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Kartenzahlungsgerät: Was ist das, welche Typen gibt es und wie wähle ich richtig?

Vom mobilen Bluetooth-Leser bis zum stationären Terminal mit Bondrucker: Kartenzahlungsgeräte gibt es in sehr unterschiedlichen Varianten. Was die Unterschiede sind, worauf bei der Wahl zu achten ist und was das Gerät im ersten Jahr wirklich kostet.

Von Ulf Mayer Aktualisiert 04. Juni 2026 6 Min. Lesezeit
Stationäres POS-Terminal an einer Kasse — ein klassisches Kartenzahlungsgerät im Einzelhandel

Wer zum ersten Mal ein Kartenzahlungsgerät kaufen möchte, steht vor einer erstaunlich unübersichtlichen Auswahl: Bluetooth-Lesegeräte für 29 €, kostenlose Terminals mit Vertragsbindung, Smartphones, die per App zur Kasse werden, und vollständige Kassensysteme mit integrierten Zahlungen. Was davon für welchen Betrieb passt, hängt von wenigen klaren Faktoren ab.

Was ist ein Kartenzahlungsgerät?

Ein Kartenzahlungsgerät (auch: Kartenlesegerät, Kartenterminal, POS-Terminal) ist ein elektronisches Gerät, das Kartenzahlungen von Kunden entgegennimmt und an den zuständigen Zahlungsdienstleister zur Autorisierung weiterleitet. Es kommuniziert dabei mit der Bank des Kunden — entweder über Mobilfunk (LTE/4G), WLAN oder eine Kabelverbindung.

Jede Kartenzahlung läuft über denselben Grundablauf: Karte lesen → Autorisierungsanfrage senden → Genehmigung empfangen → Zahlung bestätigen. Was sich zwischen den Gerätetypen unterscheidet, ist die Größe, Konnektivität, Zusatzfunktionen und das Preismodell.

Die vier Gerätetypen im Überblick

1. Mobiler Kartenleser (Bluetooth / WiFi)

Der kompakteste Typ — etwa so groß wie eine Streichholzschachtel. Der Kartenleser wird per Bluetooth mit einem Smartphone oder Tablet gekoppelt; die Zahlungs-App auf dem Gerät steuert den Vorgang. Kein eigenes Display, keine eigene Internetverbindung.

Typische Vertreter: SumUp Air, Zettle Reader, myPOS Go

Für wen: Markthändler, Foodtrucks, mobile Dienstleister, Freelancer — kurz: alle, die ohnehin ein Smartphone dabei haben und keine feste Kasse brauchen.

Vorteile: Sehr günstig (29–49 € einmalig), keine Monatspauschale, einfache Einrichtung in Minuten, vollständige Mobilität.

Nachteile: Abhängig vom Smartphone-Akku und -App; kein eigener Drucker; kein Kassensystem für Artikelverwaltung.


2. Vollwertiges mobiles Terminal (eigenständig)

Ein eigenständiges Gerät mit eigenem Display, eigener SIM-Karte (LTE/4G) oder WLAN, eigenem Akku und oft einem integrierten Bon-Drucker. Kein Smartphone nötig.

Typische Vertreter: SumUp Solo, myPOS Mini, PAX A920Pro (Flatpay-Terminal), Nexi SmartPOS

Für wen: Stationäre Händler ohne vollständiges Kassensystem, Außendienstler mit regelmäßigem Umsatz, Betriebe, die ein robustes Gerät ohne Smartphone-Abhängigkeit wollen.

Vorteile: Eigenständig, oft mit Drucker, LTE-fähig, robuster im Dauerbetrieb.

Nachteile: Teurer als Bluetooth-Leser; bei kostenlosen Terminals oft Vertragsbindung (Flatpay: 36 Monate, PAYONE: 24 Monate, Nexi: 24 Monate).


3. SoftPOS / Tap to Pay (Smartphone als Terminal)

Das Smartphone selbst wird zum Kartenzahlungsgerät — ohne jegliches Zusatzhardware. Die NFC-Schnittstelle übernimmt die Rolle des Terminals. Technisch heißt das SoftPOS und erfordert eine speziell zertifizierte App.

Typische Anbieter: Viva.com (Android + iOS), SumUp Tap (iPhone), Zettle Tap (iPhone)

Für wen: Maximale Mobilität, sehr gelegentlicher Einsatz, Backup-Lösung wenn das Terminal ausfällt.

Einschränkung: Ohne Software-PIN-Pad keine Transaktionen über 50 € mit PIN-pflichtigen Karten. Viva.com unterstützt Software-PIN-Eingabe; SumUp und Zettle noch nicht. Details im Tap-to-Pay-Ratgeber.


4. Kassensystem mit integriertem Terminal

Kein reines Kartenzahlungsgerät, sondern ein vollständiges POS-System: Kassensoftware, Artikelverwaltung, Tagesabschluss, TSE-Fiskalisierung und integrierte Zahlungsabwicklung aus einer Hand. Das Terminal ist hier Bestandteil des Gesamtsystems.

Typische Vertreter: orderbird, Lightspeed, ready2order (mit externem Payment-Partner), SumUp POS

Für wen: Gastronomie und Einzelhandel, die gesetzliche TSE-Pflicht haben und Warenwirtschaft brauchen.

