Vorkasse: Wann sie sinnvoll ist — und was Händler beachten müssen
Vorkasse einfach erklärt: Wann Händler Vorkasse verlangen dürfen, was Kunden schützt und wie man Vorkasse so kommuniziert, dass sie die Conversion nicht killt.
Für Händler ist Vorkasse die sicherste Zahlungsart: Erst kommt das Geld, dann die Ware. Für Kunden ist sie dagegen die unsicherste — und genau das macht sie im Onlinehandel zum Problem. Wer nur Vorkasse anbietet, verliert Kunden. Wer sie ganz weglässt, verzichtet auf eine gebührenfreie Zahlungsart. Dieser Ratgeber zeigt, wann Vorkasse sinnvoll ist, was rechtlich gilt und wie Sie sie so einsetzen, dass sie nicht abschreckt.
Was ist Vorkasse?
Vorkasse (auch Vorauszahlung oder Vorauskasse) bedeutet: Der Kunde zahlt vollständig, bevor er die Ware oder Leistung erhält.
Im deutschen Onlinehandel meint „Vorkasse” meist ganz konkret die Zahlung per Überweisung vor dem Versand: Der Kunde bestellt, erhält die Bankverbindung, überweist, und der Händler verschickt nach Zahlungseingang.
Streng genommen sind aber auch andere Zahlungsarten Vorkasse, weil das Geld vor der Lieferung fließt:
- Kreditkarte und Debitkarte im Onlineshop
- PayPal
- Apple Pay und Google Pay
- Pay by Bank und Wero
Der Unterschied: Diese Zahlungsarten bieten dem Kunden Schutzmechanismen wie Chargeback oder Käuferschutz. Die klassische Überweisung nicht.
Vorkasse gibt es auch offline:
- Maßanfertigungen im Handwerk, bei Möbeln oder Schmuck
- Bestellware im Einzelhandel, die speziell für den Kunden beschafft wird
- Tickets, Kurse und Events, die vorab bezahlt werden
- Gastronomie: Vorauszahlung bei Gruppenreservierungen oder Menüs
Ist Vorkasse erlaubt? Rechtslage in Deutschland
Ja. Händler dürfen grundsätzlich selbst entscheiden, welche Zahlungsarten sie akzeptieren, und Vorkasse verlangen. Es gibt aber einige Regeln, die Sie kennen sollten:
1. Eine kostenlose Zahlungsart muss angeboten werden Gegenüber Verbrauchern muss mindestens eine gängige und zumutbare Zahlungsmöglichkeit ohne zusätzliches Entgelt angeboten werden (§ 312a Abs. 4 BGB). Vorkasse per Überweisung erfüllt das in der Regel.
2. Keine Aufschläge für bestimmte Zahlungsarten Für SEPA-Überweisungen, SEPA-Lastschriften und Verbraucherkarten von Visa und Mastercard dürfen keine Zusatzgebühren verlangt werden (§ 270a BGB). Rabatte für Vorkasse sind dagegen zulässig. Mehr dazu im Ratgeber Kartengebühr auf Kunden umlegen.
3. Transparenz im Checkout Die akzeptierten Zahlungsarten müssen spätestens zu Beginn des Bestellvorgangs klar erkennbar sein (§ 312j BGB). Wer erst im letzten Schritt verrät, dass nur Vorkasse möglich ist, verstößt gegen diese Pflicht.
4. Widerrufsrecht bleibt bestehen Auch bei Vorkasse haben Verbraucher im Onlinehandel ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Nach einem Widerruf müssen Sie den Kaufpreis innerhalb von 14 Tagen erstatten — über dasselbe Zahlungsmittel, sofern nichts anderes vereinbart ist. Bei Vorkasse per Überweisung heißt das: Sie brauchen die Bankverbindung des Kunden.
