Kartenarten und Zahlungsmittel: Was Händler in Deutschland und Europa akzeptieren müssen
Girocard, Visa, Mastercard — das sind die Grundlagen. Aber wer europäisch oder international unterwegs ist, begegnet Bancontact, Cartes Bancaires, UnionPay, JCB und vielem mehr. Ein vollständiger Überblick für Händler.
Ein Händler in München kassiert täglich mit Girocard und Visa — und denkt nicht weiter darüber nach. Derselbe Händler auf einer Messe in Paris, einem Markt in Wien oder einem Festival mit internationalem Publikum stellt fest: Ein belgischer Kunde will mit Bancontact zahlen. Ein französischer Gast hat nur eine CB-Karte. Der chinesische Tourist hält sein Smartphone mit Alipay-QR hin.
Wer als Händler über die deutschen Grenzen hinaus denkt, braucht einen Überblick über die Vielfalt der Zahlungsmittel in Europa und weltweit — was was ist, wie es sich unterscheidet, und welche Lücken im eigenen Terminal-Setup kritisch werden können.
Die drei Ebenen des Kartensystems
Bevor die konkreten Zahlungsmittel erklärt werden, hilft ein Modell: Ein Kartenvorgang hat immer drei Ebenen.
Ebene 1 — Das Netzwerk (die „Schiene”): Visa, Mastercard, Girocard, UnionPay. Das ist das technische Netz, über das die Autorisierung läuft.
Ebene 2 — Der Kartentyp (was auf der Schiene fährt): Debitkarte, Kreditkarte, Prepaid, Firmenkarte. Gleiche Schiene, aber unterschiedliche Gebühren und Regeln.
Ebene 3 — Das Wallet oder Co-Branding: Apple Pay, Google Pay, Wero, Alipay. Oft eine Schicht über den bestehenden Netzwerken.
Ein Händler der „Visa akzeptiert” akzeptiert damit theoretisch alle Kartenkategorien auf der Visa-Schiene — von der einfachen Debitkarte bis zur Visa Infinite Platinumkarte. Der Unterschied liegt in den Gebühren, nicht in der Akzeptanz.
Die großen Kartennetze
Girocard — das deutsche Netz
Die Girocard (früher EC-Karte) ist das deutsche Debitkartensystem, betrieben von der Deutschen Kreditwirtschaft (DK). Nahezu jede deutsche Girokarte hat eine Girocard- Funktion. Der Girocard-Standard gilt ausschließlich in Deutschland — wer im Ausland mit seiner deutschen Karte zahlt, braucht eine Co-Branding-Funktion (Maestro, VPay oder Visa/Mastercard Debit).
Gebührenstruktur: Girocard hat die niedrigsten Händlergebühren aller Netzwerke — typischerweise 0,2–0,9 % je nach Acquirer. Das liegt an der direkten deutschen Infrastruktur ohne internationale Interchange-Aufschläge.
Wichtig für Händler: In Deutschland die wichtigste Karte. Im europäischen Ausland ohne eigenständige Bedeutung — dort gelten die jeweiligen nationalen Systeme.
Maestro und V PAY — die auslaufenden Schienen
Maestro war bis 2023 die internationale Erweiterung der Girocard: Millionen deutscher Girocards hatten ein Maestro-Logo und konnten damit weltweit genutzt werden. Seit Juli 2023 werden keine neuen Maestro-Karten ausgegeben. Bestehende Karten laufen bis Ablauf ihrer Gültigkeit weiter — spätestens bis 2027 sind sie Geschichte.
V PAY ist Visas europäisches Äquivalent zu Maestro — eine reine Debitkartenfunktion für Europa. Auch V PAY wird sukzessive durch Visa Debit ersetzt.
Nachfolger: Die Banken rüsten Girocards mit einer Mastercard Debit oder Visa Debit-Funktion aus. Diese Co-Badging-Karten haben zwei Logos: Girocard für Deutschland, Visa/Mastercard Debit für das Ausland. Das Terminal erkennt automatisch, welche Funktion zu nutzen ist.
Für Händler: Terminals die Maestro akzeptieren, werden bis 2027 nicht obsolet — aber langfristig braucht es Visa Debit / Mastercard Debit als Nachfolger-Akzeptanz. Moderne Terminals unterstützen das bereits.
Visa und Mastercard — das globale Duopol
Visa und Mastercard sind keine Banken, sondern Netzwerkbetreiber: Sie stellen die Infrastruktur und Regeln bereit, über die kartenausgebende Banken und Acquirer kommunizieren. Die eigentliche Beziehung des Händlers läuft über seinen Acquirer.
Gebührenstruktur: Visa und Mastercard erheben zweierlei:
- Interchange (reguliert in der EU: max. 0,2 % für Debit, 0,3 % für Kredit) — geht an die kartenausgebende Bank
- Scheme Fees (unreguliert, wachsend) — geht an Visa/Mastercard selbst
Was Händler auf ihrer Abrechnung sehen, ist die Summe aus beiden plus die Acquirer-Marge.
