Nexi Erfahrungen: Was der Concardis-Nachfolger für Händler bedeutet
Nexi hat Concardis übernommen. Was das für Bestandskunden bedeutet, wie die Konditionen sind — und wann Nexi besser ist als SumUp.
Viele Händler in Deutschland haben ein Nexi-Terminal — und wissen es nicht. Sie kennen nur die Rechnung ihrer Sparkasse oder Volksbank, auf der ein Gerätename steht, das früher mal Concardis hieß. Nexi hat Concardis 2020 übernommen und ist seither Deutschlands größter Acquirer. Was das konkret für Händler bedeutet, welche Konditionen realistisch sind und für wen Nexi sinnvoll ist — das klärt dieser Artikel.
Concardis ist jetzt Nexi — was hat sich geändert?
Concardis wurde 1982 gegründet, getragen von deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, und war jahrzehntelang der dominierende Acquirer für den stationären Handel in Deutschland. 2020 übernahm Nexi, ein börsennotiertes italienisches Zahlungsunternehmen, das Unternehmen vollständig.
Für Bestandskunden bedeutete das zunächst wenig: Verträge liefen weiter, Terminals blieben dieselben, die Kontaktdaten änderten sich schrittweise. Inzwischen tritt Nexi im deutschen Markt unter eigenem Namen auf — aber der Vertrieb läuft weiterhin stark über Banken, und viele Händler kennen die Marke Nexi gar nicht.
| Gründung | 1982 (als Concardis), Nexi-Übernahme 2020 |
| Hauptsitz | Mailand (IT) / Frankfurt (DE) |
| Marktposition | Größter Acquirer Deutschland |
| Preismodell | IC++ (individuell verhandelt) |
| Zielgruppe | Mittelstand, Filialbetriebe, Gastronomieketten |
| Terminal | Nexigo (Mietmodell) |
| Vertrieb | Direkt + über Sparkassen / Volksbanken |
Was Nexi anbietet
Nexis Kernprodukt ist das Acquiring — also die Abwicklung von Kartenzahlungen zwischen Händler und Kartennetzwerk. Dazu kommen:
- Kartenterminals (Nexigo-Eigenmarke, Mietmodell)
- Online-Acquiring für E-Commerce und Omnichannel-Händler
- Wallee als Software-Layer: Wallee ist eine Schweizer POS-Software-Plattform, die auf bestehende Acquirer-Infrastruktur (u.a. Nexi) aufsetzt. Für Händler, die mehr Flexibilität in der Software-Schicht wollen, ohne den Acquirer zu wechseln, ist das eine Option — kein KMU-Self-Serve-Angebot, aber für größere Mittelstandsbetriebe relevant.
- Reporting und Analytics für Filialbetriebe
- Geschäftskunden-Support mit dediziertem Ansprechpartner (ab einem bestimmten Volumen)
Was Nexi nicht bietet: ein Self-Serve-Onboarding wie SumUp oder Zettle. Wer ein Nexi-Terminal will, führt ein Vertriebsgespräch, unterschreibt einen mehrjährigen Vertrag und bekommt ein Gerät geliefert.
Nexigo-Terminal: Hardware, Mietmodell, Kosten
Das Nexigo-Terminal ist ein klassisches Standalone-Kartenterminal — GPRS/WLAN-fähig, für stationären Einsatz. Es gibt es als Tischgerät und als mobile Variante für Servicebetriebe.
Die Hardware wird nicht gekauft, sondern gemietet:
- Terminalmiete: typisch 10–30 €/Monat je nach Modell und Vertragslaufzeit
- Einrichtungsgebühr: 50–200 € einmalig
- Mindestvertragslaufzeit: 1–3 Jahre (je nach Vertrag)
- Kündigung: meist mit 3-monatiger Frist vor Vertragsende, sonst automatische Verlängerung
Das ist ein fundamentaler Unterschied zu SumUp (39 € Einmalkauf, keine Laufzeit) oder Zettle (ca. 35 € Kauf). Wer in drei Jahren die Konditionen verschlechtern will — oder einfach weg möchte — hat bei Nexi eine höhere Hürde.
Gebühren: IC++ ohne Listenpreise
Nexi veröffentlicht keine Preisliste. Das ist bei traditionellen Acquirern üblich, aber es erschwert den Vergleich.
Was realistisch verhandelt wird:
- Acquirer-Aufschlag: 0,2–0,5 % + Fixbetrag auf die tatsächliche Interchange und Scheme Fee
- Mindestgebühr: oft 15–30 €/Monat unabhängig vom Umsatz
- Terminalmiete: 10–30 €/Monat (s.o.)
- Einrichtungsgebühr: einmalig 50–200 €
Das IC++-Modell ist grundsätzlich transparenter als Blended-Pricing: Du siehst, was Interchange kostet, was Scheme Fee kostet, und was Nexi draufschlägt. Aber der Nexi-Aufschlag selbst ist verhandelbar und nicht öffentlich — was bedeutet, dass Händler, die nicht verhandeln, keine Referenzgröße haben.
Mehr zum IC++-Modell und wann es günstiger ist als Blended: Interchange-Gebühr erklärt und Visa & Mastercard Gebühren für Händler.
Nexi via Hausbank: Der versteckte Vertrag
Das ist der wichtigste Punkt für viele KMU.