Wichtig: Bei Kassensystemen werden Zahlungsgebühren und Softwarelizenz oft getrennt abgerechnet. Wer das Gesamtpaket vergleichen will, muss beide Positionen addieren. Der Kassensystem-Vergleich zeigt beide Kostenblöcke.


Welche Karten muss das Gerät akzeptieren?

Das ist die wichtigste Frage vor dem Kauf. In Deutschland sind die relevanten Verfahren:

KartentypVerbreitungPflicht für Händler?
Girocard (EC)~60–70 % aller Kartenzahlungen in DEfaktisch ja (Kundenwunsch)
Visa / Mastercard~25–35 %für internationale Kunden nötig
American Express~2–5 %sinnvoll für kaufkräftige Zielgruppen
Apple Pay / Google Paystark wachsendkein Gerätekauf nötig, NFC reicht
Kontaktlos (NFC)>70 % aller TransaktionenStandard bei modernen Terminals

Alle gängigen modernen Geräte akzeptieren Girocard, Visa und Mastercard standardmäßig. American Express ist oft separat zu beantragen. Wer NFC und Apple/Google Pay will, braucht ein NFC-fähiges Terminal — das ist heute bei Neugeräten Standard, bei älteren Modellen aber zu prüfen.

Was kostet ein Kartenzahlungsgerät wirklich?

Der Kaufpreis des Geräts ist nur ein Teil der Gesamtkosten. Die Rechnung für das erste Jahr:

Hardware (einmalig oder monatlich) + Monatspauschale + Transaktionsgebühren

GerätetypBeispielHardwareMonatGebühr/Tx
Bluetooth-LeserSumUp Air34 €0 €1,39 % alle Karten
Bluetooth-LeserZettle Reader29 €0 €0,95 % Girocard / 2,75 % CC
Eigenstd. TerminalmyPOS Mini29 €0 €0,90 % Girocard / 1,30 % CC
Gratis-TerminalFlatpay0 €0 €1,29 % alle (36 Mt Bindung)
Gratis-TerminalPAYONE0 €19,95 €ab 0,89 % (24 Mt Bindung)

Bei 5.000 € Monatsumsatz liegen die Jahresgesamtkosten (Hardware + Gebühren) je nach Anbieter zwischen 600 € und 1.100 €. Bei 20.000 €/Monat macht die Gebührendifferenz zwischen dem günstigsten und teuersten Anbieter über 1.500 € jährlich aus. Der Kostenrechner berechnet das für dein konkretes Umsatzprofil.

Fünf Kriterien für die richtige Wahl

1. Mobilität vs. Stationär Kassierst du immer am selben Ort? Dann lohnt ein vollwertiges Terminal oder ein Kassensystem. Bist du unterwegs? Dann reicht ein Bluetooth-Leser oder SoftPOS.

2. Vertragsbindung Kostenlose Terminals (Flatpay, PAYONE, Nexi) kommen immer mit Mindestlaufzeiten — 24 bis 36 Monate. Wer Flexibilität braucht (Saisongeschäft, Testphase), fährt mit einem günstigen Kaufgerät ohne Vertrag besser.

3. TSE-Pflicht Wer eine elektronische Registrierkasse betreibt, braucht eine TSE. Ein reiner Kartenleser (SumUp, Zettle, myPOS) ist kein Kassensystem — TSE-Pflicht greift nur beim Kassensystem mit Artikel- und Bonfunktion. Details: TSE-Pflicht Ratgeber.

4. Auszahlungsgeschwindigkeit

  • myPOS: sofortige Gutschrift auf integriertes Konto
  • Zettle, Flatpay: nächster Werktag
  • SumUp: 1–3 Werktage
  • PAYONE, Nexi: vertraglich geregelt, meist T+1

5. Kundenstamm und Kartenmix Viele deutsche Stammkunden → Girocard-Anteil hoch → Anbieter mit günstigem Girocard-Satz wählen. Viele internationale Gäste → Einheitssatz kann günstiger sein. Der Kassensystem- Finder hilft bei der Entscheidung.

Gebrauchte Kartenterminals: Finger weg

Ein häufiger Fehler: gebrauchte Terminals aus dem Marktplatz kaufen. Das Problem: Terminals sind auf den ursprünglichen Acquirer oder Händler registriert und können nicht einfach übertragen werden. Außerdem laufen Software-Zertifikate ab — wie der EC-Karten-Ausfall 2022 eindrücklich gezeigt hat. Immer nur fabrikneue Geräte direkt vom Anbieter oder autorisierten Händler kaufen.

Fazit: Das richtige Gerät für deinen Betrieb

Für die meisten kleinen und mittleren Betriebe gilt:

  • Einsteiger / mobiler Einsatz: Bluetooth-Leser (SumUp, Zettle, myPOS) — günstig, kein Vertrag, in Minuten einsatzbereit.
  • Stationär mit hohem Umsatz: Kostenloses Terminal mit Vertrag (Flatpay, PAYONE) — rechnet sich, wenn die Laufzeit planbar ist.
  • Gastronomie / Einzelhandel mit TSE: Kassensystem mit integriertem Payment — kein Weg dran vorbei, wenn Warenwirtschaft und Fiskalisierung nötig sind.
  • Maximale Mobilität: SoftPOS / Tap to Pay — kein Hardware-Kauf, Smartphone reicht.

Welcher Anbieter konkret passt, zeigt der Kartenterminal-Vergleich mit allen 12 Anbietern — oder der Kassensystem-Finder für eine geführte Empfehlung.

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