Visa & Mastercard Gebühren für Händler: Was Interchange und Scheme Fee wirklich bedeuten · Zahlungskompass
Zahlungskompass Echte Kosten berechnen
Ratgeber

Visa & Mastercard Gebühren für Händler: Was Interchange und Scheme Fee wirklich bedeuten

Visa & Mastercard Gebühren für Händler: Interchange, Scheme Fee und Acquirer-Marge erklärt — was jede Schicht kostet und wie Händler steuern können.

Von Ulf Mayer 21. August 2026 5 Min. Lesezeit
Visa und Mastercard Kreditkarten auf einem Tisch — Gebühren für Händler erklärt

Auf dem Kontoauszug steht „1,5 % Kartengebühr”. Aber wer bekommt dieses Geld eigentlich — und wofür? Die meisten Händler wissen es nicht. Die Antwort hat drei Teile.

Die drei Schichten der Kartengebühr

Jede Kartenzahlung läuft durch eine Kette von Beteiligten: die kartenausgebende Bank des Kunden, das Kartennetzwerk (Visa oder Mastercard) und der Acquirer bzw. PSP des Händlers. Jeder dieser Beteiligten nimmt einen Anteil — und zusammen ergeben sie die Gesamtgebühr, die der Händler zahlt.

Interchange → Acquirer → ausgebende Bank. Der größte Anteil der Gebühr geht an die Bank, die die Karte des Kunden ausgestellt hat. Diese Interbank-Gebühr heißt Interchange. Die EU hat sie 2015 per Interchange Fee Regulation (IFR) gedeckelt.

Scheme Fee → Acquirer → Visa oder Mastercard. Ein kleinerer Anteil geht an das Kartennetzwerk als Nutzungsgebühr für die Infrastruktur. Diese Gebühr ist nicht öffentlich ausgewiesen und variiert nach Volumen und Vertragspartner.

Acquirer-Marge → Händler → PSP/Acquirer. Der Rest ist der Aufschlag des Zahlungsdienstleisters. Bei Blended-Pricing ist er in der Gesamtrate versteckt; bei IC++ wird er separat ausgewiesen.

Interchange: Was die EU geregelt hat

Die EU-Interchange Fee Regulation (IFR, Verordnung 2015/751) hat Interbank-Gebühren für Verbraucherkarten gedeckelt:

KartentypInterchange-Deckelung (EU)
Verbraucher-Debitkarte (Visa Debit, Mastercard Debit)0,2 %
Verbraucher-Kreditkarte (Visa Credit, Mastercard Credit)0,3 %
Firmenkreditkartenicht gedeckelt (typisch 1,5–2,5 %)
Girocard (DE)nicht von IFR erfasst, eigene DK-Regulierung

Die Girocard — früher EC-Karte — fällt nicht unter die EU-IFR. Sie wird von der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) reguliert und hat traditionell niedrigere Interbank-Entgelte als internationale Debitkarten. Der Satz liegt je nach Acquirer-Vertrag bei etwa 0,10–0,15 % plus einem kleinen Fixbetrag pro Transaktion.

Mehr zur Interchange-Gebühr im Detail.

Scheme Fee: Was Visa und Mastercard nehmen

Die Scheme Fee ist die Gebühr, die das Kartennetzwerk selbst — also Visa oder Mastercard — für die Nutzung seiner Infrastruktur erhebt. Sie wird vom Acquirer an das Netzwerk abgeführt und typischerweise an den Händler weitergegeben.

Was die Scheme Fee besonders macht: Sie ist nicht öffentlich. Visa und Mastercard veröffentlichen keine Preislisten für Händler. Die tatsächlichen Sätze hängen vom Transaktionsvolumen, dem Land und dem Acquirer-Vertrag ab.

Schätzungen aus Branchenberichten und IC++-Abrechnungen liegen bei 0,05–0,15 % für Basistransaktionen, zuzüglich Fixbeträge je nach Transaktionstyp (kontaktlos, online, Cross-Border). Seit 2022 sind die Scheme Fees mehrfach gestiegen — ohne öffentliche Ankündigung und ohne regulatorische Deckelung.

Die EU diskutiert derzeit eine stärkere Transparenzpflicht für Scheme Fees. Mehr dazu im Scheme Fee-Ratgeber.

Acquirer-Marge: Was dein PSP aufschlägt

Der dritte Teil ist der Aufschlag des Zahlungsdienstleisters — der Preis für Kontoführung, Risikomanagement, Support und Weiterleitung der Transaktion.

Bei Blended-Pricing (Pauschalrate) ist diese Marge nicht sichtbar. Du siehst nur die Gesamtrate (z.B. 1,69 % bei SumUp). Ob darunter mehr Interchange oder mehr Marge steckt, bleibt unklar.

Bei IC++ (Interchange Plus Plus) wird die Marge explizit ausgewiesen:

Interchange (tatsächlicher Satz) + Scheme Fee (tatsächlicher Satz) + 0,25 % + 0,05 € Acquirer-Marge

Das macht Abrechnungen komplexer, aber transparenter — und erlaubt dem Händler zu prüfen, ob die Konditionen marktgerecht sind.

Blended vs. IC++: Welches Modell passt zu wem?

Die Wahl des Preismodells hängt vom Kartenmix ab — also welche Kartentypen deine Kunden tatsächlich nutzen.

