POS-System erklärt: Was ist Point of Sale und was brauchen Händler?
POS-System einfach erklärt: Was Point of Sale bedeutet, welche Komponenten ein POS hat und welches System für welchen Betrieb passt.
„POS” begegnet einem überall: POS-System, POS-Terminal, POS-Software, POS-Marketing. Gemeint ist immer derselbe Ort — die Stelle, an der ein Kunde bezahlt. Für Händler steckt dahinter aber eine ganz praktische Frage: Welche Technik brauche ich an der Kasse, und was davon ist wirklich nötig? Dieser Artikel ordnet die Begriffe und hilft bei der Entscheidung.
Was ist ein POS-System?
POS steht für Point of Sale, wörtlich „Verkaufspunkt”. Ein POS-System ist alles, was an diesem Punkt zum Verkaufen und Kassieren eingesetzt wird — Hardware und Software zusammen.
Früher war das eine mechanische oder elektronische Registrierkasse mit Geldschublade. Ein modernes POS-System kann deutlich mehr:
- Verkaufen: Artikel oder Leistungen erfassen, Rabatte, Gutscheine, Retouren
- Bezahlen: Bargeld, Karte, Smartphone — oft direkt verbunden mit dem Kartenterminal
- Belege: Kassenbon auf Papier oder digital, mit TSE-Signatur
- Auswerten: Tagesabschluss, Umsatzberichte, meistverkaufte Artikel, Export an die Buchhaltung
- Verwalten: Lagerbestand, Mitarbeiterkonten, Kundendaten, Tischplan in der Gastronomie
Im Deutschen werden die Begriffe POS-System, Kassensystem und digitale Kasse weitgehend gleich verwendet. Wer einen Anbieter sucht, findet unter allen drei Namen dieselben Produkte.
POS-Komponenten: Terminal, Software, Drucker, Kasse
Ein typisches POS-System besteht aus diesen Bausteinen:
| Komponente | Aufgabe | Beispiele |
|---|---|---|
| Kassensoftware | Herzstück: Artikel, Preise, Verkäufe, Berichte | ready2order, orderbird, Lightspeed, Tillhub |
| Eingabegerät | Bedienoberfläche für das Personal | iPad, Android-Tablet, PC, Touch-Kasse |
| Kartenterminal | Karten, Apple Pay und Google Pay annehmen | SumUp Solo, PAX A920Pro, Ingenico Move 5000 |
| TSE | Pflicht-Sicherheitsmodul gegen Manipulation | USB-, SD- oder Cloud-TSE |
| Bondrucker | Kassenbon und Küchenbon drucken | Epson TM-m30, Star mC-Print |
| Kassenlade | Bargeld sicher aufbewahren | öffnet automatisch per Druckersignal |
| Barcodescanner | Artikel schnell erfassen | vor allem im Einzelhandel |
| Kundendisplay | Betrag für den Kunden anzeigen | optional |
Nicht jeder Betrieb braucht alles. Ein Friseursalon kommt oft mit Tablet, Kartenterminal und Cloud-TSE aus, ein Supermarkt braucht Scanner, Waage und mehrere Kassenplätze. Was an Zubehör sinnvoll ist, zeigt der Ratgeber Kassensystem-Zubehör. Die Pflichten rund um die Sicherheitseinrichtung erklärt der Artikel TSE-Pflicht.
Wichtig: Kassensoftware und Kartenterminal sind oft zwei getrennte Verträge. Manche Anbieter bündeln beides (z. B. ready2order, SumUp POS, Lightspeed Payments), bei anderen binden Sie ein Terminal eines Zahlungsanbieters an. Die Verbindung erlaubt, dass der Betrag automatisch aufs Terminal übertragen wird — das spart Tippfehler.
POS-System vs. Kartenlesegerät: Was ist der Unterschied?
