Omnichannel-Payment: Online-Shop und Laden mit einem System abrechnen
Wer Online-Shop und stationären Laden betreibt, braucht kein Parallelsystem. Shopify POS, Stripe, Square, Mollie und Adyen im Direktvergleich — Gebühren, Girocard-Support, TSE und wer wirklich beide Kanäle vereint.
Einzelhändler, die heute erfolgreich sind, verkaufen meist auf zwei Kanälen gleichzeitig: der Online-Shop läuft auf Shopify oder WooCommerce, am Tresen steht ein Kartenlesegerät. Das Problem: zwei Systeme bedeuten zwei Abrechnungen, zwei Bestände, zwei Datenstämme. Omnichannel-Payment löst das — ein Anbieter deckt Online und stationär ab.
Was heißt Omnichannel-Payment konkret?
Der Begriff klingt nach Buzzword, beschreibt aber ein echtes operatives Problem:
- Wenn ein Kunde online kauft und im Laden zurückgibt, sollte das System das wissen.
- Wenn du einen Artikel verkaufst, muss der Bestand auf beiden Kanälen sinken.
- Wenn du Jahresumsätze analysierst, willst du eine Zahl — nicht Online + POS addieren.
Omnichannel-Payment-Anbieter liefern eine Plattform für beides. Die Zahlungsinfrastruktur für den Online-Checkout und das Terminal am Tresen kommen vom selben Anbieter, laufen in derselben Oberfläche und nutzen denselben Datensatz.
Die fünf relevanten Anbieter für DACH
Shopify POS
Shopify ist die meistgenutzte E-Commerce-Plattform weltweit — und bietet mit Shopify POS eine native Erweiterung für den stationären Betrieb. Wer seinen Online-Shop bereits auf Shopify betreibt, hat die Omnichannel-Infrastruktur damit automatisch.
Gebühren (Basic-Plan, 29 €/Monat):
- In-person: 1,7 % (Visa, MC, Amex, Girocard)
- Online: 1,7 % (Visa, MC, Amex — keine Girocard)
Stärken: Tiefste Integration von Online-Shop und POS, riesiges App-Ökosystem (7.000+ Integrationen), starkes Reporting.
Schwächen: Keine native TSE für Deutschland. Girocard im Online-Shop nicht unterstützt. Günstigere Transaktionssätze (1,5 % / 1,3 %) erst ab höheren Plänen (65 €/Monat bzw. 399 €/Monat).
Für wen geeignet: Händler, die ihren Online-Shop bereits auf Shopify betreiben oder neu starten wollen — und dabei auch ein stationäres Terminal brauchen.
Stripe
Stripe ist die führende Zahlungsinfrastruktur für Entwickler. Was als API für Online-Zahlungen begann, deckt mit Stripe Terminal seit 2018 auch den stationären Betrieb ab.
Gebühren:
- In-person: 1,5 % + 0,10 € pro Transaktion
- Online: 1,5 % + 0,25 € pro Transaktion
- Keine Grundgebühr
Stärken: Maximale technische Flexibilität, Girocard stationär unterstützt, 135+ Zahlungsarten online, keine Grundgebühr.
Schwächen: Fixbetrag pro Transaktion macht Stripe bei kleinen Beträgen teuer. Kein Händler-Support auf Deutsch. Keine native TSE.
Für wen geeignet: Tech-Teams und Online-first-Händler, die ihren Checkout individuell gestalten wollen und Stripe Terminal für den stationären Kanal ergänzen.
Square
Square wurde 2009 in San Francisco gegründet und ist der Erfinder des Dongle-Kartenlesers. Seit 2022 ist Square in Deutschland aktiv.
Gebühren:
- In-person: 1,75 %
- Online: 1,9 % + 0,25 € pro Transaktion
- Keine Grundgebühr, erster Kartenleser kostenlos
Stärken: Kostenloses erstes Terminal, breites Software-Ökosystem (Terminplanung, Team-Management, Loyalty), einfache Einrichtung.
Schwächen: Nur in Deutschland verfügbar (kein AT, kein CH). Transaktionsgebühr leicht über SumUp. Keine native TSE.
Für wen geeignet: Kleinhändler und Gastronomen in Deutschland, die Wert auf ein einheitliches Software-Ökosystem legen und keinen Shopify-Shop haben.
Mollie
Mollie ist ursprünglich ein niederländischer Online-PSP (Payment Service Provider) und stark in der WooCommerce/Shopware/Magento-Welt verankert. Mit Mollie Tap hat Mollie 2023 den stationären Bereich erschlossen.
Gebühren:
- In-person (Mollie Tap): 1,2 % (Girocard) / 2,0 % (Kreditkarte)
- Online: variabel nach Zahlungsart (Kreditkarte ca. 0,35 € + 1,8 %, iDEAL 0,29 €, etc.)