KartentypTatsächliche Kosten (geschätzt)Blended 1,5 %Bewertung
Girocard DE~0,15–0,20 %1,5 %Händler überzahlt stark
Visa/MC Debit EU~0,35–0,40 %1,5 %Händler überzahlt
Visa/MC Credit EU~0,45–0,55 %1,5 %Händler überzahlt leicht
Firmenkreditkarte~2,0–2,5 %1,5 %Händler zahlt drauf

Blended-Pricing lohnt sich wenn: Der Kartenmix unklar ist, das Volumen niedrig ist und Einfachheit wichtiger als Optimierung ist. SumUp, Zettle und Mollie Standard bieten Blended — unkompliziert, gut für Einsteiger.

IC++ lohnt sich wenn: Hoher Anteil Girocard (typisch im stationären Einzelhandel und Gastronomie in DE), hohes Transaktionsvolumen (ab ca. 50.000 €/Monat), oder Firmenkunden mit hohem Anteil Firmenkarten. Acquirer: Adyen, Nexi, PAYONE, Stripe (auf Anfrage).

Zum Vergleich verschiedener Modelle: IC++ vs. Blended-Pricing erklärt.

Visa vs. Mastercard: Gibt es einen Unterschied für Händler?

Für die meisten Händler: nein. Die Interchange-Sätze sind durch die IFR für beide Netzwerke gleich gedeckelt. Die Scheme Fees unterscheiden sich geringfügig und sind verhandlungsabhängig.

In der Praxis sind die Gesamtgebühren für eine Visa und eine Mastercard des gleichen Typs (beide Verbraucher-Debit oder beide Verbraucher-Credit) nahezu identisch. Du musst also nicht zwischen den Netzwerken wählen — du akzeptierst beide oder keines, und die Gebühren sind vergleichbar.

Consumer vs. Firmenkarte: Warum die Kartenart die Gebühr treibt

Das ist der größte Kostentreiber, den viele Händler unterschätzen: Firmenkreditkarten sind nicht gedeckelt.

Während eine gewöhnliche Visa Debit des Privatkunden 0,2 % Interchange kostet, kann eine Visa Business oder Mastercard Corporate 1,5–2,5 % kosten. Diese Karten sind optisch kaum von Consumer-Karten zu unterscheiden — Händler akzeptieren sie oft unwissentlich zu einem Vielfachen der üblichen Kosten.

Wer im B2B-Umfeld tätig ist oder viele Firmenkunden hat, sollte seinen Kartenmix regelmäßig auswerten. Bei IC++-Pricing werden Firmenkarten-Transaktionen direkt sichtbar — bei Blended-Pricing werden sie quersubventioniert. Mehr dazu: Kartenmix analysieren.

Was das Surcharging-Verbot bedeutet

Darf man Kunden für Kreditkartenzahlungen einen Aufpreis verlangen, um die Gebühr weiterzugeben?

Für Verbraucher-Visa und -Mastercard: nein. PSD2 Artikel 62 verbietet Händlern in der EU einen Aufschlag auf regulierte Zahlungsmethoden. Das gilt für alle Standard-Consumer-Karten.

Ausgenommen sind: Firmenkarten, Karten außerhalb des EWR, PayPal (nicht reguliert), Amex (nicht durch IFR gedeckelt). Wer also einen Aufpreis für Amex erheben will, ist in einer anderen rechtlichen Situation als bei Visa oder Mastercard. Mehr dazu im Ratgeber zu Girocard-Kosten für Händler.


Interchange-Gebühr: Die versteckte Komponente jeder Kartenzahlung
Scheme Fees erklärt: Was Visa und Mastercard Händlern in Rechnung stellen
Girocard Kosten für Händler: Was EC-Zahlung wirklich kostet
Kartenmix analysieren: Welche Karten dich am meisten kosten

Häufige Fragen

Was kostet Visa oder Mastercard für Händler?

Die Gesamtgebühr setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Interchange (0,2–0,3 % für Consumer-Kreditkarten in der EU, geregelt durch die IFR), Scheme Fee (Visa/Mastercard, ca. 0,1–0,3 %) und Acquirer-Marge (Aufschlag des Zahlungsdienstleisters). Im Blended-Pricing siehst du nur eine Zahl (z.B. 1,5 % bei Stripe); bei IC++ werden alle drei Schichten getrennt ausgewiesen.

Ist Visa günstiger als Mastercard für Händler?

Nicht systematisch. Interchange-Sätze sind durch die EU-IFR reguliert und für Visa und Mastercard gleich gedeckelt (0,2 % Debit, 0,3 % Credit für Verbraucherkarten). Die Scheme Fees unterscheiden sich minimal und schwanken je nach Volumen und Acquirer-Vertrag.

Was ist der Unterschied zwischen Blended-Pricing und IC++?

Bei Blended-Pricing (SumUp, Zettle: 1,69–1,75 %) zahlst du einen Pauschalsatz unabhängig von der Kartenart. Bei IC++ (Interchange Plus Plus) siehst du die tatsächlichen Interchange-Kosten + Scheme Fee + einen festen Acquirer-Aufschlag. IC++ ist transparenter und bei vielen Kartenmixes günstiger — aber schwerer zu kalkulieren.

Darf ich Kunden für Kreditkartenzahlungen mehr verlangen?

In der EU grundsätzlich nein: Das Surcharging-Verbot der PSD2 untersagt es Händlern, für Visa oder Mastercard Consumer-Karten einen Aufschlag zu verlangen. Für Firmenkarten und Karten außerhalb der EU gilt das nicht.