Hier entsteht die häufigste Verwechslung. Ein Kartenlesegerät nimmt nur Zahlungen an. Ein POS-System ist eine vollständige Kasse, zu der ein Kartenterminal gehören kann.
| Kartenlesegerät | POS-System | |
|---|---|---|
| Funktion | Kartenzahlung annehmen | Verkaufen, kassieren, Belege, Berichte |
| Artikelverwaltung | nein oder sehr einfach | ja |
| TSE-Pflicht | nein (reines Zahlungsgerät) | ja |
| Bargeld erfassen | nein | ja |
| Kosten | ab ca. 30 € Gerät, keine Monatsgebühr | meist 30–100 €/Monat + Hardware |
| Geeignet für | Markt, mobile Dienstleister, Ergänzung zur Kasse | Laden, Gastronomie, Salon, Filialen |
Faustregel: Führen Sie Ihre Einnahmen bisher mit einer offenen Ladenkasse (Kassenbuch auf Papier) und wollen nur zusätzlich Karten annehmen? Dann reicht ein Kartenleser. Nutzen Sie eine elektronische Kasse oder wollen umsteigen, brauchen Sie ein POS-System mit TSE. Die Entscheidung Schritt für Schritt beschreibt der Ratgeber Kartenleser oder Kassensystem?.
Einige Kartenleser-Apps haben inzwischen einfache Kassenfunktionen eingebaut. Sobald Sie diese als elektronische Kasse nutzen, gilt aber auch die TSE-Pflicht. Klären Sie das vorher mit dem Anbieter.
Cloud-POS vs. lokales POS-System
POS-Systeme unterscheiden sich stark darin, wo die Daten liegen und die Software läuft.
Cloud-POS — Software läuft im Internet, bedient wird über App oder Browser:
- ✅ Geringe Einstiegskosten, monatliches Abo
- ✅ Updates automatisch, Berichte von überall abrufbar
- ✅ Mehrere Filialen zentral steuerbar
- ✅ Oft auf eigener Hardware (iPad, Android) nutzbar
- ❌ Abhängig von stabilem Internet (die meisten haben einen Offline-Modus, aber mit Einschränkungen)
- ❌ Laufende Kosten, solange Sie das System nutzen
Lokales POS-System — Software läuft auf der Kasse selbst:
- ✅ Kassiert auch bei Internetausfall zuverlässig
- ✅ Robuste Hardware für Dauerbetrieb, etwa in Gastronomie und Bäckerei
- ✅ Oft persönlicher Support durch Fachhändler vor Ort
- ❌ Höhere Anschaffungskosten
- ❌ Änderungen und Updates teils nur über den Händler
In der Praxis verschwimmen die Grenzen: Klassische Hersteller wie Vectron ergänzen ihre lokale Kasse um Cloud-Dienste, Cloud-Anbieter verbessern ihren Offline-Betrieb. Für kleine und mittlere Betriebe ist Cloud-POS heute der Normalfall. Einen Überblick über die Programme gibt der Kassensoftware-Vergleich.
POS-System kaufen oder mieten?
Es gibt drei gängige Modelle:
- Software-Abo + eigene Hardware: Sie zahlen monatlich für die Software und nutzen ein vorhandenes oder selbst gekauftes Tablet. Am flexibelsten und für Einsteiger meist am günstigsten.
- Komplettmiete: Hardware, Software und Service in einem Monatspreis. Planbare Kosten, oft mit Austauschservice, aber meist mit Mindestlaufzeit.
- Kauf: Hardware und Softwarelizenz werden einmalig gekauft, dazu ggf. ein Wartungsvertrag. Lohnt sich eher bei langer Nutzungsdauer und stabilen Anforderungen.
Grobe Kostenorientierung für einen Betrieb mit einer Kasse:
| Posten | Typische Kosten |
|---|---|
| Kassensoftware (Cloud) | 30–100 €/Monat |
| TSE | 0–16 €/Monat oder einmalig ca. 150–250 € |
| Tablet | 0 € (vorhanden) bis ca. 500 € |
| Bondrucker + Kassenlade | ca. 250–450 € einmalig |
| Kartenterminal | 0–200 € einmalig oder Miete |
| Kartengebühren | ca. 0,2–1,7 % pro Zahlung, je nach Anbieter und Karte |
Die ausführliche Rechnung mit Beispielen liefert der Ratgeber Kassensystem kaufen oder mieten. Wie hoch die Kartengebühren für Ihren Umsatz ausfallen, zeigt der Kostenrechner.
