SoftPOS: Smartphone statt Terminal — wie es funktioniert und für wen es sich lohnt
SoftPOS macht das Smartphone zum Kartenlesegerät. Wie Tap to Pay funktioniert, welche Anbieter es unterstützen und wann ein Terminal die bessere Wahl ist.
Stell dir vor, du leihst deinem Mitarbeiter ein Kartenlesegerät — aber du hast gerade keins zur Hand. Mit SoftPOS braucht es das gar nicht mehr: Das iPhone oder Android-Smartphone wird selbst zum Terminal. Der Kunde hält seine Karte daran, fertig.
Das klingt nach Magie, ist aber schlicht NFC — und ein Zertifizierungsrahmen, den Visa und Mastercard seit 2019 ausgerollt haben.
Was ist SoftPOS?
SoftPOS (auch: Tap to Pay, CPoC — Contactless Payments on COTS) bezeichnet eine Zahlungslösung, bei der ein handelsübliches Smartphone (COTS: Commercial Off-The-Shelf) als Kartenlesegerät fungiert. Kein Dongle, kein Bluetooth-Leser, kein dediziertes Gerät — nur ein NFC-fähiges Smartphone mit der entsprechenden App.
Die Abkürzung COTS ist der Kern des Konzepts: Es geht explizit darum, normale Consumer-Hardware zu nutzen, die nie als Zahlungsgerät gedacht war.
Wie funktioniert Tap to Pay technisch?
Klassische Kartenterminals sind PCI PTS-zertifizierte Spezialgeräte mit verschlüsseltem Secure Element für die PIN-Eingabe. Das Smartphone hat das nicht — und trotzdem muss der Vorgang sicher sein.
Die Lösung ist der PCI CPoC-Standard (Contactless Payments on COTS), veröffentlicht 2019. Er definiert:
- Software-basierte Kryptographie statt Hardware-Secure-Element: Kartendaten werden in einer isolierten, zertifizierten Software-Umgebung verarbeitet
- Remote-Attestierung: Der Server des Zahlungsdienstleisters prüft kontinuierlich, ob das Gerät unverändert und vertrauenswürdig ist (kein Jailbreak, keine Manipulation)
- PIN on Glass (optional): Bei Beträgen über dem kontaktlosen Limit kann die PIN direkt auf dem Bildschirm eingegeben werden — mit speziellen Sicherheitsanforderungen an die Tastatur-Implementierung
In der Praxis läuft der Prozess so: Die App öffnet den NFC-Reader des Smartphones, die Karte wird aufgehalten, die Daten werden verschlüsselt an den Acquirer übertragen — identisch zum klassischen Terminal, nur ohne dedizierte Hardware.
Welche Anbieter bieten SoftPOS an?
| Anbieter | Produkt | Gerät | Gebühr |
|---|---|---|---|
| SumUp | Tap to Pay | iPhone (iOS 15.4+) | 1,69 % |
| Zettle | Tap to Pay on iPhone | iPhone | 1,75 % |
| Stripe | Tap to Pay | iPhone & Android | 1,5 % + 0,25 € |
| Viva.com | Tap to Pay | iPhone & Android | ab 0 % (Flatrate) |
| myPOS | myPOS Glass | Android | 1,75 % |
Wichtig: Apple erlaubt Tap to Pay ausschließlich über seine eigene NFC-Schnittstelle und erst seit iPhone XS (2018). Android ist offener — dort gibt es mehr Spielraum für Anbieter.
Für wen ist SoftPOS geeignet?
SoftPOS ist keine Universallösung — aber für bestimmte Szenarien kaum zu schlagen:
Gut geeignet:
- Händler mit sehr geringem oder saisonalem Umsatz, für die sich Hardware kaum lohnt
- Zusätzliche Zahlstellen ohne Extragerät (Servicekraft nimmt das eigene iPhone)
- Dienstleister und Handwerker, die gelegentlich vor Ort kassieren
- Marktstände und Pop-up-Events als Backup-Terminal
Weniger geeignet:
- Stationärer Handel mit hohem Volumen (Terminal amortisiert sich schnell)
- Gastronomie mit Belegdruckpflicht (SoftPOS druckt nichts)
- Umgebungen ohne stabiles Netz (kein Offline-Modus)
- Betriebe, die Girocard häufig nutzen (nicht alle SoftPOS-Anbieter unterstützen sie vollständig)
Einschränkungen, die du kennen solltest
Girocard: SumUp Tap to Pay und Zettle akzeptieren Girocard — Stripe und einige andere nicht. Für stationären Handel in Deutschland ist das oft ein Ausschlusskriterium.
Belegdruck: Kein SoftPOS-Anbieter druckt Belege. Digitale Belege per SMS oder E-Mail sind möglich, aber nicht überall akzeptiert.
PIN on Glass: Technisch möglich, aber nicht bei allen Anbietern aktiviert. Ohne PIN-Unterstützung gilt das kontaktlose Limit (meist 50 €) — höhere Beträge können nicht verarbeitet werden.
Akku und Hitze: Das Smartphone übernimmt NFC-Kommunikation, Netzwerkverbindung und Display gleichzeitig — das kostet Akku. Im Dauerbetrieb als Terminal ist ein dediziertes Gerät zuverlässiger.
SoftPOS vs. Terminal: Was kostet was?
Hier ist die entscheidende Frage: Lohnt sich die Hardware — und wenn ja, ab wann?
Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: deinem Monatsumsatz, der Differenz zwischen den Gebührensätzen und dem Hardwarepreis. Trag deine Zahlen ein:
Ab wann amortisiert sich die Hardware — und wann ist SoftPOS die günstigere Wahl?
| SoftPOS | Terminal | |
|---|---|---|
| Monatliche Gebühr | — | — |
| Nach 12 Monaten | — | — |
| Nach 24 Monaten | — | — |
| Nach 36 Monaten | — | — |
Hinweis zu den Vorgabewerten: SoftPOS mit 1,39 % (SumUp Tap to Pay) verglichen mit einem SumUp Solo Lite (34 €, 1,39 % — gleiche Rate). In diesem Fall zahlt sich die Hardware rein kostenseitig nie aus; das Terminal lohnt sich nur aus praktischen Gründen. Vergleichst du SoftPOS mit einem Flatrate-Anbieter wie Flatpay (1,29 %, aber 36 Monate Bindung), sieht die Rechnung anders aus — passe die Werte entsprechend an.
Fazit
SoftPOS ist die richtige Wahl, wenn du gelegentlich kassierst, kein Kapital in Hardware binden willst oder schnell eine zweite Zahlstelle brauchst. Für Vollzeitbetrieb mit hohem Volumen und Belegpflicht bleibt ein dediziertes Terminal überlegen — nicht weil SoftPOS unsicher wäre, sondern weil die Praxis es erfordert: Akku, Druck, Robustheit.
Die Kosten-Faustregel: Je höher dein Monatsumsatz und je größer die Gebührendifferenz zwischen SoftPOS und Terminal, desto schneller amortisiert sich die Hardware.