Girocard Kosten für Händler: Was EC-Zahlung wirklich kostet
Girocard ist für Händler günstiger als Kreditkarte — aber nicht umsonst. Was Acquirer, Terminalmiete und die neue Apple-Pay-Falle wirklich kosten.
Wenn Kunden „mit EC” zahlen, gehen die meisten Händler davon aus, dass das die günstigste Zahlungsvariante ist. Das stimmt meistens — aber nicht immer. Und seit Apple Pay und Google Pay die Wallets füllen, stimmt es auch an der eigenen Kasse nicht mehr automatisch.
EC-Zahlung, Girocard, Maestro: Was ist was?
Die Begriffe werden in DACH oft durcheinandergeworfen — mit Konsequenzen für die Kostenkalkulation.
Girocard ist das Debitkartensystem der Deutschen Kreditwirtschaft (DK). Es ist ein rein deutsches Netz, reguliert außerhalb der EU-IFR, mit eigenen niedrigen Interbankenentgelten. Bis Anfang der 2000er-Jahre hieß es „EC-Karte” — der Begriff ist geblieben, obwohl er offiziell nicht mehr existiert.
Maestro war das internationale Debitkartenprodukt von Mastercard, das in DACH jahrzehntelang parallel zur Girocard auf denselben Karten stand. Seit Juli 2023 stellt Mastercard Maestro ein. Neue Karten kommen ohne Maestro-Logo — stattdessen tragen sie Visa Debit oder Mastercard Debit als internationales Scheme.
Visa Debit / Mastercard Debit sind die Nachfolger. Sie funktionieren überall wo Visa oder Mastercard akzeptiert wird — auch im Ausland und online. Für Händler bedeutet das: höhere Kosten als bei reiner Girocard, weil ein internationales Kartennetzwerk (Visa oder Mastercard) an der Transaktion verdient.
Was Girocard für Händler kostet
Die Girocard-Kosten setzen sich aus drei Komponenten zusammen:
Interbankenentgelt (Interchange): Das Entgelt, das der Händler-Acquirer an die ausgebende Bank (Kundenbank) zahlt. Bei Girocard beträgt es typisch 0,2 % des Transaktionsbetrags plus 0,05–0,10 € Fixbetrag. Die Deutsche Kreditwirtschaft verhandelt diese Sätze direkt — sie sind nicht EU-reguliert, aber historisch niedrig gehalten.
Kein Scheme Fee: Girocard läuft nicht über Visa oder Mastercard. Es gibt keine Scheme Fee dieser Netzwerke — ein struktureller Kostenvorteil gegenüber internationalen Karten.
Acquirer-Marge: Dein PSP (SumUp, PAYONE, Nexi usw.) schlägt eine eigene Marge auf. Diese variiert stark je nach Vertrag — von 0,1 % bei Großhändlern mit IC++-Vertrag bis zu 1,39 % oder mehr bei Blended-Pricing.
Terminalmietkosten fallen separat an und sind unabhängig vom Kartentyp.
| Kartentyp | Interchange | Scheme Fee | Gesamt (Richtwert) |
|---|---|---|---|
| Girocard DE | ~0,2 % + 0,07 € | keiner | ~0,25–0,35 % |
| Visa Debit EU | 0,2 % | ~0,10–0,15 % | ~0,35–0,45 % |
| Visa Credit EU | 0,3 % | ~0,10–0,15 % | ~0,45–0,55 % |
| Amex | ~1,5–2,0 % | — | ~1,5–2,0 % |
Richtwerte ohne Acquirer-Marge; die tatsächlichen Kosten hängen vom PSP-Vertrag ab.
Girocard vs. Kreditkarte: Der echte Unterschied
Ein Rechenbeispiel zeigt, was auf dem Spiel steht:
Ein Café mit 8.000 € Monatsumsatz, davon 70 % über Girocard (5.600 €) und 30 % über Kreditkarte (2.400 €).
| Girocard (5.600 €) | Kreditkarte (2.400 €) | |
|---|---|---|
| IC++-Vertrag | ~17 € (0,3 %) | ~13 € (0,55 %) |
| Blended SumUp 1,69 % | ~95 € | ~41 € |
Der Unterschied beim Girocard-Anteil allein: 17 € vs. 95 € monatlich — fast das Sechsfache. Auf ein Jahr: ~940 € mehr Gebühren für exakt dieselben Girocard-Transaktionen.
Das Blended-Pricing-Problem
Blended Pricing bedeutet: ein Satz für alle Karten. SumUp 1,69 %, Zettle 1,75 %, myPOS 1,75 % — egal ob Girocard, Visa Debit, Kreditkarte oder Amex.
Das ist für Einsteiger sinnvoll: kein Nachdenken über Kartenmix, keine komplizierte Abrechnung. Aber für Händler mit hohem Girocard-Anteil ist es ein teurer Kompromiss. Wer 80 % Girocard-Umsatz hat, zahlt effektiv 1,69 % auf Transaktionen, die eigentlich ~0,3 % kosten würden.
Ab etwa 10.000 € Monatsumsatz mit Girocard-Schwerpunkt lohnt sich der Blick auf IC++-Verträge (PAYONE, Nexi, direkt über Hausbank). Die Abrechnung ist komplexer — aber die Ersparnisse sind real.
