Girocard vs. Maestro: Was das Maestro-Aus 2027 für Händler bedeutet
Maestro-Karten verschwinden bis 2027 — Nachfolger sind Mastercard Debit und Visa Debit. Was Händler über Umstellung und Terminals wissen müssen.
Wer in Deutschland einkauft, zahlt meist mit der Girocard — der „EC-Karte” mit dem grünen Chip. Was viele nicht bemerkt haben: Das Maestro-Logo auf der Rückseite vieler dieser Karten ist auf dem Rückzug. Seit Juli 2023 werden keine neuen Maestro-Karten mehr ausgegeben. Bis spätestens 2027 laufen die letzten bestehenden Karten aus. Was danach kommt und was das für Händler bedeutet, erklärt dieser Artikel.
Was ist Maestro — und warum verschwindet es?
Maestro war das internationale Debitkartensystem von Mastercard. Es wurde 1991 eingeführt und ermöglichte deutschen Girocardnutzern, ihre Karte auch im Ausland einzusetzen: An einem Geldautomaten in Spanien oder einem Terminal in Kroatien war das Maestro-Logo der Schlüssel zur Akzeptanz.
Das Problem: Maestro war technisch ein Kind der 1990er-Jahre. Es unterstützte keine modernen Authentifizierungsverfahren wie 3D Secure, funktionierte nicht für Online-Zahlungen und war für kontaktlose Zahlungen nur bedingt ausgebaut. Mastercard entschied 2021, Maestro schrittweise einzustellen und durch das modernere Mastercard Debit zu ersetzen.
Die Eckdaten:
- Juli 2023: Keine neuen Maestro-Karten mehr (Stichtag laut Mastercard-Ankündigung)
- Ende 2027: Letzte bestehende Maestro-Karten laufen ab (spätestens mit Ablaufdatum)
- Heute: Maestro-Karten im Umlauf nehmen monatlich ab
Girocard bleibt — Maestro geht
Wichtig für Händler: Die Girocard selbst (das deutsche EC-Zahlungssystem) ist nicht betroffen. Wer heute eine Girocard mit Maestro-Co-Branding hat, zahlt in Deutschland weiterhin über die Girocard-Schiene — das Maestro-Logo kommt nur bei internationaler Nutzung zum Einsatz.
Das Vier-Parteien-Modell im Überblick:
| Karte | Gültig in Deutschland | Gültig international | Ablauf |
|---|---|---|---|
| Girocard | ✓ (über Girocard-Schiene) | ✗ (ohne Co-Badge) | läuft weiter |
| Girocard + Maestro | ✓ | ✓ (Maestro-Schiene) | bis 2027 |
| Girocard + Mastercard Debit | ✓ | ✓ (MC-Schiene) | neuer Standard |
| Girocard + Visa Debit | ✓ | ✓ (Visa-Schiene) | neuer Standard |
Die deutschen Banken rüsten ihre Girocards schrittweise auf Dual-Badge-Karten um: Girocard für die Inlandsnutzung, Mastercard Debit oder Visa Debit für das Ausland. Sparkassen setzen typischerweise auf Mastercard Debit, viele Direktbanken (DKB, ING) auf Visa Debit.
Was bedeutet das für Händler-Terminals?
Für die meisten Händler in Deutschland: nichts Dringendes. Moderne Kartenterminals (EMV, kontaktlos) akzeptieren sowohl Maestro als auch Mastercard Debit und Visa Debit. Wer sein Terminal in den letzten fünf Jahren gekauft hat, ist auf der sicheren Seite.
Kritisch kann es werden bei:
Alten Terminals ohne Mastercard-Debit-Akzeptanz: Einige ältere Geräte sind nur für Girocard und Maestro zertifiziert, nicht für Mastercard Debit. Ab 2027, wenn Maestro-Karten auslaufen, würden diese Kunden an solchen Terminals nicht mehr zahlen können — zumindest nicht international.
Prüfung: Im Zweifel beim Terminal-Anbieter nachfragen, ob das Gerät Mastercard Debit und Visa Debit akzeptiert. Die meisten Acquirer wie PAYONE, Nexi oder SumUp haben ihre Terminals bereits entsprechend zertifiziert.
V PAY — das gleiche Thema bei Visa
Parallel zu Maestro läuft auch V PAY aus — Visas europäisches Debitkartensystem. Auch hier gilt: Keine neuen V PAY-Karten mehr, Nachfolger ist Visa Debit. Das Muster ist identisch zu Maestro/Mastercard Debit.
Warum der Wechsel langfristig günstiger werden könnte
Maestro hatte eine Besonderheit: Die Gebührenstruktur war nicht EU-weit transparent reguliert. Mastercard Debit und Visa Debit hingegen fallen unter die EU-Interchange-Regulierung — die Interchange Fee Regulation (EU) 2015/751 deckelt die Interchange auf 0,20 % für Debitkarten.
Das bedeutet: Wo Maestro-Transaktionen früher teilweise höhere Gebühren hatten (besonders bei ausländischen Ausstellern), gelten bei Mastercard Debit EU-weit einheitliche, gedeckelte Sätze. Für Händler, die viele Debitkarten-Transaktionen von EU-Kunden haben, kann das im Interchange-Plus-Modell zu leicht niedrigeren Kosten führen.
Handlungsbedarf auf einen Blick
| Situation | Handlungsbedarf |
|---|---|
| Modernes Terminal (nach 2020) | Keiner — Mastercard Debit und Visa Debit werden bereits akzeptiert |
| Älteres Terminal (vor 2018) | Prüfen ob Mastercard Debit / Visa Debit zertifiziert ist |
| Kasse mit Girocard-only-Vertrag | Acquirer fragen ob der Vertrag Mastercard Debit abdeckt |
| Händler mit viel Auslandskundschaft | Sicherstellen dass Visa Debit und MC Debit akzeptiert werden |
Für die große Mehrheit der deutschen Händler ist das Maestro-Aus kein Grund zur Sorge — es ist eine technische Umstellung im Hintergrund, die sich über Jahre vollzieht. Wer jetzt sein Terminal erneuert, kauft ohnehin ein Gerät das den neuen Standard bereits beherrscht.
→ Girocard vs. EC-Karte: Was ist der Unterschied?
→ Kartenarten und Zahlungsmittel im Überblick
→ Interchange-Gebühr: Was Händler wirklich zahlen
→ Kartenterminal-Vergleich: Welches Gerät passt?