5. Vorkasse im Handwerk und bei Werkverträgen Bei Werkverträgen ist nach dem Gesetz eigentlich die Abnahme Voraussetzung für die Fälligkeit. Vorkasse oder Abschlagszahlungen müssen deshalb vertraglich vereinbart werden, und in AGB gegenüber Verbrauchern sind überhöhte Vorauszahlungen unwirksam. Details im Ratgeber Anzahlung als Handwerker verlangen.
Wann lohnt sich Vorkasse für Händler?
Die Vorteile aus Händlersicht:
- Kein Zahlungsausfall: Versand erst nach Geldeingang
- Keine Transaktionsgebühren: Eine Überweisung kostet Sie nichts oder nur die Kontogebühr
- Keine Rückbuchung: Eine ausgeführte Überweisung kann der Kunde nicht einseitig zurückholen — anders als Lastschrift oder Kreditkarte
- Liquidität: Bei Bestellware haben Sie das Geld, bevor Sie selbst Material einkaufen
Die Nachteile:
- Abbrüche im Checkout: Viele Kunden wollen nicht in Vorleistung gehen
- Wartezeit: Kunden überweisen oft verzögert, Ware liegt reserviert im Lager
- Manueller Aufwand: Zahlungseingänge zuordnen, nicht bezahlte Bestellungen nachfassen und stornieren
- Längere Lieferzeit aus Kundensicht
Vorkasse ist besonders sinnvoll bei:
- Maßanfertigungen und individualisierter Ware, die nicht wieder verkauft werden kann
- Hohen Warenwerten und Kunden ohne Zahlungshistorie
- Auslandslieferungen, bei denen Inkasso schwierig wäre
- B2B-Neukunden vor der ersten Lieferung auf Rechnung
- Kleinen Shops mit geringen Margen, für die Zahlungsgebühren ins Gewicht fallen
- Stammkunden, die dem Shop vertrauen und die Überweisung gewohnt sind
Vorkasse und Verbrauchervertrauen: Das Conversion-Problem
Aus Kundensicht ist Vorkasse per Überweisung die riskanteste Zahlungsart:
- Das Geld ist weg, bevor die Ware da ist.
- Eine Überweisung lässt sich nicht einfach zurückholen.
- Es gibt keinen Käuferschutz wie bei PayPal und kein Chargeback wie bei der Kreditkarte.
- Fake-Shops setzen fast immer auf Vorkasse, oft sogar mit auffälligen Rabatten dafür. Verbraucherzentralen warnen entsprechend.
Die Folge für ehrliche Händler: Ein Shop, der nur Vorkasse anbietet, wirkt auf viele Kunden verdächtig — ganz gleich, wie seriös er ist. Studien und Händlerbefragungen zeigen seit Jahren, dass die angebotenen Zahlungsarten ein wesentlicher Grund für Kaufabbrüche sind. Wer nur Vorkasse anbietet, verliert damit gerade Neukunden.
Faustregel: Vorkasse als zusätzliche Option funktioniert gut. Vorkasse als einzige Option kostet Umsatz.
Vorkasse richtig kommunizieren
Wenn Sie Vorkasse anbieten, entscheidet die Kommunikation darüber, ob Kunden sie annehmen:
1. Vertrauen sichtbar machen
- Vollständiges Impressum mit Anschrift und Telefonnummer
- Echte Kundenbewertungen oder Gütesiegel
- Klare Angaben zu Lieferzeit, Versand und Rückgabe
2. Den Ablauf erklären „Nach Ihrer Bestellung erhalten Sie unsere Bankverbindung per E-Mail. Sobald Ihre Zahlung eingegangen ist — bei Echtzeitüberweisung in wenigen Sekunden —, versenden wir innerhalb von 24 Stunden.”