- Keine Grundgebühr
Stärken: Sehr stark bei Online-Zahlungsarten (iDEAL, Klarna, SEPA, Bancontact), native DACH-Integration für gängige Shop-Systeme.
Schwächen: POS-Lösung (Mollie Tap) noch jung und weniger ausgereift als Shopify/Stripe Terminal. Weniger stark für rein stationäre Betriebe.
Für wen geeignet: Händler mit WooCommerce oder Shopware-Shop, die Mollie bereits als Online-PSP nutzen und den stationären Kanal ergänzen wollen.
Adyen
Adyen ist ein 2006 in Amsterdam gegründeter Payment Service Provider und gilt als die technisch ausgereifteste Omnichannel-Plattform im Markt. Online-Checkout, POS-Terminal, Self-Service-Kiosk und App-Käufe laufen auf derselben Infrastruktur — mit einheitlichem Reporting.
Gebühren (Interchange++, variabel nach Kartennetz):
- In-person: Interchange + 0,10 € (Girocard) bis Interchange + 0,14 € (Kreditkarte) + Verarbeitungsgebühr
- Online: Interchange + 0,11 € + Verarbeitungsgebühr
- Keine Grundgebühr, aber Mindest-Kartenvolumen erforderlich (ab ca. 150.000 €/Jahr)
Stärken: Einziger Anbieter im Vergleich mit nativer TSE-Unterstützung für Deutschland. Interchange++-Modell wird bei hohem Volumen günstiger als Flatrate. Girocard online und stationär unterstützt. Eigenes globales Kartennetz.
Schwächen: Kein Onboarding für Kleinstbetriebe — das Mindestvolumen schließt Solo-Selbstständige und kleine Händler aus. Kein deutschsprachiger Support. Onboarding dauert 2–4 Wochen.
Für wen geeignet: Händler mit mehr als 150.000 € jährlichem Kartenumsatz, die eine einheitliche Omnichannel-Plattform mit TSE-Konformität und wettbewerbsfähigen Interchange++-Konditionen suchen.
Vergleich auf einen Blick
| Shopify POS | Stripe | Square | Mollie | Adyen | |
|---|---|---|---|---|---|
| Stationär | 1,7 % | 1,5 % + €0,10 | 1,75 % | 1,2 % Giro / 2,0 % Kredit | Interchange++ |
| Online | 1,7 % | 1,5 % + €0,25 | 1,9 % + €0,25 | variabel | Interchange++ |
| Monatlich | ab 29 € | 0 € | 0 € | 0 € | 0 € |
| Girocard stationär | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
| Girocard online | — | — | — | ✓ | ✓ |
| TSE Deutschland | — | — | — | — | ✓ |
| Länder | DE/AT/CH | DE/AT/CH | DE | DE | DE/AT/CH |
| Mindestvolumen | — | — | — | — | ~150.000 €/J |
DATEV und Buchhaltungsintegration
Für deutschsprachige Händler ist die Buchhaltungsanbindung oft mindestens so wichtig wie der Transaktionssatz — und hier zeigt sich eine klare Schwäche aller fünf Anbieter:
| DATEV-Export | Lexoffice | sevDesk | Buchhaltungsexport | |
|---|---|---|---|---|
| Shopify | App (kostenpflichtig) | via App | via App | CSV/JSON |
| Stripe | — | via API/Tool | via API/Tool | CSV |
| Square | — | — | — | CSV |
| Mollie | — | ✓ (nativ) | ✓ | CSV |
| Adyen | — | — | — | CSV/API |
Die ehrliche Einschätzung: Kein Anbieter bietet eine direkte, zertifizierte DATEV-Schnittstelle. Mollie hat die stärkste Integration in gängige DACH-Shop-Systeme (WooCommerce, Shopware), die ihrerseits DATEV-Anbindung über Lexoffice oder sevDesk ermöglichen. Wer DATEV zwingend direkt benötigt, kombiniert am besten einen der Omnichannel-Anbieter mit einem Buchhaltungs-Zwischentool wie Lexoffice — das funktioniert für die meisten KMU problemlos.
TSE-Unterstützung: Adyen vs. die anderen
Die Kassensicherungsverordnung (KassenSichV) schreibt eine TSE für alle elektronischen Kassensysteme in Deutschland vor. Unter den fünf Anbietern im Vergleich erfüllt nur Adyen diese Anforderung nativ.
Wer Shopify POS, Stripe Terminal, Square oder Mollie Tap stationär einsetzt, muss:
- Eine App-Store-Lösung für die TSE nachrüsten (z. B. bei Shopify über den App Store)
- Oder neben dem Omnichannel-System ein zertifiziertes Kassensystem betreiben
Für Betriebe mit hohem Kassenbelegvolumen (Gastronomie, Bäckerei, Einzelhandel) sind klassische Kassensysteme wie ready2order oder Lightspeed als TSE-zertifizierte Lösung oft die bessere Wahl — auch wenn sie weniger native E-Commerce-Integration haben.
