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Girocard vs. EC-Karte: Was ist der Unterschied?

Die meisten Deutschen sagen 'EC-Karte', obwohl das Ding seit 2007 offiziell Girocard heißt. Was hinter den Namen steckt, warum Maestro verschwunden ist, was das für Händler bedeutet — und warum die Gebühren so anders sind als bei Visa oder Mastercard.

Von Ulf Mayer Aktualisiert 04. Juni 2026 4 Min. Lesezeit
Bankkarten nebeneinander — Girocard, Visa Debit und Mastercard im Vergleich

Fast jeder Deutsche hat eine dabei. Kaum jemand nennt sie beim richtigen Namen. “Zieh mal kurz deine EC-Karte” — der Begriff sitzt so tief im Alltag, dass er selbst auf Kassenschildern und in Bankberater-Gesprächen auftaucht. Dabei heißt die Karte seit fast zwei Jahrzehnten offiziell Girocard. Was hinter dem Namenschaos steckt, warum das für Händler relevant ist und was der Wegfall von Maestro bedeutet — hier ist die vollständige Erklärung.

Von der EC-Karte zur Girocard: die Geschichte

Der Begriff EC hatte ursprünglich nichts mit elektronischen Kassen zu tun. EC stand für Eurocheque — ein in den 1970er-Jahren eingeführtes paneuropäisches Scheckverfahren, das grenzüberschreitendes Bezahlen per Scheck ermöglichte. Die dazugehörige Karte garantierte die Einlösung dieser Schecks: die EC-Karte.

Als Schecks im Alltag verschwanden, blieb die Karte. Das Zahlungsverfahren dahinter wurde umgebaut: Statt Schecks lief fortan eine elektronische Debitbelastung — das System hieß jetzt electronic cash (klein geschrieben, kein Akronym). Die Karten selbst trugen weiterhin das „ec”-Logo.

2007 vollzog die Deutsche Kreditwirtschaft die offizielle Umbenennung: Das Zahlungsverfahren heißt seitdem Girocard, die Karte ebenfalls. Das alte „ec”-Logo verschwand von neuen Karten. Der Begriff EC-Karte blieb im Volksmund erhalten — und dürfte noch Jahrzehnte dort bleiben.

Kurz zusammengefasst: EC-Karte = veralteter Volksmund-Begriff. Girocard = offizieller Name seit 2007. Gemeint ist dasselbe Produkt: die deutsche Debitkarte der jeweiligen Hausbank.

Was ist die Girocard technisch?

Die Girocard ist eine Debitkarte des deutschen Bankensystems, ausgegeben von der jeweiligen Hausbank (Sparkasse, Volksbank, Deutsche Bank, ING usw.). Bei jeder Zahlung wird der Betrag direkt und zeitnah vom Girokonto des Karteninhabers abgebucht — kein Kreditrahmen, kein späteres Ausgleichen.

Das Zahlungssystem dahinter wird von der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) betrieben — einem Dachverband der deutschen Banken. Das macht die Girocard zu einem deutschen Domestic-Scheme, unabhängig von Visa oder Mastercard. Genau das erklärt die günstigen Händlergebühren: Kein internationales Netzwerk, weniger Stufen, niedrigere Interchange.

Technisch enthält jede Girocard:

  • Einen EMV-Chip für PIN-gesicherte Zahlungen
  • NFC/Kontaktlos-Funktion für Beträge bis 50 € ohne PIN (mit Limit)
  • Optional eine Maestro- oder Visa/Mastercard-Debit-Co-Badge für internationale Nutzung

Was war Maestro — und warum ist es weg?

Wer ältere Girocards noch kennt, erinnert sich an das blaue-rote Maestro-Logo auf der Rückseite. Maestro war Mastercards europäisches Debit-Scheme und ermöglichte die internationale Akzeptanz der Karte — überall dort, wo Mastercard-Infrastruktur vorhanden war, aber das rein deutsche Girocard-System nicht akzeptiert wurde.