3. Vorteil anbieten statt Nachteil verschweigen
- Kleiner Vorkasse-Rabatt (z. B. 2 %), sofern Sie ihn sich leisten können — Aufschläge für andere Zahlungsarten sind dagegen verboten
- Schnellerer Versand bei Echtzeitüberweisung
4. Das Überweisen leicht machen
- GiroCode (QR-Code) in der Bestätigungsmail oder auf der Rechnung — der Kunde scannt ihn mit der Banking-App, Betrag und Verwendungszweck sind vorausgefüllt
- Eindeutiger Verwendungszweck mit Bestellnummer
- Hinweis auf Echtzeitüberweisung, die inzwischen bei allen Banken im Euroraum möglich ist. Mehr dazu im Ratgeber Wie lange dauert eine Überweisung?
5. Klare Fristen setzen „Bitte überweisen Sie innerhalb von 7 Tagen. Danach wird Ihre Bestellung automatisch storniert.” Eine automatische Erinnerung nach 3 Tagen erhöht die Zahlungsquote spürbar.
6. Sicherheitshinweise geben Weisen Sie darauf hin, dass sich Ihre Bankverbindung nie per E-Mail ändert. Das schützt Kunden vor Betrügern, die sich in E-Mail-Verkehr einklinken.
Alternativen zur Vorkasse: Anzahlung, BNPL, Treuhandservice
Wer die Sicherheit der Vorkasse will, ohne Kunden abzuschrecken, hat mehrere Möglichkeiten:
Anzahlung Der Kunde zahlt einen Teil vorab, den Rest bei Lieferung oder Abholung. Üblich bei Maßanfertigungen, Handwerk und größeren Aufträgen. Das Risiko wird geteilt, das Vertrauen des Kunden steigt.
Kartenzahlung und Wallets Für den Händler ebenfalls Vorkasse — das Geld ist vor dem Versand autorisiert. Der Kunde hat über die Karte einen Schutzmechanismus. Kosten: prozentuale Gebühr, dazu ein Chargeback-Risiko. Überblick im Ratgeber Kartenzahlung im Internet.
PayPal Sehr verbreitet und vertrauensbildend, aber vergleichsweise teuer. Der Käuferschutz kann für Händler zu Rückforderungen führen.
Pay by Bank und Wero Kontobasierte Sofortzahlung direkt aus dem Checkout: Für Händler so sicher wie Vorkasse, für Kunden bequemer, weil keine Bankdaten abgetippt werden. Siehe Pay by Bank für Händler und Sofortüberweisung und Alternativen.
Kauf auf Rechnung (BNPL) Der Kunde zahlt nach Erhalt der Ware. Ein Zahlungsdienstleister übernimmt das Ausfallrisiko und zahlt Sie sofort aus. Für Kunden die beliebteste Option, für Händler meist die teuerste.
Treuhandservice Ein Treuhänder verwahrt das Geld, bis der Kunde den Erhalt bestätigt. Sinnvoll bei hohen Einzelbeträgen zwischen Unbekannten, etwa beim Verkauf von Fahrzeugen oder Maschinen. Für den normalen Onlineshop meist zu aufwendig.
Vor Ort: Zahlung bei Abholung Für lokale Händler oft die beste Lösung: Online reservieren, im Laden abholen und direkt per Karte, Smartphone oder bar bezahlen. Kein Risiko, keine Vorleistung des Kunden. Passende Lösungen zeigt die Übersicht Omnichannel-Payment.
Vorkasse vs. Nachnahme vs. Kreditkarte: Was das Risiko verteilt
| Zahlungsart | Risiko Händler | Risiko Kunde | Kosten Händler | Geld beim Händler |
|---|---|---|---|---|
| Vorkasse (Überweisung) | sehr gering | hoch | keine | vor Versand |
| Anzahlung | gering | mittel | keine | teilweise vor Versand |
| Kreditkarte online | mittel (Chargeback) | gering | ca. 1–2,5 % | 1–3 Werktage |
| PayPal | mittel (Käuferschutz) | gering | ca. 2–3 % + Fixbetrag | sofort im PayPal-Konto |
| Pay by Bank / Wero | sehr gering | mittel | meist unter Karte | Sekunden bis 1 Tag |
| Lastschrift | hoch (8 Wochen Rückgabe) | gering | gering | wenige Tage |
| Nachnahme | mittel (Annahmeverweigerung) | gering | hohe Versandzuschläge | bei Zustellung, mit Verzögerung |
| Rechnung selbst | hoch | sehr gering | Mahnwesen | nach Zahlungsziel |
| Rechnung über BNPL | gering | sehr gering | ca. 2–5 % | kurz nach Versand |
| Zahlung bei Abholung | sehr gering | sehr gering | Kartengebühr oder keine | sofort |
Nachnahme spielt heute kaum noch eine Rolle: Sie ist bei Paketdiensten nur noch eingeschränkt verfügbar, teuer, und verweigert der Kunde die Annahme, tragen Sie Hin- und Rückversand.
