Auf Rechnung anbieten: BNPL, Klarna, Ratepay und was es Händler kostet
Kauf auf Rechnung für Händler: Wie BNPL-Anbieter wie Klarna, Ratepay und Afterpay funktionieren, was sie kosten und wann sich 'Auf Rechnung' lohnt.
Kein anderes Land in Europa liebt den Kauf auf Rechnung so sehr wie Deutschland. Kunden wollen erst die Ware sehen, dann bezahlen — vor allem bei Shops, die sie noch nicht kennen. Für Händler ist das eine Zwickmühle: Ohne Rechnungskauf springen Kunden ab, mit Rechnungskauf drohen Zahlungsausfälle. Die Lösung vieler Shops heißt BNPL (Buy Now, Pay Later): Ein Dienstleister übernimmt das Risiko — gegen Gebühr.
Was bedeutet ‘Auf Rechnung’ für Händler?
Beim Kauf auf Rechnung erhält der Kunde die Ware vor der Zahlung und begleicht die Rechnung innerhalb eines Zahlungsziels, typischerweise 14 oder 30 Tage.
Für Händler gibt es zwei grundlegend verschiedene Modelle:
| Rechnung selbst | Rechnung über BNPL-Anbieter | |
|---|---|---|
| Wer prüft die Bonität? | Sie selbst (oder gar nicht) | der Anbieter, automatisch in Sekunden |
| Wer trägt das Ausfallrisiko? | Sie | der Anbieter |
| Wer mahnt? | Sie | der Anbieter |
| Wann haben Sie das Geld? | wenn der Kunde zahlt | kurz nach Versand, nach Vertrag |
| Kosten | Mahnaufwand, Ausfälle, Liquidität | Gebühr pro Transaktion |
| Geeignet für | Stammkunden, B2B, lokale Kunden | Onlineshops mit Neukunden |
Kauf auf Rechnung im Ladengeschäft? Im stationären Handel spielt Rechnungskauf eine kleinere Rolle — außer bei Handwerkern, Werkstätten, Großhändlern und Geschäftskunden. Einige BNPL-Anbieter bieten aber auch In-Store-Lösungen an, bei denen der Kunde per App oder QR-Code an der Kasse „später bezahlen” wählt.
Wie BNPL-Anbieter das Ausfallrisiko übernehmen
Das Geschäftsmodell der BNPL-Anbieter funktioniert so:
- Kunde wählt „Rechnung” im Checkout.
- Echtzeit-Prüfung: Der Anbieter prüft in Sekunden Identität, Adresse, Bonität (z. B. über Auskunfteien), Bestellverhalten und Betrugsmuster.
- Zusage oder Ablehnung: Bei Zusage erscheint die Rechnungsoption; bei Ablehnung wird der Kunde auf andere Zahlungsarten verwiesen.
- Forderungsübernahme: Der Anbieter kauft Ihnen die Forderung ab oder garantiert sie.
- Auszahlung an Sie: Sie erhalten den Betrag abzüglich Gebühr, meist nach Versandbestätigung oder in festen Auszahlungsrhythmen.
- Kunde zahlt an den Anbieter — inklusive Erinnerungen und Mahnungen, die der Anbieter übernimmt.
Wichtig zu wissen:
- Retouren melden Sie dem Anbieter, der die Rechnung des Kunden entsprechend reduziert. Bereits ausgezahltes Geld wird mit künftigen Auszahlungen verrechnet.
- Zahlungsgarantie mit Bedingungen: Die Garantie gilt meist nur, wenn Sie Versand und Zustellung nachweisen können, etwa per Sendungsnummer. Bei Streit über „Ware nicht erhalten” liegt die Beweislast oft bei Ihnen.
- Ablehnungsquote: Nicht jeder Kunde bekommt Rechnungskauf. Für ihn brauchen Sie weiterhin gute Alternativen.
Regulierung: Mit der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie werden viele BNPL-Angebote ab Ende 2026 stärker reguliert, etwa bei Kreditwürdigkeitsprüfung und Informationspflichten. Die Umsetzung liegt vor allem bei den Anbietern, kann aber den Checkout-Ablauf verändern. Fragen Sie Ihren Anbieter, was sich für Ihren Shop ändert.
Klarna Rechnungskauf: Kosten und Integration
Klarna aus Schweden ist in Deutschland der bekannteste BNPL-Anbieter. Neben dem Rechnungskauf („Später bezahlen”) bietet Klarna Ratenkauf und Sofortzahlung per Bankkonto an — letztere ist der Nachfolger der früheren Sofortüberweisung.
Integration:
- Plugins für alle gängigen Shopsysteme (Shopify, Shopware, WooCommerce, Magento u. a.)
