Kostenloses Kassensystem: Was es wirklich umsonst gibt — und was nicht
Es gibt Kassensysteme ohne Grundgebühr — aber 'kostenlos' hat fast immer einen Haken: Transaktionsgebühren, Hardware-Pflicht oder Funktionsgrenzen.
„Kostenloses Kassensystem” klingt gut. Und es gibt solche Systeme tatsächlich — nur meint „kostenlos” bei Kassensoftware fast nie: null Euro, keine weiteren Bedingungen. Wer das versteht, trifft die richtige Entscheidung. Wer es nicht versteht, wundert sich im dritten Monat über die Abrechnung.
Was „kostenlos” bei Kassensystemen wirklich bedeutet
Es gibt drei unterschiedliche Modelle, die alle unter „kostenlos” vermarktet werden:
Modell 1: Keine Grundgebühr, aber Transaktionsgebühr. Das ist das häufigste Modell. SumUp und Zettle verlangen keine monatliche Abo-Gebühr — stattdessen behalten sie 1,69 % bzw. 1,75 % jedes Kartenumsatzes ein. Bei 2.000 € Kartenumsatz im Monat sind das 34–35 €. Bei 5.000 € bereits 85–88 €. Das Wort „kostenlos” trifft auf die Software zu, nicht auf die Zahlungsabwicklung.
Modell 2: Freemium. helloCash bietet ein echtes Gratis-Tier: Die Kassensoftware ist dauerhaft kostenlos nutzbar, aber auf 5 Artikel und einen Nutzer beschränkt. Wer mehr braucht, zahlt ab 17 €/Monat. Das Freemium-Tier ist für Kleinstbetriebe mit wenig Sortiment realistisch nutzbar — aber kein vollwertiges Kassensystem.
Modell 3: Hardware-Bundle. Manche Anbieter geben die Kassensoftware kostenfrei dazu, wenn du ihre Hardware kaufst. myPOS beispielsweise liefert die POS-Software mit dem Terminal mit. Das Gerät kostet einmalig etwas — die Software selbst ist dann gratis.
Die besten kostenlosen Kassensysteme 2026
| Anbieter | Grundgebühr | Transaktionsgebühr | Artikel-Limit | TSE | Für wen |
|---|---|---|---|---|---|
| SumUp POS Lite | 0 €/Mt | 1,69 % | unbegrenzt | ✓ (über SumUp Kasse) | Kleinstbetriebe, Einstieg |
| Zettle POS | 0 €/Mt | 1,75 % | unbegrenzt | Konfigurationsabhängig | PayPal-Nutzer |
| helloCash Basic | 0 €/Mt | 0 % (Barverkauf) | 5 Artikel | ✓ (kostenpflichtig) | Kleinstbetriebe AT/DE |
| myPOS POS Software | 0 €/Mt | 1,75 % | paketabhängig | ✓ | myPOS-Hardware-Nutzer |
SumUp POS Lite
SumUp POS Lite ist die kostenlose Kassenlösung von SumUp — eine App für iPad und Android-Tablets, die sich mit dem SumUp-Kartenlesegerät verbindet. Keine Grundgebühr, keine Mindestlaufzeit.
Was du bekommst: Artikel-Katalog ohne Mengenbeschränkung, Tagesumsatz-Übersicht, einfache Kassenführung, Storno-Funktion. TSE-Konformität ist über das SumUp Kasse-Produkt integrierbar. Die App ist schnell eingerichtet — Händler, die SumUp Air (39 €) oder Solo (99 €) nutzen, können direkt loslegen.
Was fehlt: Warenwirtschaft, Mehrnutzer mit Rechterollen, Filialbetrieb, DATEV-Export, erweiterte Statistiken, Rechnungserstellung. Wer eines dieser Features braucht, ist beim kostenlosen Tier falsch.
SumUp POS Lite ist kein vollständiges Kassensystem — es ist ein guter Einstieg für Kleinstbetriebe mit überschaubarem Sortiment und einer Kassensituation.
Zettle POS
Zettle POS ist die Kassensoftware von PayPal Zettle, ebenfalls ohne monatliche Grundgebühr. Die App läuft auf iPhone und iPad und koppelt mit dem Zettle Reader 2. Transaktionsgebühr: 1,75 %.
Funktional liegt Zettle auf ähnlichem Niveau wie SumUp POS Lite. Stärke: Wer bereits mit einem PayPal-Geschäftskonto arbeitet, kann Umsätze direkt dort verbuchen. Schwäche: Auszahlung geht erst aufs PayPal-Konto, von dort aufs Bankkonto — ein Schritt mehr als bei SumUp.
Die TSE-Einbindung ist konfigurationsabhängig und sollte vor dem Live-Betrieb geprüft werden, wenn eine kassenführungspflichtige Registrierkasse betrieben wird.
helloCash — das echte Gratis-Modell
helloCash ist in Österreich groß (RKSV-konform) und seit Jahren auch im deutschen Markt aktiv. Das Besondere am Free-Tier: Es ist tatsächlich dauerhaft gratis — nicht nur für den ersten Monat oder als Trial.
