Verifone, Ingenico & PAX: Terminal-Hardware im Vergleich
Was unterscheidet Verifone, Ingenico und PAX? Ein ehrlicher Hardware-Vergleich für Händler: Zuverlässigkeit, Modelle, Kosten und wo du sie bekommst.
Wer an der Kasse auf ein Kartenterminal schaut, sieht meist das Logo seiner Bank oder seines Zahlungsanbieters — gebaut wurde das Gerät aber fast immer von einem von drei Herstellern: Verifone, Ingenico oder PAX. Zusammen stellen sie einen großen Teil der Terminals im deutschen Handel. Für die Anbieterwahl ist es hilfreich zu wissen, was hinter den Namen steckt, wo die Unterschiede liegen und warum die Frage „Welcher Hersteller?” oft weniger wichtig ist als gedacht.
Verifone, Ingenico, PAX — wer steckt dahinter?
| Verifone | Ingenico | PAX Technology | |
|---|---|---|---|
| Gegründet | 1981, USA | 1980, Frankreich | 2000, China |
| Sitz | USA | Frankreich | Shenzhen / Hongkong |
| Eigentümer | Finanzinvestor Francisco Partners (seit 2018) | Fonds von Apollo (seit 2022) | börsennotiert in Hongkong |
| Betriebssystem | Linux-basiert (Engage), Android (Carbon) | Linux-basiert (Tetra), Android (AXIUM) | überwiegend Android (PayDroid) |
| Stärke | Bankterminals, Tankstellen, Handelsketten | Bank- und Sparkassenterminals in Europa | moderne Android-Geräte, Preis |
| Typisch in DE bei | Banken, Netzbetreibern, Handelsketten | Sparkassen, Volksbanken, Netzbetreibern | FinTechs und neuen Acquirern |
Wichtig für das Verständnis: Alle drei verkaufen fast nie direkt an Händler. Ihre Kunden sind Banken, Netzbetreiber und Zahlungsdienstleister, die die Geräte mit eigener Software ausstatten und an Händler vermieten oder im Tarif mitliefern.
Verifone: Modelle, Stärken und typische Einsatzbereiche
Verifone gehört zu den Pionieren der Branche und baut seit den 1980er-Jahren Terminals. Das Unternehmen ist traditionell stark bei großen Handelsketten, Tankstellen und Banken und hat in Deutschland eine lange Geschichte als Lieferant für Netzbetreiber.
Typische Modelle:
- V400m — mobiles Terminal mit Touchscreen, WLAN, Bluetooth und optionaler SIM, oft in der Gastronomie am Tisch (Details zum Verifone V400m)
- V200c / V400c — stationäre Countertop-Geräte für die Kasse
- P400 — PIN-Pad, das mit dem Kassensystem verbunden ist, typisch im Einzelhandel
- Carbon-Serie — Android-basierte Geräte mit großem Display für App-Lösungen
Stärken: robust, lange Lebensdauer, breite Zertifizierung für girocard und internationale Karten, gute Integration in große Kassensysteme.
Schwächen: Oberfläche wirkt bei älteren Modellen altmodisch, Software-Updates laufen über den Netzbetreiber und damit teils langsam.
Ingenico: Was sich nach der Übernahme geändert hat
Ingenico ist in Europa der klassische Name für Kartenterminals — gerade Sparkassen- und Volksbank-Kunden haben sehr oft ein Ingenico-Gerät auf dem Tresen.
Die Eigentümergeschichte ist bewegt:
- 2020 übernahm der französische Zahlungsdienstleister Worldline Ingenico.
- 2022 verkaufte Worldline das Terminalgeschäft an Fonds des Finanzinvestors Apollo.
- Seitdem ist Ingenico wieder eigenständig und beliefert Worldline genauso wie andere Zahlungsdienstleister.
Für Händler hat sich im Alltag wenig geändert. Bestehende Geräte laufen weiter, Support und Wartung kommen wie bisher vom Netzbetreiber oder Zahlungsanbieter, nicht von Ingenico selbst. Wer irgendwo „Ingenico (Worldline)” liest, hat eine veraltete Information vor sich.
Typische Modelle:
- Desk 3500 / Desk 5000 — stationäre Terminals mit Farbdisplay (Details zum Ingenico Desk 5000)
- Move 3500 / Move 5000 — mobile Terminals, teils mit SIM-Karte (Details zum Ingenico Move 5000)
- Lane-Serie — PIN-Pads für Kassenintegration im Einzelhandel
- AXIUM-Serie — neuere Android-Geräte für App-basierte Lösungen
Stärken: bewährte Technik, sehr verbreitet, girocard-Zertifizierung, große Auswahl an Bauformen.
Schwächen: Viele Bank-Terminals sind reine WLAN- oder LAN-Geräte. In Räumen mit schlechtem Empfang wird das zum Problem — wir haben das in einem Restaurant mit Gewölbekeller erlebt, in dem Gäste zum Bezahlen an die Theke gehen mussten. Beim Mieten also gezielt nach der SIM-Variante fragen.
