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Tap to Pay: Kartenzahlung mit dem Smartphone akzeptieren

Tap to Pay macht das Smartphone zum Kartenlesegerät — ohne externes Terminal. Wie es funktioniert, wer es anbietet, was es kostet und für wen es sich wirklich lohnt.

Von Ulf Mayer Aktualisiert 04. Juni 2026 5 Min. Lesezeit
Person hält Smartphone mit Finance-App — kontaktloses Bezahlen ohne separates Terminal

Ein Smartphone als Kartenlesegerät — ohne Zusatzhardware, ohne Bluetooth-Dongle, einfach das eigene Telefon hinhalten und zahlen lassen. Was vor ein paar Jahren noch nach Science-Fiction klang, ist heute bei ausgewählten Anbietern in Deutschland live. Tap to Pay (auch: SoftPOS) verändert, wie vor allem mobile Händler und Dienstleister Kartenzahlung akzeptieren. Aber es gibt Einschränkungen, die kaum kommuniziert werden.

Was ist Tap to Pay genau?

Tap to Pay nutzt die NFC-Schnittstelle eines Android- oder iOS-Smartphones, um kontaktlose Kartenzahlungen direkt zu empfangen — ohne separates Terminal. Die Karte, das Smartphone oder die Smartwatch des Kunden wird einfach ans Händler-Gerät gehalten, die Zahlungs-App verarbeitet die Transaktion.

Technisch handelt es sich um eine SoftPOS-Lösung (Software Point of Sale): Die Zertifizierungslogik, die sonst in der Terminalchipkarte steckt, läuft als App auf dem Telefon. Das erfordert eine spezielle Zertifizierung nach PCI-Standards, weshalb nicht jede App das kann — nur Anbieter, die diesen Prozess durchlaufen haben, dürfen SoftPOS anbieten.

Das erkennst du am Tap to Pay / NFC Symbol auf der Anbieterseite oder in der App.

Welche Karten und Limits gelten?

Tap to Pay funktioniert für kontaktlose Kartenzahlungen — also Visa, Mastercard, American Express (je nach Anbieter), Apple Pay und Google Pay. Girocard ohne NFC (ältere Karten mit Chip und PIN) funktioniert nicht per Tap to Pay.

Das Wichtigste, das Anbieter oft klein drucken: Ab einem bestimmten Betrag — in Deutschland aktuell 50 € — fordert die Bankkarte des Kunden eine PIN-Eingabe zur Bestätigung. Diese kann das Smartphone nicht entgegennehmen. Viele Tap-to-Pay-Lösungen bieten deshalb ein PIN-Pad auf dem Bildschirm an (sogenanntes Software PIN Entry), das ebenfalls zertifiziert sein muss. Ohne diese Funktion sind Transaktionen über 50 € mit PIN-Karten nicht möglich.

Wer bietet Tap to Pay in Deutschland an?

Tap to Pay / NFC
AnbieterPlattformPIN-EingabeGirocard
Viva.comAndroid & iOSjaja
SumUpiOS (iPhone)neinja
Zettle (PayPal)iOS (iPhone)neinja
myPOSAndroidjaja
MollieAndroid & iOSneinja

SumUp und Zettle nutzen Apples offizielle „Tap to Pay on iPhone”-Funktion, die Apple seit iOS 16 bereitstellt. Der Vorteil: kein zusätzliches Gerät nötig, das iPhone reicht. Der Nachteil: kein Software-PIN-Pad — bei größeren Beträgen muss der Kunde eine PIN-Karte mitbringen oder alternativ mit Kreditkarte zahlen, die ohne PIN auskommt.

Viva.com gilt in Deutschland als Vorreiter: Die Plattform war eine der ersten, die SoftPOS mit PIN-Eingabe auf dem Bildschirm eingeführt hat, und zwar sowohl für Android als auch iOS. Das löst das 50-€-Problem und macht Tap to Pay alltagstauglich.

myPOS bietet Tap to Pay auf Android mit Software-PIN-Pad und zahlt Umsätze sofort auf das integrierte Konto aus — ein Vorteil für Händler, die schnellen Zugriff auf ihre Einnahmen brauchen.

Mollie hat mit dem Mollie Tap seit 2023 ein eigenes SoftPOS-Produkt im Markt. Besonders attraktiv für Händler, die bereits Mollie für ihren Online-Shop nutzen: Online- und stationäre Umsätze laufen in einem gemeinsamen Dashboard.

Für wen lohnt sich Tap to Pay?

Ideal für:

  • Mobile Dienstleister — Handwerker, Friseure, Lieferdienste, die unterwegs kassieren und kein separates Gerät mitschleppen wollen.
  • Marktständler und Foodtrucks — Wer ohnehin ein Smartphone dabei hat, spart sich den Kartenleser komplett.
  • Gelegenheitshändler — Pop-up-Shops, Vereinsveranstaltungen, Privatpersonen, die selten kassieren und keinen Monatspreis zahlen wollen.
  • Als Backup — Wer bereits ein Terminal hat, kann Tap to Pay als Reserve nutzen, falls das Gerät ausfällt.
  • Online-Händler mit Ladentheke — Wer bereits Mollie für den Online-Shop nutzt, kann mit Mollie Tap ohne zweiten Vertrag auch stationär kassieren.

Weniger geeignet für:

  • Stationäre Betriebe mit hohem Girocard-Anteil über 50 € — ohne PIN-Pad funktionieren viele Transaktionen nicht reibungslos.
  • Hochvolumen-Händler — Ein dediziertes Terminal mit physischer Verbindung ist zuverlässiger, wenn täglich hunderte Transaktionen laufen.
  • Betriebe mit TSE-Pflicht — Tap to Pay allein ist kein Kassensystem. Wer in Deutschland eine Registrierkasse betreibt, braucht zusätzlich eine TSE-konforme Lösung.

Was kostet Tap to Pay?

Die Transaktionsgebühren entsprechen dem jeweiligen Anbieter-Tarif — Tap to Pay ist kein eigenes Preismodell, sondern ein Feature innerhalb eines bestehenden Angebots.

AnbieterGirocardVisa/MastercardMonatspreis
Viva.comab 0,30 %ab 0,30 %0 €
myPOS0,90 %1,30 %0 €
SumUp1,39 %1,39 %0 €
Zettle0,95 %2,75 %0 €
Mollie1,20 %2,00 %0 €

Girocard über Tap to Pay ist mittlerweile bei allen großen Anbietern möglich, war aber lange eine Lücke: Girocard (das klassische EC-Karten-System) nutzt ein anderes technisches Protokoll als Visa/Mastercard. Erst seit 2022/23 unterstützen die meisten SoftPOS-Lösungen auch Girocard zuverlässig.

Fazit: Tap to Pay ist reif — mit Einschränkungen

Tap to Pay ist für mobile Händler und als Ergänzungslösung klar empfehlenswert. Die Technologie funktioniert stabil, die Einrichtung dauert Minuten, und das Ergebnis ist ein vollwertiges Zahlungsterminal in der Hosentasche.

Wer jedoch regelmäßig Beträge über 50 € kassiert und auf zuverlässige PIN-Eingabe angewiesen ist, sollte gezielt auf Viva.com oder myPOS setzen — beide bieten ein zertifiziertes Software-PIN-Pad. Für einfache mobile Nutzung ohne PIN-Bedarf sind SumUp und Zettle der unkomplizierteste Einstieg.

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