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Scheme Fees: Was Visa und Mastercard Händlern in Rechnung stellen

Scheme Fees: Netzwerkgebühren von Visa und Mastercard, oft unsichtbar. Warum sie seit 2015 steigen und was das für deinen Anbietervergleich bedeutet.

Von Ulf Mayer 12. Juni 2026 5 Min. Lesezeit
Visa und Mastercard Kreditkarten nebeneinander — beide Netzwerke erheben Scheme Fees für ihre Infrastruktur

Du zahlst bei jeder Kartenzahlung drei Gebührenkomponenten — auf deiner Abrechnung siehst du meistens nur eine Zahl. Der größte Anteil ist die Interchange-Gebühr, die an die Bank deines Kunden fließt. Ein Teil geht an deinen Acquirer als Marge. Und dann gibt es noch eine dritte Komponente, die direkt an Visa oder Mastercard fließt: die Scheme Fee.

MSC (Merchant Service Charge) = Interchange + Scheme Fee + Acquirer-Marge
Beispiel bei 1,39 %           ≈  1,10 %    +  0,10 %   +   0,19 %

Was steckt hinter deinem Prozentwert? MSC-Aufspaltung nach Kartentyp

Interchange + Scheme Fee + Acquirer-Marge = MSC
Girocard (DE) Typisch für dt. Stammkunden
0.20 % 0.05 % 0.15 % = 0.40 %

DK-Scheme: strukturell günstigster Kartentyp

EU-Debitkarte Visa/MC Debit, EU-Issuer
0.20 % 0.09 % 0.20 % = 0.49 %

Interchange durch EU-Regulierung gedeckelt

EU-Kreditkarte Visa/MC Credit, EU-Verbraucher
0.30 % 0.12 % 0.24 % = 0.66 %

EU-Deckel 0,30 % Interchange gilt

Non-EU-Karte US, UK, Touristen
1.50 % 0.40 % 0.30 % = 2.20 %

Keine EU-Regulierung — Interchange ungedeckelt

Interchange → an den Issuer (Bank deines Kunden) Scheme Fee → an Visa / Mastercard Acquirer-Marge → an deinen Zahlungsanbieter
Richtwerte für Europa. Bei Blended-Rate-Anbietern (SumUp 1,39 %, Zettle 1,39 %) sind alle drei Komponenten in einer Zahl gebündelt — du zahlst immer gleich, unabhängig vom Kartentyp.

Die Scheme Fee ist der am wenigsten diskutierte Kostenblock — und gleichzeitig der, der in den letzten Jahren am stärksten gewachsen ist.

Was ist eine Scheme Fee?

Eine Scheme Fee (auch: Network Fee, Systemgebühr) ist die Gebühr, die Visa oder Mastercard für die Nutzung ihrer Zahlungsinfrastruktur erhebt. Jedes Mal wenn eine Karte ihres Netzwerks an einem Terminal akzeptiert wird, verdienen sie daran.

Das Vier-Parteien-Modell der Kartenzahlung hat vier Akteure: Händler, Acquirer, Payment Scheme und Issuer. Das Payment Scheme — also Visa oder Mastercard — betreibt das Netzwerk, das Acquirer und Issuer verbindet. Ohne dieses Netzwerk könnte keine Karte an keinem Terminal funktionieren.

Die Scheme Fee ist die Vergütung für diese Infrastruktur: die Autorisierungssysteme, die Clearingnetzwerke, die Sicherheitsstandards (EMV, Tokenisierung), die globale Erreichbarkeit und die Regeln, nach denen alle Beteiligten spielen müssen.

Welche Arten von Scheme Fees gibt es?

Scheme Fees sind keine einheitliche Gebühr — sie setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen.

Assessment Fee (Netzwerkgebühr)

Die Hauptkomponente. Ein Prozentsatz des Transaktionswerts, der bei jeder akzeptierten Karte anfällt. Für europäische Händler typischerweise 0,05–0,12 % je nach Kartentyp und Volumen.

Autorisierungsgebühr

Ein Festbetrag pro Autorisierungsanfrage — unabhängig davon, ob die Transaktion genehmigt oder abgelehnt wird. Typischerweise 0,01–0,03 € pro Vorgang. Bei vielen kleinen Transaktionen (Bäckerei, Kiosk) kann das spürbar ins Gewicht fallen.

Cross-Border-Gebühr

Wenn die Karte in einem anderen Land ausgestellt wurde als dem, in dem sie eingesetzt wird, erhebt das Scheme eine zusätzliche Gebühr. Das betrifft Händler mit hohem Tourismusanteil: Ein britischer Tourist, der in Deutschland mit seiner UK-Karte zahlt, löst zusätzliche 0,4–1,5 % aus.

Digitale Transaktionsgebühren

Für Online-Transaktionen, Tokenisierungsdienste (Apple Pay, Google Pay) und 3D-Secure-Verfahren erheben Visa und Mastercard separate Gebühren. Die Tokenisierung — technisch eine Sicherheitsverbesserung — ist damit gleichzeitig eine neue Einnahmequelle.

Kartentyp-Aufschläge

Premium-Karten (Visa Infinite, Mastercard World Elite), Corporate Cards und Karten mit Prämienprogrammen ziehen höhere Scheme Fees nach sich. Der Kartentyp liegt im Ermessen des Issuers — du als Händler hast keinen Einfluss darauf.

Wie hoch sind Scheme Fees insgesamt?