PAX Technology: Der aufsteigende Herausforderer aus China
PAX ist der jüngste der drei Hersteller und hat in den letzten Jahren stark Marktanteile gewonnen, vor allem bei FinTechs und neuen Zahlungsdienstleistern. Das Erfolgsrezept: moderne Android-Terminals, die wie ein Smartphone bedient werden, zu vergleichsweise günstigen Preisen.
Typische Modelle:
- A920 / A920Pro — mobiles Android-Terminal mit Touchscreen, Belegdrucker, Kamera für QR-Codes und SIM-Karte (Details zum PAX A920Pro)
- A80 — stationäres Android-Terminal für den Tresen (Details zum PAX A80)
- A35 / A77 — PIN-Pad bzw. kompaktes Handheld ohne Drucker
- IM30 — Einbau-Terminal für Automaten und Ladesäulen
Stärken: zeitgemäße Bedienung, Apps von Drittanbietern (z. B. Trinkgeld-, Kassen- oder Loyalty-Funktionen) direkt auf dem Terminal, Kamera für QR-Zahlungen wie Alipay+, oft mit SIM-Karte ausgestattet.
Ein Restaurantbetreiber, der ein A920Pro über Flatpay nutzt, nannte uns im Gespräch die eingebaute SIM als größten Vorteil: Fällt das WLAN aus, läuft das Terminal über das Mobilfunknetz weiter.
Kritikpunkt Herkunft: 2021 berichteten US-Medien über Ermittlungen gegen PAX wegen verdächtiger Datenverbindungen einzelner Geräte. PAX wies die Vorwürfe zurück und verwies auf legitime Wartungsfunktionen. Die Geräte erfüllen dieselben Zertifizierungen (PCI PTS, EMV) wie die Konkurrenz. Für die meisten kleinen Betriebe ist das kein praktisches Problem — Unternehmen mit strengen Beschaffungsrichtlinien sollten es aber im Blick haben.
Vergleich: Welche Hardware bei welchem Anbieter?
Als Händler wählen Sie in der Praxis nicht den Hersteller, sondern den Anbieter — und bekommen dessen Hardware. Eine grobe Orientierung:
| Anbieter-Typ | Typische Hardware | Modell |
|---|---|---|
| Sparkassen, Volksbanken, Bank-Acquirer (z. B. über PAYONE, VR Payment) | überwiegend Ingenico, teils Verifone | Miete mit Vertrag, oft 24–36 Monate |
| Nexi | u. a. PAX-basierte SmartPOS-Geräte sowie klassische Terminals | Miete oder Paket |
| Flatpay | PAX A920Pro | im Flatrate-Tarif enthalten |
| SumUp, Zettle | eigene Geräte (SumUp Solo, Zettle Reader) | Kauf, günstig, ohne Laufzeit |
| myPOS | eigene Geräte | Kauf |
| Clover (Fiserv) | eigene Android-Geräte (Clover Flex) | Miete oder Kauf |
Auffällig: Die günstigen Einsteiger-Anbieter setzen oft auf eigene Hardware, die von Auftragsfertigern gebaut wird. Die drei großen Hersteller dominieren vor allem bei Banken und klassischen Netzbetreibern.
Worauf es beim Gerät wirklich ankommt:
- SIM-Karte (4G): Ausfallsicherheit bei WLAN-Problemen und Zahlung am Tisch
- Belegdrucker: Braucht Ihre Kundschaft Papierbelege, oder reicht der digitale Beleg?
- Akkulaufzeit: bei mobilen Geräten mindestens eine volle Schicht
- Kassenanbindung: Unterstützt das Terminal das ZVT-Protokoll oder eine direkte Integration in Ihr Kassensystem?
- Display und Bedienung: Touchscreen und klare Menüs sparen im Stoßgeschäft Zeit
Einen detaillierten Überblick über alle Geräte und Anbieter liefert der Kartenterminal-Vergleich. Was ein Terminal technisch können muss, erklärt der Ratgeber EMV-Terminal.
Kann ich als Händler die Hardware frei wählen?
Meistens nur eingeschränkt. Ein Kartenterminal ist kein Drucker, den man bei jedem Anbieter einstecken kann. Es wird vom Netzbetreiber oder Zahlungsdienstleister mit Software, Zertifikaten und kryptografischen Schlüsseln bespielt und ist dann an dessen System gebunden.
Daraus folgen einige praktische Punkte:
- Hersteller-Wunsch äußern geht, freie Wahl selten. Bank-Acquirer bieten oft zwei oder drei Modelle zur Auswahl — meist von Ingenico oder Verifone. FinTechs liefern in der Regel genau ein Gerät.
