-E-Commerce eine etablierte Größe.
Für Entwickler: PAYONE Connect als API-Zugang für individuelle Integrationen.
Für kleine stationäre Betriebe ist in der Regel nur das Terminal relevant — Gateway und API sind Mittelstands- und Enterprise-Produkte.
Gebühren: IC++ ohne Preisliste
PAYONE veröffentlicht keine Standardpreise. Das ist kein Zufall — es ist Geschäftsmodell. Konditionen werden über den jeweiligen Sparkassen-Berater ausgehandelt, und das Ergebnis hängt davon ab, ob der Berater überhaupt verhandelt.
Was aus Verträgen und Händler-Berichten bekannt ist:
| Kostenposition | Typische Höhe |
|---|---|
| Terminal-Miete | 15–35 €/Monat |
| Acquirer-Aufschlag (IC++) | 0,2–0,5 % + Fixbetrag |
| Grundgebühr / Servicepauschale | 5–15 €/Monat |
| Einrichtungsgebühr | 50–150 € einmalig |
| Mindestlaufzeit | 24–36 Monate |
Das IC++-Modell ist grundsätzlich fair — Händler zahlen tatsächliche Interchange plus einen festen Aufschlag. Aber: Wer seinen Vertrag nie verhandelt hat und über eine Sparkasse zum Standardpreis eingestiegen ist, zahlt oft einen Aufschlag, der nicht dem entspricht, was ein direktes Gespräch mit PAYONE ergeben würde.
Ein weiteres Problem: Viele ältere PAYONE-Verträge sind keine reinen IC++-Verträge, sondern enthalten pauschale Sätze, die dem Blended-Pricing ähneln. Wer einen Girocard-lastigen Kundenmix hat, zahlt damit für EC-Zahlungen weit mehr als nötig.
Was gut funktioniert
Zuverlässigkeit: PAYONE-Terminals sind robust und die Infrastruktur bewährt. Ausfälle sind selten, die Akzeptanz aller gängigen Kartensysteme ist vollständig.
Girocard-Expertise: Als deutsches Bank-System hat PAYONE tiefe Girocard-Integration. Für Betriebe mit fast ausschließlich deutschen Kunden ist das ein echter Vorteil.
Support-Kanal: Der Sparkassen-Berater ist für manche Händler ein echter Mehrwert — persönlicher Ansprechpartner, kein Call-Center. Das Gegenteil von SumUp oder Zettle.
E-Commerce: Wer stationär PAYONE nutzt und online wachsen will, kann denselben Acquirer für beide Kanäle nutzen. Das vereinfacht Abrechnung und Reporting.
Was nervt
Keine Preistransparenz: Kein Listenpreis, keine Vergleichbarkeit. Wer nicht aktiv nachfragt, weiß nie, ob er ein gutes Angebot hat.
Mindestlaufzeiten: 24–36 Monate sind Standard. Wer wechseln will, muss warten — oder Vertragsstrafen zahlen.
Terminal gehört PAYONE: Beim Wechsel muss das Gerät zurückgegeben werden. Kein Weiternutzen möglich.
Self-Service fehlt: Kontoeinstellungen, Gebührenübersicht, Tagesabschlüsse — alles läuft über das PAYONE-Portal, das nicht für Self-Service-Betrieb optimiert ist.
PAYONE vs. SumUp vs. Zettle
| PAYONE | SumUp | Zettle | |
|---|---|---|---|
| Preismodell | IC++ (verhandelt) | Blended 1,69 % | Blended 1,75 % |
| Terminal | Miete (15–35 €/Mt) | Kauf (39–99 €) | Kauf (~35 €) |
| Mindestlaufzeit | 24–36 Monate | keine | keine |
| Transparenz | niedrig | hoch | hoch |
| Zielgruppe | Mittelstand via Sparkasse | Einsteiger, KMU | PayPal-Nutzer |
| Support | Sparkassen-Berater | Online / App | Online / App |
| Girocard IC++ | ja | nein (Blended) | nein (Blended) |
Ab ca. 15.000 € Kartenumsatz pro Monat — bei einem Kundenmix mit hohem Girocard-Anteil — kann ein gut verhandelter PAYONE-IC++-Vertrag günstiger sein als SumUp. Unter dieser Schwelle ist der Vorteil meist nicht vorhanden.
Wann es sich lohnt, den Vertrag zu prüfen
Vier konkrete Signale, dass es Zeit ist:
- Vertrag älter als 2 Jahre — Konditionen wurden wahrscheinlich nicht aktualisiert, obwohl sich der Markt verändert hat.
- Keine Aufschlüsselung nach Kartentyp — Wenn die Abrechnung nur eine Gesamtsumme zeigt, ist unklar, was Girocard und was Kreditkarte kostet.
- Monatliche Gesamtkosten unklar — Terminal-Miete + Transaktionsgebühren + Grundgebühr sollten auf einen Blick ersichtlich sein.
- Mindestlaufzeit läuft bald aus — Das ist der einzige Moment, in dem ein Wechsel ohne Kosten möglich ist. Kündigungsfrist: typisch 3 Monate vor Vertragsende.
Wer kündigen will, sollte sich vorab informieren: Die Fristen und das Rückgabeprozedere für das Terminal sind vertragsgebunden.
→ Kartenterminal kündigen: Fristen, Fallen und Wechsel-Checkliste → Nexi Erfahrungen: Was der andere Bank-Acquirer für Händler bedeutet → Girocard Kosten: Was EC-Zahlung für Händler wirklich kostet → Interchange-Gebühr: Die versteckte Kosten-Komponente erklärt → Alle Terminals im Vergleich
Häufige Fragen
Was ist PAYONE — und was hat das mit der Sparkasse zu tun?
PAYONE GmbH ist ein deutsches Zahlungsunternehmen, das mehrheitlich von der Sparkassen-Finanzgruppe (DSGV) und der Commerzbank gehalten wird. Wer ein Kartenterminal über seine Sparkasse bezieht, hat in den meisten Fällen einen PAYONE-Acquirer-Vertrag — auch wenn die Marke PAYONE auf dem Terminal nicht steht.
Wie sind die Gebühren bei PAYONE?
PAYONE veröffentlicht keine Listenpreise. Konditionen werden über die jeweilige Sparkasse oder direkt verhandelt. Typisch ist ein IC++-Modell mit Acquirer-Aufschlag plus monatlicher Terminal-Miete (15–35 €). Wer seinen Vertrag nie hinterfragt hat, zahlt oft mehr als mit modernen Anbietern wie SumUp oder Zettle.
Kann ich meinen PAYONE-Vertrag kündigen?
Ja, aber Mindestlaufzeiten von 12–36 Monaten sind üblich. Wer kündigen will, muss die Frist im Vertrag prüfen — oft 3 Monate vor Vertragsende. Wichtig: Das Terminal gehört PAYONE und muss zurückgegeben werden.
Für wen ist PAYONE besser als SumUp?
Für Betriebe mit hohem Umsatzvolumen (>15.000 €/Mt) und einem Girocard-lastigen Kundenmix kann PAYONE durch IC++-Konditionen günstiger sein. Wer aber Transparenz, Self-Service und kurze Vertragslaufzeiten will, ist mit SumUp, Zettle oder myPOS besser bedient.