Wer sein Terminal über die Hausbank bezieht, unterschreibt oft einen Nexi-Vertrag — ohne das zu wissen. Der Ablauf ist typisch: Die Sparkasse oder Volksbank empfiehlt beim Kontoeröffnungsgespräch oder beim Beratungstermin ihr Acquirer-Produkt. Der Händler sieht die Marke der Bank, nicht die des Acquirers dahinter.
Das bedeutet:
- Die Konditionen wurden nie aktiv verglichen
- Die Vertragslaufzeit wurde selten verhandelt
- Ein Wechsel ist oft erst nach 1–3 Jahren möglich
- Die monatliche Rechnung zeigt eine Gesamtzahl, keine Aufschlüsselung
Wer also ein „Sparkassen-Terminal” betreibt und die Marke Nexi oder Concardis nicht kennt: Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, den Vertrag herauszusuchen.
Nexi vs. SumUp: Für wen was?
| Nexi | SumUp | |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Mittelstand, Filialbetriebe | Kleinstbetriebe, Einsteiger |
| Preismodell | IC++ (individuell verhandelt) | Blended 1,69 % |
| Preistransparenz | Niedrig | Hoch |
| Terminalkosten | Miete 10–30 €/Mt | Kauf 39–99 € |
| Mindestlaufzeit | 1–3 Jahre | keine |
| Onboarding | Verkaufsgespräch, Vertrag | Self-Serve, sofort |
| Support | Dedizierter Ansprechpartner | App/Chat |
| Sinnvoll ab | ca. 10.000 €/Mt Kartenumsatz | 0 €/Mt |
Wer unter 10.000 € Kartenumsatz pro Monat hat, fährt mit SumUp oder Zettle in fast allen Fällen günstiger — und vor allem flexibler. Ab einem relevanten Volumen mit Girocard-Schwerpunkt kann IC++ günstiger werden, aber nur wenn der Nexi-Aufschlag gut verhandelt ist.
Erfahrungen aus der Praxis
Was Händler berichten, die mit Nexi (oder Concardis) arbeiten:
Positiv:
- Stabile, zuverlässige Infrastruktur — Ausfälle sind selten
- Breite Akzeptanz aller Kartensysteme, starke Girocard-Kompetenz
- Bei hohem Volumen können Konditionen nachverhandelt werden
- Für Filialbetriebe: zentrales Reporting über alle Kassen
Negativ:
- Keine Self-Serve-Konfiguration — alles läuft über den Vertrieb oder Support
- Kündigung aufwendig: Fristen, Schriftform, automatische Verlängerung
- Support-Reaktionszeiten oft langsam im Vergleich zu modernen Anbietern
- Gebührenübersicht unübersichtlich — viele Händler verstehen ihre Abrechnung nicht vollständig
Wer seinen Vertrag kündigen will: Die Fristen und Vorgehensweise erklärt Kartenterminal kündigen.
Wann Nexi sinnvoll ist — und wann nicht
Nexi macht Sinn, wenn:
- Du über 10.000–15.000 € Kartenumsatz pro Monat hast
- Du Girocard-Schwerpunkt im Kartenmix hast (IC++ günstiger als Blended)
- Du mehrere Standorte betreibst und zentrales Reporting brauchst
- Du ohnehin über deine Hausbank das Terminal beziehst und keinen Aufwand willst
Nexi macht keinen Sinn, wenn:
- Du Einsteiger bist oder ein kleines Betrieb führst
- Du Flexibilität ohne Mindestlaufzeit brauchst
- Du Preistransparenz ohne Verhandlungsgespräch willst
- Du nur Online oder mobil kassierst
→ Girocard Kosten für Händler: Was EC-Zahlung wirklich kostet
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→ Alle Anbieter im Überblick
Häufige Fragen
Was ist Nexi — und was hat das mit Concardis zu tun?
Nexi ist ein italienisches Zahlungsunternehmen, das 2020 Concardis übernommen hat. Concardis war der führende deutsche Bank-Acquirer (gegründet 1982, getragen von Sparkassen und Volksbanken). Nexi führt das Geschäft unter eigenem Namen weiter — viele Händler haben also Nexi-Verträge, ohne es zu wissen: Sie kennen nur die alte Concardis-Marke.
Für wen ist Nexi geeignet?
Nexi richtet sich vor allem an mittelständische und größere Händler mit höherem Umsatzvolumen — nicht an Kleinstbetriebe oder Einsteiger. Wer weniger als 10.000 € Kartenumsatz pro Monat hat, fährt mit SumUp, Zettle oder myPOS in der Regel günstiger und mit mehr Transparenz.
Wie sind die Gebühren bei Nexi?
Nexi veröffentlicht keine Listenpreise — Konditionen werden individuell verhandelt. Typisch sind IC++-Verträge mit einem festen Acquirer-Aufschlag auf Interchange und Scheme Fee. Das ist transparenter als Blended-Pricing, aber die tatsächlichen Kosten hängen stark vom verhandelten Aufschlag ab.
Was ist das Nexigo-Terminal?
Nexigo ist Nexis Eigenmarke für Kartenterminals — GPRS/WLAN-fähige Standalone-Geräte für den stationären Handel. Die Hardware wird typischerweise gemietet statt gekauft, mit monatlichen Raten je nach Vertragslaufzeit.