Splitbill in der Gastronomie: Getrennte Rechnung richtig abwickeln · Zahlungskompass
Zahlungskompass Echte Kosten berechnen
← Ratgeber Ratgeber

Splitbill in der Gastronomie: Getrennte Rechnung richtig abwickeln

Getrennte Rechnung am Tisch gehört zum Alltag jedes Restaurants. Welche Varianten es gibt, was Gäste wirklich erwarten, welche Kassensysteme Splitbill gut lösen — und wie Self-Pay per QR-Code die Situation komplett auflöst.

Von Ulf Mayer Aktualisiert 04. Juni 2026 7 Min. Lesezeit
Restauranttisch mit Getränken — getrennte Rechnung ist eine der häufigsten Anfragen in der Gastronomie

„Wir würden gerne getrennt zahlen.” Dieser Satz fällt an fast jedem zweiten Tisch — und er kann den Abend für das Servicepersonal in Stress verwandeln oder in zehn Sekunden erledigt sein. Was den Unterschied macht, ist nicht der Wille des Serviceteams, sondern das Werkzeug dahinter.

Dieser Artikel erklärt, was Gäste beim Splitbill wirklich brauchen, welche Szenarien ein Kassensystem beherrschen muss — und welche Lösungen das heute bereits ideal abbilden.


Was Gäste erwarten — und was sie stresst

Getrennte Rechnung ist keine Ausnahme, sondern ein Standard-Kundenbedürfnis. Besonders häufig bei:

  • Geschäftsessen, bei denen jeder Teilnehmer eine eigene Quittung für die Spesenabrechnung braucht
  • Paaren oder Freundesgruppen, bei denen niemand für alle vorauslegen möchte
  • Tischen mit unterschiedlichem Konsum — wer keinen Wein getrunken hat, möchte ihn nicht mitbezahlen
  • Gruppen mit gemischten Zahlungsmitteln — eine Person zahlt bar, die andere kontaktlos, eine dritte per Apple Pay
  • Firmenevents, bei denen Mitarbeiter ihre Speisen auf eigene Kosten zahlen, Getränke aber über das Unternehmensbudget laufen

Das Problem entsteht nicht durch den Wunsch zu teilen, sondern durch mangelnde Systemunterstützung. Wenn das Kassensystem getrennte Rechnungen nicht nativ abbildet, rechnet das Servicepersonal in Gedanken, macht Fehler, braucht Zeit — und die restlichen Gäste warten.

Was Gäste als schlechte Erfahrung wahrnehmen

  • Ein Seufzen oder „Das ist eigentlich schwierig” als Antwort auf die Trennwunsch
  • Lange Wartezeit während manuell gerechnet wird
  • Fehler im Betrag (zu viel oder zu wenig, beide peinlich)
  • Nicht-akzeptierte Zahlungsmittel für Teilbeträge (Karte unter 10 €, kein Apple Pay)
  • Der Wunsch, per Handy-Überweisung an einen Tischkollegen zu zahlen statt direkt beim Restaurant — Zeichen dafür, dass kein guter Splitbill angeboten wird

Die fünf Splitbill-Szenarien in der Praxis

Nicht jeder „getrennte Rechnung”-Wunsch ist gleich. Ein gutes Kassensystem muss alle diese Varianten ohne Umbuchungsaufwand abwickeln können:

1. Kopfquote (gleichmäßige Teilung)

Die einfachste Variante: Der Gesamtbetrag wird durch die Anzahl der Personen geteilt. Jeder zahlt gleich viel, unabhängig davon wer was bestellt hat. Funktioniert gut bei vertrauten Gruppen, bei denen Einzel-Tracking nicht gewünscht ist.

Systemanforderung: Kassensystem berechnet n × Teilbetrag, jede Person zahlt ihren Anteil nacheinander — mit beliebigem Zahlungsmittel je Person.

2. Nach Position (itemized split)

Der häufigste Wunsch: Jeder zahlt genau das, was er bestellt hat. „Ich hatte das Steak und zwei Bier, du den Salat und ein Wasser.”

Systemanforderung: Einzelne Positionen müssen am Terminal Personen zugeordnet werden können — entweder schon bei der Bestellung (Person A, Person B…) oder im Moment der Abrechnung durch Umsortierung der Bons. Ohne diese Funktion ist itemized Split nur durch manuelle Berechnung möglich.