Das ist die ehrliche Antwort: Es ist schwer zu sagen. Visa und Mastercard veröffentlichen keine vollständige Gebührentabelle für Händler. Die konkreten Sätze sind Teil der Verträge zwischen den Schemes und den Acquirern.

Als Richtwert gilt für europäische Händler:

SzenarioScheme Fee ca.
Inländische Debitkarte, Standardhändler0,05–0,10 %
Inländische Kreditkarte0,08–0,15 %
Karte aus anderem EU-Land0,15–0,40 %
Karte aus Nicht-EU-Land (UK, USA)0,40–1,50 %+
Tokenisierte Transaktion (Apple/Google Pay)Aufschlag je Scheme

Bei einem kleinen Händler mit 5.000 € Monatsumsatz und überwiegend inländischen Karten sind Scheme Fees oft unter 10 € im Monat — kaum sichtbar. Bei einem Hotel mit vielen internationalen Gästen können sie schnell 0,3–0,5 % des Umsatzes ausmachen.

Warum sind Scheme Fees seit 2015 gestiegen?

Hier liegt ein struktureller Konflikt, den du kennen solltest.

2015 trat die EU-Interchange Fee Regulation (IFR) in Kraft. Sie begrenzte die Interchange-Gebühren auf maximal 0,20 % für Debitkarten und 0,30 % für Kreditkarten (jeweils für Verbraucherkarten in der EU). Für Händler war das eine erhebliche Entlastung.

Die Reaktion der Netzwerke: Visa und Mastercard haben die Scheme Fees in den Jahren nach 2015 schrittweise erhöht. Neue Gebührenarten kamen hinzu. Bestehende Gebühren stiegen. Tokenisierungs- und Digitaldienste wurden gesondert berechnet.

Der EU-Gesetzgeber hat die Interchange gedeckelt — aber nicht die Scheme Fees. Diese bleiben vollständig unreguliert. Visa und Mastercard können sie nach eigenem Ermessen anpassen, und die Acquirer geben sie an die Händler weiter.

Die britische Wettbewerbsbehörde PSR hat in ihrer Untersuchung 2023/24 dokumentiert, dass Visa-Scheme-Fees zwischen 2017 und 2021 um rund 30–40 % gestiegen sind. Eine vergleichbare unabhängige Untersuchung für die EU fehlt bislang — was die Intransparenz des Problems gut zusammenfasst.

Wo siehst du Scheme Fees auf deiner Abrechnung?

Meistens nirgendwo — jedenfalls nicht separat ausgewiesen.

Bei Blended-Rate-Anbietern (SumUp, Zettle, myPOS, Flatpay) ist alles in einem Prozentsatz zusammengefasst. Interchange, Scheme Fee und Acquirer-Marge bilden eine Zahl. Was davon Scheme Fee ist, bleibt unsichtbar.

Bei Interchange++-Modellen (PAYONE, Nexi, klassische Acquirer für größere Händler) werden die Komponenten separat ausgewiesen. Du siehst dann tatsächlich eine Zeile „Scheme Fee” oder „Network Fee” in deiner monatlichen Abrechnung — mit konkreten Beträgen je Transaktion.

Das IC++-Modell bietet mehr Transparenz, aber auch mehr Planbarkeitsrisiko: Scheme-Fee-Erhöhungen werden direkt durchgereicht.

Girocard: Ein eigenes Scheme, andere Gebühren

Die Girocard ist kein Visa- oder Mastercard-Produkt. Sie läuft über das Scheme der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) — ein genossenschaftlich organisiertes Netzwerk, das unter anderen Regeln und mit anderen Gewinnerwartungen funktioniert.

Girocard-Scheme-Fees sind traditionell niedriger als Visa/Mastercard, und das Modell ist nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt. Das ist ein struktureller Kostenvorteil für Händler mit hohem Girocard-Anteil — weshalb die Gesamtgebühr bei Girocards deutlich unter der von internationalen Karten liegt.

Was kannst du als Händler tun?

Ehrliche Antwort: Du hast wenig direkten Einfluss auf Scheme Fees. Sie sind nicht verhandelbar, und du bekommst sie meistens nicht einmal aufgeschlüsselt zu sehen.

Aber Wissen hilft beim Anbietervergleich:

Einheitssatz schützt vor Scheme-Fee-Schwankungen. Wenn du mit SumUp, Flatpay oder Zettle arbeitest, bist du gegen Scheme-Fee-Erhöhungen abgesichert — der Anbieter trägt das Risiko. Der Nachteil: Du profitierst auch nicht, wenn Gebühren sinken.

Interchange++ exponiert dich. Bei IC++-Modellen werden Scheme-Fee-Erhöhungen direkt durchgereicht. Du zahlst weniger in ruhigen Jahren, aber du merkst es sofort, wenn Visa oder Mastercard die Schrauben anzieht.

Kenne deinen Kartenmix. Hoher Anteil an internationalen Karten (Tourismus, Onlinehandel mit ausländischen Kunden) bedeutet höhere Cross-Border-Scheme-Fees. Ein Blended-Rate-Anbieter bietet hier Planbarkeit.

Girocard gezielt fördern. Wo es sinnvoll ist — zum Beispiel bei deutschen Stammkunden — ist Girocard das günstigste Zahlungsmittel. Das DK-Scheme hat strukturell niedrigere Gebühren als die internationalen Netzwerke.


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