Die beste Mischung für die meisten Onlineshops: eine gebührenfreie Option (Vorkasse oder Pay by Bank), eine Karten- oder Wallet-Option und — je nach Zielgruppe — PayPal oder Rechnungskauf. Wer auch ein Ladengeschäft hat, ergänzt die Abholung mit Zahlung vor Ort.
Fazit
Vorkasse schützt Händler vor Zahlungsausfällen und kostet keine Gebühren — aber sie verlagert das Risiko komplett auf den Kunden. Deshalb funktioniert sie am besten als eine Option unter mehreren, nicht als einzige Zahlungsart. Wer Vorkasse anbietet, sollte Vertrauen aktiv aufbauen, das Überweisen mit GiroCode und Echtzeitüberweisung erleichtern und klare Fristen setzen. Für Maßanfertigungen, Bestellware und neue Geschäftskunden bleibt Vorkasse — oder zumindest eine Anzahlung — ein sinnvolles Werkzeug.
→ Anzahlung als Handwerker verlangen → Pay by Bank für Händler → Kartenzahlung im Internet → Omnichannel-Payment: Online und stationär → Alle Kartenterminals im Vergleich
Häufige Fragen
Was bedeutet Vorkasse?
Vorkasse bedeutet, dass der Kunde bezahlt, bevor er die Ware oder Leistung erhält. Im engeren Sinn ist meist die Zahlung per Überweisung vor dem Versand gemeint. Im weiteren Sinn sind auch Kartenzahlung, PayPal oder Sofortzahlungen im Onlineshop Vorkasse, weil das Geld vor dem Versand fließt.
Dürfen Händler Vorkasse verlangen?
Ja. Händler dürfen grundsätzlich selbst festlegen, welche Zahlungsarten sie akzeptieren, und Vorkasse verlangen. Gegenüber Verbrauchern muss aber mindestens eine gängige und zumutbare Zahlungsmöglichkeit ohne zusätzliches Entgelt angeboten werden. Für Überweisung, Lastschrift und Verbraucherkarten dürfen keine Aufschläge verlangt werden.
Ist Vorkasse für Kunden sicher?
Vorkasse per Überweisung ist für Kunden die riskanteste Zahlungsart, weil eine Überweisung nicht einfach zurückgeholt werden kann. Bei Fake-Shops ist sie besonders verbreitet. Kunden schützen sich, indem sie Impressum, Bewertungen und Warnlisten prüfen oder eine Zahlungsart mit Käuferschutz wählen.
Wie lange muss ein Händler bei Vorkasse auf das Geld warten?
Bei einer normalen SEPA-Überweisung höchstens einen Geschäftstag nach Auftragserteilung, bei einer Echtzeitüberweisung nur Sekunden. Viele Kunden überweisen aber nicht sofort nach der Bestellung. Händler sollten eine Zahlungsfrist setzen, zum Beispiel 7 Tage, und nicht bezahlte Bestellungen danach stornieren.
Was ist der Unterschied zwischen Vorkasse und Anzahlung?
Bei der Vorkasse wird der gesamte Betrag vor Lieferung gezahlt. Bei der Anzahlung nur ein Teil, der Rest folgt bei oder nach Lieferung. Anzahlungen sind vor allem bei Maßanfertigungen, Handwerksleistungen und größeren Aufträgen üblich.