Fazit: Wer braucht Omnichannel-Payment?
Omnichannel-Payment ist kein Selbstzweck. Wer heute Shopify und SumUp parallel betreibt und den Bestandsabgleich einmal täglich manuell macht, verliert keine wesentlichen Einnahmen durch die Trennung — er verliert etwas Zeit. Erst wenn Kunden regelmäßig online kaufen und im Laden zurückgeben, wenn Inventar in Echtzeit auf beiden Kanälen stimmen muss oder wenn Reporting über beide Kanäle zusammengeführt werden soll, wird ein echtes Omnichannel-System wirtschaftlich sinnvoll.
Unsere Faustregel: Ab 30 % Online-Anteil am Gesamtumsatz oder wenn kanalübergreifende Retouren zur Normalität werden, lohnt sich die Migration. Darunter ist ein gutes Einzelsystem je Kanal die pragmatischere Wahl.
Die Entscheidung hängt letztlich von vier Faktoren ab:
- Shopify-Shop vorhanden oder geplant? → Shopify POS ist der naheliegendste Weg — keine Migration nötig, native Integration.
- Technisches Team, individuelle Checkout-Anforderungen? → Stripe Terminal bietet die meiste Flexibilität, hat aber keinen deutschsprachigen Support.
- Nur Deutschland, möglichst einfacher Start? → Square mit kostenlosem erstem Terminal und breitem Software-Ökosystem.
- WooCommerce oder Shopware als Basis? → Mollie ist dort am tiefsten integriert.
- Mehr als 150.000 € Jahres-Kartenumsatz und TSE-Pflicht im Laden? → Adyen ist der einzige, der beides nativ abdeckt.
→ Omnichannel-Kosten berechnen: Kostenrechner mit Online/Laden-Split
→ Alle Omnichannel-Anbieter im Überblick
→ Kassensystem mit Onlineshop: Welche Lösungen beide Kanäle wirklich vereinen
→ Shopify POS: Erfahrungen, Kosten und was es kann
→ Mollie: Erfahrungen mit dem Payment-Dienstleister
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem PSP und einem Omnichannel-Payment-Anbieter?
Ein PSP (Payment Service Provider) wie Mollie oder Stripe verarbeitet Zahlungen — stationär, online oder beides. Ein Omnichannel-Anbieter geht weiter: Er verbindet Inventar, Kundendaten und Reporting über beide Kanäle in einer einzigen Oberfläche. Stripe Terminal ist technisch ein PSP mit stationärer Erweiterung; ein vollständiges Omnichannel-System — mit Inventar-Sync, kanalübergreifenden Retouren und zentralem CRM — bieten im Vergleich nur Shopify POS und Adyen.
Brauche ich für alle fünf Anbieter eine TSE?
Für den stationären Betrieb in Deutschland: ja, sobald eine elektronische Kassensoftware eingesetzt wird. Von den fünf Anbietern bietet nur Adyen eine native TSE-Lösung. Bei Shopify, Stripe, Square und Mollie muss die TSE separat nachgerüstet werden — entweder über zertifizierte App-Lösungen oder durch ein paralleles Kassensystem wie ready2order oder Lightspeed.
Kann ich Shopify POS in Österreich oder der Schweiz nutzen?
Ja — Shopify POS ist in DE, AT und CH verfügbar. Square ist bisher nur in Deutschland aktiv. Adyen, Stripe und Mollie decken alle drei DACH-Länder ab. Wer in Österreich auch die RKSV-Pflicht (Registrierkassensicherheitsverordnung) erfüllen muss, sollte die TSE-Frage vor dem Onboarding klären.
Lohnt sich der Wechsel von SumUp + WooCommerce auf ein Omnichannel-System?
Für die meisten kleinen Händler: noch nicht. Die Migrationskosten — Zeit, Lernkurve, mögliche Vertragsbindungen beim neuen Anbieter — überwiegen den Nutzen, solange der Bestandsabgleich keine tägliche Belastung ist. Sinnvoll wird die Umstellung, wenn Online wirklich mehr als 30 % des Gesamtumsatzes ausmacht oder wenn Kunden regelmäßig kanalübergreifend agieren (online kaufen, im Laden umtauschen).
Welcher Anbieter eignet sich für Händler mit TSE-Pflicht und Online-Shop?
Adyen ist der einzige, der TSE nativ anbietet — aber erst ab ca. 150.000 € Jahres-Kartenumsatz zugänglich. Für kleinere Betriebe ist die pragmatischere Lösung: ein TSE-zertifiziertes Kassensystem wie ready2order oder Lightspeed für den stationären Betrieb, kombiniert mit Shopify oder einem separaten PSP für den Online-Shop. Das ist technisch kein echtes Omnichannel, löst aber das Compliance-Problem ohne Mindestvolumen-Hürde.