3. Gemischte Zahlungsmittel an einem Tisch

Vier Personen, vier verschiedene Zahlungswege: Person A zahlt bar, B per Karte, C per Apple Pay, D will nur ihren Teil. Das Terminal muss an einem Tisch mehrfach verschiedene Zahlungsmethoden nacheinander akzeptieren können.

Systemanforderung: Mehrzahlungs-Workflow am Terminal — nach jeder Teilzahlung reduziert sich der offene Betrag, ohne die Bestellung neu aufzurufen.

4. Teilbetrag (Partial Payment)

Ein Gast zahlt für zwei oder drei Personen, der Rest teilt sich den verbleibenden Betrag. Oder: Jemand zahlt für die Vorspeisen, der Gastgeber übernimmt Hauptgänge und Wein.

Systemanforderung: Freie Betragseingabe — nicht nur nach Position oder Kopf, sondern beliebige Zwischensummen.

5. Tischumbuchung (Artikel zwischen Tischen verschieben)

An größeren Tischen oder bei Gruppen, die sich spontan zusammenfinden, müssen manchmal Positionen von einem Tisch auf einen anderen umgebucht werden, bevor getrennt abgerechnet wird.

Systemanforderung: Artikel-Splitting auf Tischebene — Positionen lassen sich zwischen Tischen oder Sitzplätzen verschieben, bevor der Bezahlvorgang startet.


Was rechtlich gilt

Jeder Gast hat rechtlich Anspruch auf eine eigene, detaillierte Rechnung. Das ist keine Kulanzfrage, sondern Pflicht — insbesondere wenn die Kassenbonpflicht (§ 146a AO) gilt: Jede Teilzahlung erzeugt einen eigenen Bon mit allen Pflichtangaben inkl. TSE-Prüfwert.

Praktisch bedeutet das: Wer getrennte Rechnungen anbietet, stellt mehrere vollständige TSE-konforme Belege aus. Das Kassensystem muss das automatisch können — manuelle Handzettel oder nachträgliche Aufteilung auf einer Sammelrechnung sind nicht normkonform.


Kassensysteme mit guter Splitbill-Funktion

orderbird — der iPad-Standard für kleine Gastronomie

orderbird hat Splitbill nativ integriert und gilt als eine der einfachsten Implementierungen: Mit wenigen Tippen auf dem iPad werden Positionen Gästen zugeordnet und einzeln abgerechnet. Der Tischplan ist in die Abrechnung integriert, was Umbuchungen zwischen Tischen erleichtert.

Besonders gut bei: Kleiner bis mittlerer Gastronomie, Cafés, Bars mit iPad-Setup. Schwäche: Limitierter im Vergleich zu vollständigen Warenwirtschaftslösungen.


ready2order — flexibel und DACH-erprobt

ready2order bietet im Gastro-Paket (ab ca. 76 €/Monat pro Kasse) einen vollständigen Splitbill-Workflow mit Tischplan, Positionszuordnung und Mehrzahlungsabwicklung. Die Einrichtung ist praxisnah und gilt als wenig komplex.

Besonders gut bei: Gastronomie in Deutschland und Österreich, Betriebe mit RKSV/TSE-Anforderung. Schwäche: Erweiterte Warenwirtschaft erst in höheren Paketen.


Lightspeed Restaurant — für komplexere Betriebe

Lightspeed bietet einen der funktionsreichsten Splitbill-Workflows: Gleichmäßige Teilung, itemized Split, Tischumbuchung und Teilzahlungen mit verschiedenen Zahlungsmitteln sind vollständig abgedeckt. Besonders stark für Betriebe mit mehreren Kassenplätzen oder Standorten.

Besonders gut bei: Etablierte Gastronomie, Restaurants mit hohem Durchsatz, Filialbetriebe. Schwäche: Monatliche Lizenz (ab 69 €) ist für kleine Betriebe ein hoher Fixkostenblock.


gastronovi — die All-in-One-Gastrolösung

gastronovi ist ein cloudbasiertes Kassensystem, das Kasse, Küche, Lager, Reservierung und Personal integriert. Der Splitbill ist Teil des vollständigen Tischmanagements. Besonders stark für Betriebe, die nicht nur kassieren, sondern alle Gastro-Prozesse aus einer Hand managen wollen.

Besonders gut bei: Komplexere Gastronomie, Betriebe mit Reservierungssystem und Warenwirtschaft. Schwäche: Höhere Einrichtungskomplexität, Onboarding aufwendiger als bei orderbird.