- Gebraucht kaufen ist riskant. Ein gebrauchtes Terminal von eBay funktioniert nur, wenn ein Anbieter es übernimmt und neu einrichtet. Viele lehnen das ab oder verlangen dafür Gebühren.
- Anbieterwechsel heißt meist Gerätewechsel. Wer von der Sparkasse zu einem FinTech wechselt, bekommt ein neues Terminal und schickt das alte zurück. Mietverträge mit langer Laufzeit sollten Sie vorher prüfen — mehr dazu im Hausbank-Terminal-Vergleich.
- Ausnahme Netzbetreiber-unabhängige Geräte: Einige Dienstleister bieten Terminals, die für mehrere Netzbetreiber zertifiziert sind. Das ist eher für Handelsketten relevant als für kleine Betriebe.
Unser Rat: Wählen Sie zuerst den Anbieter nach Gebühren, Vertrag und Support. Prüfen Sie dann, ob dessen Gerät die Funktionen hat, die Ihr Betrieb braucht — SIM, Drucker, Akku, Kassenanbindung. Der Herstellername auf der Rückseite ist dabei zweitrangig. Wie Sie das Gerät danach in Betrieb nehmen, zeigt der Ratgeber Kartenlesegerät einrichten.
Häufige Fragen zu Terminal-Hardware
Wie lange hält ein Kartenterminal? Bei normaler Nutzung fünf bis acht Jahre. Oft endet die Nutzung aber früher, weil Sicherheitszertifizierungen auslaufen und Netzbetreiber ältere Modelle nicht mehr unterstützen.
Sind Android-Terminals unsicherer als klassische Geräte? Nein. Die Zahlungsfunktion läuft auch bei Android-Terminals in einem abgesicherten, zertifizierten Bereich. Apps von Drittanbietern haben keinen Zugriff auf Kartendaten oder PIN.
Funktionieren Apple Pay und Google Pay auf allen Geräten? Auf allen aktuellen Modellen mit NFC-Kontaktlosleser, ja. Das gilt für Verifone, Ingenico und PAX gleichermaßen. Siehe Mobiles Bezahlen.
Was ist besser: eigenes Gerät kaufen oder mieten? Kaufen ist bei FinTech-Geräten wie SumUp oder Zettle günstig und ohne Vertragsbindung. Bank-Terminals werden meist gemietet — das kostet über die Laufzeit mehr, beinhaltet aber oft Austauschservice. Eine Gegenüberstellung finden Sie im Ratgeber Bestes Kartenlesegerät.
→ Alle Kartenterminals im Vergleich → Bestes Kartenlesegerät für kleine Unternehmen → Hausbank-Terminal vs. FinTech → EMV-Terminal: Was es können muss → Kassensysteme für den Einzelhandel
Häufige Fragen
Welcher Terminal-Hersteller ist der beste?
Einen klaren Sieger gibt es nicht. Verifone und Ingenico bauen seit Jahrzehnten robuste, bankzertifizierte Terminals und sind bei Banken und Sparkassen Standard. PAX bietet moderne Android-Geräte mit Touchscreen, Kamera und App-Fähigkeit, oft günstiger. Für Händler ist der Zahlungsanbieter und dessen Support meist wichtiger als der Hersteller.
Gehört Ingenico noch zu Worldline?
Nein. Worldline hatte Ingenico 2020 übernommen, das Terminalgeschäft aber 2022 an Fonds des Finanzinvestors Apollo verkauft. Seitdem ist Ingenico wieder ein eigenständiges Unternehmen. Worldline setzt als Zahlungsdienstleister weiterhin auch Ingenico-Terminals ein.
Kann ich ein Terminal kaufen und bei jedem Anbieter nutzen?
In der Regel nicht. Terminals werden vom Netzbetreiber oder Zahlungsdienstleister mit Software und Schlüsseln bespielt und sind an dessen System gebunden. Ein gebraucht gekauftes Gerät funktioniert nur, wenn ein Anbieter es übernimmt und neu einrichtet — viele lehnen das ab.
Ist PAX als chinesischer Hersteller sicher?
PAX-Terminals erfüllen dieselben internationalen Sicherheitsstandards (PCI PTS, EMV) wie die Konkurrenz und werden von großen europäischen Zahlungsdienstleistern eingesetzt. 2021 gab es in den USA Berichte und Ermittlungen zu verdächtigen Datenverbindungen, PAX hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Wer strenge Beschaffungsrichtlinien hat, sollte das Thema mit dem Anbieter besprechen.
Was kostet ein Kartenterminal von Verifone, Ingenico oder PAX?
Direkt beim Hersteller kaufen Händler diese Geräte praktisch nie. Sie werden über Zahlungsanbieter gemietet (oft 10–30 € pro Monat) oder sind im Tarif enthalten. Einige Anbieter wie Flatpay stellen ein PAX-Terminal ohne separate Gerätekosten bereit.