- Einbindung über Zahlungsplattformen wie Adyen, Mollie, Stripe oder Unzer möglich
- Eigene Klarna-App mit Einkaufsfunktionen, die Kunden auch zum Shop führen kann
- In-Store-Lösungen für den stationären Handel
Kosten: Klarna veröffentlicht für Deutschland keine einheitliche Preisliste für alle Händler. Die Konditionen bestehen typischerweise aus einem Prozentsatz vom Umsatz plus einer Fixgebühr pro Transaktion und werden je nach Branche, Warenkorb und Volumen vereinbart. Lassen Sie sich die Gebühren getrennt nach Zahlungsart (Rechnung, Raten, Sofortzahlung) und inklusive aller Nebenkosten schriftlich geben.
Stärken: hohe Bekanntheit, starkes Vertrauen bei jüngeren Zielgruppen, einfache Integration. Schwächen: Kundenbeziehung liegt teilweise bei Klarna, Kosten vergleichsweise hoch, Kunden brauchen zunehmend ein Klarna-Konto.
Ratepay: B2B- und B2C-Rechnungskauf
Ratepay ist ein Anbieter aus Berlin, der sich auf Rechnungskauf, Ratenzahlung und Lastschrift spezialisiert hat — sowohl für Verbraucher als auch für Geschäftskunden.
Besonderheiten:
- White-Label-Ansatz: Ratepay tritt im Checkout zurückhaltend auf; Kunden haben das Gefühl, direkt beim Shop auf Rechnung zu kaufen. Die Kundenbeziehung bleibt stärker beim Händler.
- B2B-Rechnungskauf mit höheren Beträgen und längeren Zahlungszielen
- Einbindung direkt oder über Zahlungsplattformen und Shopsystem-Plugins
- Viele große Händler und Marktplätze setzen Ratepay im Hintergrund ein
Kosten: individuell verhandelt, typischerweise ebenfalls Prozentsatz plus Fixbetrag.
Geeignet für: etablierte Shops, die Rechnungskauf anbieten möchten, ohne ihre Kunden in das Ökosystem eines bekannten BNPL-Markenanbieters zu schicken.
Afterpay / Riverty: Was sich geändert hat
Afterpay war in Deutschland der Name des Rechnungskauf-Angebots von Arvato Financial Solutions aus der Bertelsmann-Gruppe. Um Verwechslungen mit dem gleichnamigen australischen BNPL-Anbieter zu vermeiden (der heute zu Block, dem Mutterkonzern von Square, gehört), wurde das europäische Angebot 2022 in Riverty umbenannt.
Für Händler heißt das:
- Bestehende Afterpay-Integrationen laufen unter dem Namen Riverty weiter.
- Im Checkout sollte der aktuelle Name angezeigt werden — veraltete Logos verunsichern Kunden.
- Riverty bietet Rechnungskauf, Ratenzahlung und Lastschrift sowie Dienste für Forderungsmanagement und Inkasso.
Nicht verwechseln: Das australische Afterpay (in Großbritannien „Clearpay”) ist in Deutschland kaum verbreitet und hat mit Riverty nichts zu tun.
Weitere Anbieter im Überblick:
| Anbieter | Schwerpunkt | Besonderheit |
|---|---|---|
| Klarna | B2C | höchste Bekanntheit, eigene App |
| Ratepay | B2C und B2B | White-Label, Kundenbeziehung beim Händler |
| Riverty | B2C | früher Afterpay, Bertelsmann-Gruppe |
| PayPal „Später bezahlen” | B2C | im PayPal-Checkout integriert |
| B2B-Spezialisten | Geschäftskunden | höhere Limits, längere Zahlungsziele |
Auf Rechnung im eigenen Shop: Was das kostet
Mit BNPL-Anbieter: Die Gebühren liegen in der Praxis häufig im Bereich von etwa 2 bis 5 % des Warenkorbs, abhängig von Anbieter, Branche und Volumen. Branchen mit hoher Retourenquote oder Betrugsanfälligkeit zahlen tendenziell mehr.
Selbst anbieten — die versteckten Kosten:
| Kostenpunkt | Beschreibung |
|---|---|
| Zahlungsausfälle | Kunden, die nie zahlen — schnell mehrere Prozent des Rechnungsumsatzes |
| Bonitätsprüfung | Abfragen bei Auskunfteien kosten pro Abfrage |
| Mahnwesen | Personalzeit, Porto, Software |
| Inkasso | Gebühren und Erfolgsprovisionen |
| Liquidität | Geld kommt erst nach 14–30 Tagen oder später |
| Betrug | Bestellungen mit falschen Identitäten oder Adressen |
Vergleich mit anderen Zahlungsarten (Orientierung):
| Zahlungsart | Typische Kosten Händler | Ausfallrisiko |
|---|---|---|
| Vorkasse / Überweisung | keine | keins |
| Pay by Bank | meist unter Kartenniveau | sehr gering |
| Kreditkarte online | ca. 1–2,5 % | Chargeback |
| PayPal | ca. 2–3 % + Fixbetrag | Käuferschutz |
| Rechnung über BNPL | ca. 2–5 % | beim Anbieter |
| Rechnung selbst | Ausfälle + Aufwand | bei Ihnen |
Wie sich Vorkasse als günstige Alternative einsetzen lässt, beschreibt der Ratgeber Vorkasse für Händler. Kontobasierte Zahlungen erklärt Pay by Bank.