SumUp POS — Einstiegslösung mit Einschränkungen

SumUp POS bietet grundlegende Splitbill-Funktionalität, aber ohne die Tischplan-Integration der spezialisierten Gastro-Systeme. Für einfache Setups (Café, Imbiss) ausreichend; für komplexen Tischservice mit Positionszuordnung zu limitiert.

Besonders gut bei: Einfache Gastronomie ohne Tischservice-Komplexität. Schwäche: Splitbill nach Positionen und Tischumbuchungen nur eingeschränkt möglich.


Der moderne Weg: Gäste zahlen selbst per QR-Code

Eine wachsende Kategorie löst das Splitbill-Problem komplett anders: Statt dass das Servicepersonal teilt, zahlen Gäste selbst — jeder scannt den QR-Code am Tisch, sieht die Rechnung im Browser seines Smartphones und zahlt seinen Anteil direkt.

billplease — Self-Pay mit Tisch-QR

billplease stellt Restaurants kostenlose QR-Codes (als Aufsteller, Aufkleber oder Acrylglas) bereit. Der Gast scannt, sieht seinen Tischbon und zahlt mit Google Pay, Apple Pay, Kreditkarte oder Giropay direkt im Browser — ohne App-Download. Das Restaurant erhält die Zahlung direkt.

Vorteil für Gastronomen: Service muss nicht ans Tisch — Zahlung läuft selbstständig, kein Warten, keine Fehler, kein Rechnen. Vorteil für Gäste: Jede Person sieht ihren Anteil, wählt selbst was sie zahlt und mit welchem Mittel — inklusive Trinkgeld.

Weitere Self-Order & Pay-Systeme

injoi / payflink, SIDES und SO’USE kombinieren QR-Bestellung mit QR-Zahlung: Gäste bestellen und bezahlen vollständig am Handy. Das setzt voraus, dass das Kassensystem die Bestellungen direkt aus dem Gäste-Interface übernimmt — was eine tiefere Integration erfordert.


Splitbill und Trinkgeld — die übersehene Verbindung

Ein gut implementierter Splitbill löst gleichzeitig das Trinkgeld-Problem: Wenn jeder Gast seinen eigenen Betrag sieht und zahlt, kann er auch sein eigenes Trinkgeld angeben. Bei einer gemeinsamen Rechnung, die einer zahlt und dann unter den Gästen verrechnet wird, geht das Trinkgeld oft verloren.

Kassensysteme die Splitbill mit digitalem Trinkgeld (Prozentsatz oder fixer Betrag pro Teilzahlung) kombinieren, erhöhen nachweislich die Trinkgeldquote — weil der Impuls direkt am Zahlungsmoment gesetzt wird.

Mehr dazu: Trinkgeld bei Kartenzahlung — was Händler wissen müssen


Entscheidungshilfe: Welche Lösung passt?

BetriebstypEmpfehlungBegründung
Kleines Café, Barorderbird oder ready2orderEinfach, iPad-nativ, Splitbill out-of-the-box
Restaurant mit TischserviceLightspeed oder gastronoviVollständiger itemized Split, Tischumbuchung
Imbiss, Kiosk ohne TischserviceSumUp POSSplitbill hier selten nötig
Betrieb mit viel Laufkundschaftbillplease (Self-Pay)Gäste zahlen selbst, Service entlastet
Betrieb mit ReservierungssystemgastronoviAlles integriert: Reservierung, Tisch, Splitbill
DACH (DE + AT + CH)ready2orderRKSV + TSE, monatlich kündbar

Zusammenfassung für Gastronomen

Splitbill ist keine nette Zusatzfunktion — es ist eine Grundvoraussetzung für professionellen Tischservice. Ein Kassensystem ohne saubere Splitbill-Implementierung erzeugt täglich Servicestress, Fehler und unzufriedene Gäste.

Die Entscheidung liegt nicht darin, ob man Splitbill anbietet — das ist Pflicht — sondern wie: Per Kassensystem-seitiger Positionszuordnung (klassisch) oder per Gäste-seitigem Self-Pay via QR (modern). Beide Wege haben ihre Berechtigung je nach Betriebsmodell. Was nicht mehr akzeptabel ist: manuelles Nachrechnen am Tisch.


Trinkgeld bei Kartenzahlung: Was Kassensysteme können müssenKassensystem-Vergleich: Welches System passt zur Gastronomie?orderbird im ÜberblickLightspeed im Überblick

Transparenz: Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten. Wie das funktioniert und warum es unsere Bewertungen nicht beeinflusst, erklären wir auf der Seite Finanzierung & Transparenz.