Unter 5.000 € Monatsumsatz ist Blended in der Regel die bessere Wahl: Verwaltungsaufwand und eventuelle Grundgebühren bei IC++ überwiegen die Einsparungen.
Girocard via Apple Pay und Google Pay: Die neue Kostenfrage
Kontaktlose Zahlungen per Wallet wachsen in DACH schnell. Und sie bringen eine Kostenfrage mit, die viele Händler noch nicht kennen.
Wenn ein Kunde mit Apple Pay bezahlt, liegt darunter eine Karte. Welche Karte das ist, entscheidet die Bank — und damit die Kosten für den Händler.
Sparkasse, Volksbank, Commerzbank: Diese Banken hinterlegen in Apple Pay eine echte Girocard. Die Transaktion läuft über das Girocard-Netz — günstige Konditionen für den Händler.
N26, DKB, Revolut, Monzo: Diese Direktbanken hinterlegen Visa Debit oder Mastercard Debit. Apple Pay sieht identisch aus, aber im Hintergrund läuft Visa — mit höheren Interchange-Sätzen.
Für den Händler ist an der Transaktion nicht sichtbar, welches Netz genutzt wurde. Er sieht es erst in der monatlichen Abrechnung — wenn überhaupt. Wer seinen Kartenmix analysiert, bemerkt: der Girocard-Anteil sinkt, der Visa-Debit-Anteil steigt. Die Kunden zahlen kontaktlos, aber nicht mehr so günstig wie früher.
Mehr dazu, welche Banken Girocard in Apple Pay unterstützen: Apple Pay mit Girocard: Welche Banken mitmachen.
Wie Händler ihre Girocard-Kosten senken
Schritt 1: Kartenmix verstehen. Wer nicht weiß, wie viel Prozent seines Umsatzes über Girocard läuft, kann nicht optimieren. Die Abrechnung des PSP schlüsselt das auf — oder ein Kassensystem mit Auswertungsfunktion. Kartenmix analysieren zeigt, wie das geht.
Schritt 2: Blended vs. IC++ vergleichen. Bei hohem Girocard-Anteil und Umsatz über 10.000 €/Monat: PAYONE, Nexi oder die Hausbank nach IC++-Konditionen fragen. Der Vergleich lohnt sich in einer Stunde.
Schritt 3: Hausbank-Terminal prüfen. Sparkasse und Volksbank bieten oft günstige Girocard-Sätze (Interbank-Vereinbarung im eigenen Verbund), aber teurere Kreditkarten-Konditionen. Wer wenig Kreditkarte und viel Girocard hat, fährt damit oft günstiger als mit einem freien PSP.
Schritt 4: Wallet-Trend beobachten. Wenn Apple Pay und Google Pay wachsen, den Visa-Debit-Anteil im Blick behalten. Steigende Visa-Debit-Transaktionen erhöhen die durchschnittlichen Kosten — auch wenn die nominalen Kreditkarten-Transaktionen gleichbleiben.
→ Interchange-Gebühr: Was steckt hinter den Kartenkosten?
→ Visa & Mastercard Gebühren für Händler
→ Girocard (EC-Karte) erklärt
→ Girocard vs. Maestro: Was sich geändert hat
Häufige Fragen
Was kostet Girocard für Händler?
Girocard (früher EC-Karte) kostet Händler deutlich weniger als Kreditkarte: typisch 0,2–0,3 % des Transaktionsbetrags plus ein Fixbetrag von 0,05–0,10 €. Bei kleinen Beträgen unter 5 € überwiegt der Fixbetrag. Blended-Pricing-Anbieter wie SumUp oder Zettle verrechnen Girocard zum gleichen Satz wie alle anderen Karten (1,69–1,75 %) — hier zahlt der Händler für Girocard-Transaktionen deutlich mehr als nötig.
Ist die EC-Zahlung für Händler günstiger als Kreditkarte?
Ja, erheblich. Girocard-Interchange ist nicht durch die EU-IFR reguliert (das gilt nur für Visa/Mastercard), aber die Deutsche Kreditwirtschaft hat eigene niedrige Sätze vereinbart — typisch 0,2 % plus Fixbetrag. Visa/Mastercard Consumer-Kreditkarte kostet 0,3 % Interchange plus Scheme Fee plus Acquirer-Marge.
Warum zahle ich bei SumUp auch für Girocard 1,69 %?
SumUp und andere Blended-Pricing-Anbieter rechnen alle Kartenzahlungen zum gleichen Pauschalsatz ab — egal ob Girocard, Visa Debit oder Amex. Das vereinfacht die Kalkulation, bedeutet aber: Wer viel Girocard annimmt (typisch DACH-Händler im Einzelhandel), überzahlt gegenüber einem IC++-Vertrag erheblich.
Wird Girocard bei Apple Pay oder Google Pay teurer?
Kommt auf die Bank an. Wenn der Kunde eine echte Girocard via Apple Pay hinterlegt hat (Sparkasse, Volksbank unterstützen das), läuft die Transaktion über das Girocard-Netz — günstige Kosten. Wenn die Bank nur Visa Debit hinterlegt, zahlt der Händler Visa-Debit-Interchange — deutlich teurer als Girocard.