Im Gratis-Tier: bis zu 5 Artikel, ein Nutzer, unbegrenzte Transaktionen, Tagesabschluss, grundlegende Kassenführung. TSE ist im Gratis-Tier nicht enthalten — sie kostet einmalig 99,90 €/Jahr als Zertifikats-Abo (Pflicht in Deutschland wenn Kassensystem verwendet wird). helloCash Basic ohne TSE-Pflicht taugt daher nur für Betriebe, die ausschließlich Barverkäufe erfassen und keine elektronische Registrierkassenpflicht haben.
Für kleine Dienstleistungsbetriebe (Handwerker ohne feste Kasse, Hobbyunternehmen) ist helloCash Free ein ernstzunehmendes Angebot.
Was bei kostenlosen Systemen fehlt
| Feature | SumUp POS Lite | Zettle POS | helloCash Free |
|---|---|---|---|
| Warenwirtschaft / Bestand | ✗ | ✗ | ✗ |
| Mehrere Nutzer / Rechterollen | ✗ | ✗ | ✗ |
| Erweiterte Berichte | Basis | Basis | ✗ |
| Filialbetrieb | ✗ | ✗ | ✗ |
| Tischplan / Splitbill | ✗ | ✗ | ✗ |
| DATEV-Export | ✗ | ✗ | ✗ |
| Rechnungserstellung | ✗ | ✗ | ✗ |
| Trinkgeld-Funktion | ✓ | ✓ | ✗ |
| TSE inklusive | ✓ | Konfiguration | ✗ (Aufpreis) |
Sobald eines dieser Features für den Betrieb relevant ist, scheidet das kostenlose Tier aus — und es lohnt sich, den Sprung zu einem vollständigen System zu kalkulieren.
Ab wann lohnt sich ein bezahltes System?
Rechnung mit 5.000 € Kartenumsatz pro Monat:
| Modell | Monatliche Kosten | Enthaltene Funktionen |
|---|---|---|
| SumUp POS Lite | 84,50 € (nur Transaktionen) | Basis-Kasse |
| ready2order ab | 29 € + Transaktionen | WaWi, Berichte, Mehrnutzer |
| orderbird ab | 49 € + Transaktionen | Gastro-Vollsystem, Tischplan |
| KORONA POS ab | 49 € + Transaktionen | Retail-Vollsystem, Inventur |
Bei 5.000 € Kartenumsatz zahlen SumUp-Nutzer allein 84,50 € Transaktionsgebühr. Ein Abo-System mit IC++-Preismodell kann bei diesem Volumen günstiger sein — und liefert gleichzeitig Funktionen, die im kostenlosen Tier fehlen.
Als Faustregel: Ab 3.000 € Kartenumsatz pro Monat und sobald Warenwirtschaft, mehrere Mitarbeiter oder erweiterte Auswertungen nötig werden, sollte ein bezahltes System ernsthaft geprüft werden. Den vollständigen Kostenvergleich bietet der Ratgeber Was ein Kassensystem wirklich kostet.
Der große Kassensystem-Kaufberater hilft dabei, anhand der eigenen Anforderungen das passende System zu finden — ob kostenlos oder nicht.
→ Kassensystem-Kaufberatung: Welches System passt zu mir?
→ Was ein Kassensystem wirklich kostet
→ Kassensystem Einzelhandel: Der vollständige Vergleich
→ Alle Kassensysteme im Vergleich
Häufige Fragen
Gibt es wirklich kostenlose Kassensysteme?
Ja — SumUp POS Lite, Zettle POS und Square (nur AT/CH) bieten ihre Kassensoftware ohne monatliche Grundgebühr an. Kosten entstehen dann ausschließlich über Transaktionsgebühren (1,69–1,75 % pro Kartenzahlung). Wer nur wenige Transaktionen hat, zahlt faktisch wenig.
Was fehlt bei einem kostenlosen Kassensystem?
Meistens: Warenwirtschaft-Anbindung, Mehrnutzer-Verwaltung mit Rechterollen, erweiterte Berichte, Filialbetrieb, Trinkgeld-Funktion oder TSE-Integration. Je nach Anbieter und Betriebstyp kann das irrelevant oder entscheidend sein.
Brauche ich bei einem kostenlosen Kassensystem eigene Hardware?
Nicht immer. SumUp POS läuft auf einem normalen iPad. Zettle POS ebenfalls. Für den Betrieb brauchst du aber ein kompatibles Tablet und den dazugehörigen Kartenleser — der kostet einmalig 29–99 €.
Wann ist ein kostenpflichtiges Kassensystem besser?
Ab ca. 5 Mitarbeitern, mehreren Warengruppen mit Bestandsführung oder Filialbetrieb rechnet sich eine monatliche Grundgebühr (20–80 €) schnell. Die Funktionen sparen Zeit und reduzieren Fehler — der Stundensatz des Inhabers übersteigt oft die Abo-Kosten.