Ende 2023 hat Mastercard Maestro in Europa eingestellt. Neue Karten tragen stattdessen häufig ein Mastercard Debit- oder Visa Debit-Co-Badge. Das ändert für Alltagszahlungen in Deutschland wenig — Girocard funktioniert weiterhin. Aber für internationale Einsätze (Auslandsurlaub, Online-Shopping) hat die neue Co-Badge andere Gebührenstrukturen.

Girocard vs. Visa/Mastercard: der entscheidende Unterschied für Händler

Hier wird es für Händler relevant. Die Gebührenstrukturen sind grundlegend verschieden:

KartentypSchemeInterchange-DeckelTypische Händlergebühr
GirocardDeutsche Kreditwirtschaftkein EU-IFR-Deckel0,2–1,0 %
Visa/MC Debit (EU)Visa / Mastercard0,20 % (IFR)0,3–1,0 %
Visa/MC Kredit (EU)Visa / Mastercard0,30 % (IFR)0,7–1,5 %
Visa/MC (non-EU)Visa / Mastercardnicht gedeckelt1,5–3,5 %

Die Girocard ist trotz fehlendem EU-Deckel günstig, weil das deutsche Domestic-Scheme historisch niedrige Interbankenentgelte hat. In der Praxis berechnen Anbieter wie Zettle für Girocard 0,95 % — deutlich weniger als ihre Kreditkartensätze.

Wichtig für Händler: Wenn ein Kunde mit einer neueren Karte zahlt, die Girocard + Visa Debit trägt, entscheidet das Terminal, welches Scheme genutzt wird. In Deutschland wird standardmäßig Girocard bevorzugt — günstiger für den Händler. Stellt der Kunde auf “Kreditkarte” um oder nutzt er Visa/Mastercard kontaktlos ohne Girocard-Chip, wird das teurere internationale Scheme abgewickelt.

Wie erkenne ich, ob mein Kunde mit Girocard oder Visa/Mastercard zahlt?

In der Praxis ist das für den Händler am Terminal oft nicht direkt sichtbar — das Kassensystem wählt den günstigsten Weg (Girocard) automatisch, wenn die Karte es unterstützt. Auf der Abrechnung zeigt ein guter Acquirer die Aufschlüsselung nach Kartentyp.

Wer ein Interchange++-Modell nutzt (transparente Gebühren), sieht den Unterschied direkt: Girocard-Transaktionen sind günstiger als Visa/Mastercard-Transaktionen. Beim Einheitssatz (SumUp, Flatpay) zahlt man immer gleich viel — egal ob Girocard oder Amex.

Was bedeutet das für die Wahl des Zahlungsanbieters?

Für Händler mit hohem Girocard-Anteil (typisch im deutschen Einzelhandel: 60–70 % aller Kartenzahlungen) lohnt sich ein Anbieter mit differenzierten Sätzen. Die Differenz zwischen Girocard (z. B. 0,95 % bei Zettle) und dem SumUp-Einheitssatz (1,39 %) macht bei 10.000 € Monatsumsatz rund 528 € pro Jahr aus.

Für Händler mit vielen internationalen Kunden — Hotels, Tourismus, Stadtlagen — kann der Einheitssatz günstiger sein, weil er das Risiko teurer Non-EU-Karten deckelt.

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Girocard und Online-Zahlung

Im Online-Handel ist die Girocard traditionell schwach vertreten. Der Grund: Girocard wurde für den stationären Einsatz entwickelt und hatte lange keine standardisierte Online-Authentifizierung. giropay sollte diese Lücke schließen — ein Online-Verfahren auf Basis von SEPA-Überweisungen mit Girocard-Login — wurde aber 2024 eingestellt.

Die Nachfolgelösung heißt Wero: SEPA Instant, direkte Banking-App-Integration, kein Interchange. Für Online-Shops relevant, sobald die Nutzerbasis gewachsen ist.


Das Wichtigste auf einen Blick:

  • EC-Karte = veralteter Name, Girocard = aktuell seit 2007
  • Maestro auf der Karte = seit 2023 durch Visa/Mastercard Debit ersetzt
  • Girocard ist günstiger für Händler als internationale Kartenschemes
  • Bei hohem deutschen Kundenstamm: Anbieter mit separatem Girocard-Satz prüfen

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