Die wichtigsten POS-Anbieter im Überblick
Eine Auswahl gängiger Anbieter im DACH-Raum, nach Einsatzbereich sortiert:
| Anbieter | Typ | Einstieg/Monat | Stark bei |
|---|---|---|---|
| ready2order | Cloud-Kasse | ab 35,90 € | Einzelhandel, Dienstleister, Gastro; DE/AT/CH |
| orderbird | Cloud-Kasse (iPad) | ab 99,90 € | Gastronomie |
| Lightspeed | Cloud-Kasse | ab 89 € | Gastronomie und Handel, mehrere Standorte |
| Tillhub | Cloud-Kasse | ab 29,80 € | Einzelhandel, Filialbetriebe |
| Gastronovi | Cloud-Kasse | ab 69 € | Restaurants mit Reservierung |
| Vectron | lokale Kasse + Cloud | ab 34,90 € + Gerät | Bäckerei, Systemgastronomie |
| SumUp | Kartenleser + einfache Kasse | 0 € (Gebühr pro Zahlung) | Kleinstbetriebe, mobil |
Preise sind Einstiegspreise ohne TSE, Hardware und Zahlungsgebühren. Alle Konditionen im Detail vergleicht der Kassensystem-Vergleich, reine Kartenleser der Kartenterminal-Vergleich.
Welches System passt zu welchem Betrieb?
- Kleines Café, Foodtruck, Marktstand: schlanke Cloud-Kasse oder Kartenleser, siehe Kassensystem fürs Café
- Restaurant mit Service am Tisch: Gastro-Kasse mit Tischplan, mobilen Geräten und Splitbill, siehe Kassensysteme Gastronomie
- Einzelhandel mit vielen Artikeln: Kasse mit Warenwirtschaft und Scanner, siehe Kassensysteme Einzelhandel
- Salon oder Praxis: Kasse mit Terminkalender und Kundenkartei, siehe Kassensysteme Friseur
Fazit
Ein POS-System ist die digitale Kasse eines Betriebs — Software, Eingabegerät, Kartenterminal, TSE und Zubehör im Zusammenspiel. Nicht jeder Händler braucht das volle Paket: Wer nur gelegentlich Karten annimmt, kommt mit einem Kartenleser aus. Wer eine elektronische Kasse führt, braucht ein POS-System mit TSE, und dort entscheiden vor allem Branche, Betriebsgröße und Internetverbindung, ob eine Cloud-Kasse oder ein lokales System besser passt. Die Kosten liegen dabei selten im Gerät, sondern in Monatsgebühren und Kartengebühren — deshalb lohnt sich das Durchrechnen vor dem Vertrag.
→ Alle Kassensysteme im Vergleich → Kassensystem-Kaufberatung: Der komplette Leitfaden → Kartenleser oder Kassensystem? → Kassensystem-Kosten im Überblick → Kassensysteme für den Einzelhandel
Häufige Fragen
Was bedeutet POS?
POS steht für Point of Sale, auf Deutsch Verkaufsort oder Kassenplatz. Gemeint ist der Ort, an dem ein Kunde bezahlt. Ein POS-System ist die Kombination aus Hardware und Software, mit der dort verkauft, kassiert und abgerechnet wird.
Ist ein POS-System dasselbe wie eine Kasse?
Im Alltag weitgehend ja. Ein modernes POS-System ist eine digitale Kasse, die zusätzlich Kartenzahlung, Artikelverwaltung, Berichte und oft Lager, Kundendaten oder Tischverwaltung umfasst. Eine klassische Registrierkasse erledigt nur einen Teil davon.
Brauche ich ein POS-System oder reicht ein Kartenlesegerät?
Ein Kartenlesegerät reicht, wenn Sie nur gelegentlich Karten annehmen und keine elektronische Kasse führen, etwa auf dem Markt oder als mobiler Dienstleister. Wer eine elektronische Kasse nutzt, Belege ausgeben muss oder viele Artikel verwaltet, braucht ein POS-System mit TSE.
Was kostet ein POS-System?
Cloud-Kassensysteme kosten meist zwischen 30 und 100 € pro Monat Software-Gebühr, dazu Hardware ab etwa 300 € für Tablet, Bondrucker und Kassenlade. Hinzu kommen die TSE und die Gebühren für Kartenzahlung. Ein einfacher Kartenleser ist dagegen schon ab rund 30 € ohne Monatsgebühr zu haben.
Braucht ein POS-System eine TSE?
Ja, in Deutschland muss jedes elektronische Kassensystem mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) ausgestattet sein. Reine Kartenlesegeräte ohne Kassenfunktion fallen nicht darunter.