Wann lohnt sich Rechnungskauf?
Rechnungskauf über BNPL lohnt sich, wenn:
- Ihr Shop viele Neukunden hat, die Ihnen noch nicht vertrauen
- Sie in Mode, Schuhe oder Lifestyle verkaufen, wo Kunden mehrere Größen bestellen und zurückschicken
- Ihre Zielgruppe Rechnungskauf erwartet — in Deutschland oft ältere und sicherheitsorientierte Kunden
- Ihre Marge die Gebühren trägt
- Sie Kaufabbrüche im Checkout messbar senken wollen
Rechnung selbst anbieten lohnt sich, wenn:
- Sie an Stammkunden oder Geschäftskunden mit Zahlungshistorie verkaufen
- Ihre Kunden lokal sind und Sie sie persönlich kennen — etwa als Handwerker, Werkstatt oder Fachhändler
- Sie Beträge und Risiken gut überblicken
Eher nicht lohnenswert, wenn:
- Ihre Marge sehr niedrig ist (z. B. Elektronik mit wenigen Prozent Marge)
- Ihre Kunden überwiegend mit Karte, Wallet oder PayPal zahlen
- Sie hauptsächlich stationär verkaufen — dort ist die Zahlung vor Ort per Karte oder bar einfacher
Praxis-Tipp: Führen Sie Rechnungskauf als Test ein und messen Sie über einige Wochen Conversion-Rate, durchschnittlichen Warenkorb, Retourenquote und Gebühren. Nur so sehen Sie, ob der Mehrumsatz die Kosten trägt. Wer Onlineshop und Ladengeschäft verbindet, findet Lösungen für beide Kanäle in der Übersicht Omnichannel-Payment.
Fazit
Kauf auf Rechnung ist in Deutschland für viele Kunden die liebste Zahlungsart — und für Händler eine teure. Mit BNPL-Anbietern wie Klarna, Ratepay oder Riverty lässt sich das Ausfallrisiko auslagern, dafür fallen deutlich höhere Gebühren an als bei Karte oder Überweisung. Für Onlineshops mit vielen Neukunden und hoher Retourenquote kann sich das lohnen. Für Betriebe mit Stammkunden, Geschäftskunden oder Laufkundschaft vor Ort sind eigene Rechnungen mit klarem Zahlungsziel oder die direkte Zahlung an der Kasse meist die bessere Wahl.
→ Vorkasse: Wann sie sinnvoll ist → Zahlungsziel richtig setzen → Kartenzahlung im Internet → Omnichannel-Payment: Online und stationär → Omnichannel-Payment-Anbieter im Vergleich
Häufige Fragen
Wie funktioniert Kauf auf Rechnung über einen BNPL-Anbieter?
Der Kunde wählt im Checkout „Rechnung“, der Anbieter prüft in Sekunden seine Bonität und übernimmt bei Zusage die Forderung. Der Händler erhält sein Geld vom Anbieter, meist unabhängig davon, ob und wann der Kunde zahlt. Der Kunde bezahlt die Rechnung später direkt an den Anbieter.
Was kostet Kauf auf Rechnung für Händler?
BNPL-Anbieter berechnen meist einen Prozentsatz vom Warenkorb plus eine feste Gebühr pro Transaktion. In der Praxis liegen die Gesamtkosten häufig im Bereich von etwa 2 bis 5 % und damit über Karte, PayPal und Pay by Bank. Die genauen Konditionen hängen von Anbieter, Branche, Warenkorb und Volumen ab.
Welche Anbieter gibt es für Rechnungskauf in Deutschland?
Die bekanntesten sind Klarna, Ratepay, Riverty (früher Afterpay) und PayPal mit „Später bezahlen“. Dazu kommen B2B-Spezialisten für Rechnungskauf zwischen Unternehmen sowie Zahlungsplattformen wie Mollie, Unzer oder Adyen, die Rechnungskauf über Partner einbinden.
Kann ich Rechnungskauf auch ohne Anbieter selbst anbieten?
Ja. Dann tragen Sie das Ausfallrisiko, müssen Bonität selbst prüfen, Zahlungen überwachen und ein Mahnwesen betreiben. Das lohnt sich vor allem bei Stammkunden und Geschäftskunden, nicht bei anonymer Laufkundschaft im Onlineshop.
Warum ist Kauf auf Rechnung bei Kunden so beliebt?
Weil Kunden die Ware erst prüfen und dann bezahlen können. Bei Rücksendungen müssen sie kein Geld zurückfordern. Das senkt das empfundene Risiko, besonders bei unbekannten Shops und bei Mode mit hoher Retourenquote.