Kartentypen auf Visa/Mastercard: Debit, Credit, Prepaid, Business, Corporate, Premium (Infinite, World Elite). Die Interchange variiert stark nach Typ:
| Kartentyp | Interchange (EU, typisch) |
|---|---|
| Debitkarte (Consumer) | ~0,20 % |
| Kreditkarte (Consumer) | ~0,30 % |
| Firmenkarte / Corporate | bis 1,7 % (nicht reguliert) |
| Karten von außerhalb EU | bis 2,5 %+ |
| Premium (Infinite, World Elite) | ~1,5–2,0 % |
Wichtig: Wenn ein Händler pauschal „1,39 %” zahlt (wie bei SumUp), deckt der Anbieter die Differenz durch Quersubventionierung ab. Bei transparenter Abrechnung zahlt der Händler für eine US-Kreditkarte deutlich mehr als für eine deutsche Debitkarte.
American Express — das Premium-Netz
Amex ist im Gegensatz zu Visa und Mastercard ein geschlossenes Netz: Amex ist gleichzeitig Netzwerk, Issuer (Kartenherausgeber) und oft auch Acquirer. Das erklärt die höheren Händlergebühren (typisch 1,5–2,5 %).
Amex ist besonders relevant bei:
- Geschäftsreisenden: Viele Unternehmenskunden zahlen mit Amex Corporate Cards
- Premium-Segment: Hotels, Restaurants, Luxuseinzelhandel
- US-Touristen: Amex ist in den USA sehr verbreitet
Wer regelmäßig Geschäftskunden oder US-Touristen bedient und Amex nicht akzeptiert, verliert hier Umsatz.
Diners Club und Discover
Diners Club war die erste Kreditkarte überhaupt (1950) und gehört heute zu Discover. In Europa spielt Diners Club eine Nischenrolle — am ehesten noch bei älteren Geschäftsreisenden. Discover und Diners Club haben eine Kooperation: Discover-Karten (USA) laufen oft über Diners Club-Terminals und umgekehrt.
Für die meisten deutschen Händler ohne spezifisches US-Geschäft kein Prioritätsthema. Acquirer wie Nexi oder PAYONE akzeptieren Diners/Discover teils optional.
JCB — Japan Credit Bureau
JCB ist Japans nationales Kreditkartennetzwerk und in Japan ähnlich präsent wie Visa in Europa. Für Händler relevant:
- Tourismusstandorte mit japanischen Besuchern (München, Berlin, Romantische Straße, Weihnachtsmärkte)
- Duty-Free-Shops, Luxussegment
- JCB hat eine Kooperation mit Amex: JCB-Karten laufen an Amex-Terminals; wer Amex akzeptiert, akzeptiert oft auch JCB
Gebühren: Typisch 1,5–2,5 %, ähnlich Amex.
UnionPay — das chinesische Netz
UnionPay (UP) ist das chinesische Pendant zu Visa/Mastercard und mit über 9 Milliarden ausgegebenen Karten das weltweit größte Kartennetzwerk nach Transaktionsvolumen. UnionPay wird heute in über 90 % der europäischen Länder akzeptiert, mit wachsender Verbreitung in Deutschland.
Für wen relevant:
- Händler in Tourismusregionen mit chinesischem Besucherstrom
- Duty-Free, Luxuseinzelhandel, Hotels
- Messen mit internationaler Beteiligung (IAA, Bauma, Medica)
UnionPay-Karten laufen in Deutschland teils über bestehende Visa/MC-Terminal-Infrastruktur (bei entsprechender Acquirer-Freischaltung) oder über separate Akzeptanzverträge.
Europäische Regionalsysteme — die blinden Flecken
Das ist das Terrain, auf dem internationale Händler oft scheitern: Jedes große europäische Land hat ein eigenes dominantes Zahlungssystem, das neben Visa/MC existiert.
Belgien — Bancontact
Bancontact ist die meistgenutzte Zahlungsmethode Belgiens: Über 80 % der belgischen Onlineshops akzeptieren es, und der Anteil am stationären Handel ist ähnlich hoch. Wer Belgier als Kunden hat — sei es im stationären Handel, auf einem Markt oder als Eventveranstalter nahe der Grenze — und kein Bancontact akzeptiert, verliert einen erheblichen Teil der Transaktionen.
Bancontact läuft über ein eigenes belgisches Netz. Akzeptanz erfordert einen Acquirer mit Bancontact-Zulassung (z. B. Adyen, Mollie, Stripe für Online; im stationären Handel teils über co-branded Terminal-Lösungen).
Frankreich — Cartes Bancaires (CB)
Frankreichs Kartensystem ist Cartes Bancaires, kurz CB. Mit über 71 Millionen ausgegebenen Karten ist CB das führende Zahlungsinstrument in Frankreich. Die meisten CB-Karten sind gleichzeitig Visa oder Mastercard co-branded — bedeutet: An einem Terminal, das Visa/MC akzeptiert, wird eine CB-Karte technisch funktionieren. Aber der lokale CB-Satz ist günstiger; ohne CB-Zulassung rechnet das Terminal über den teureren internationalen Visa/MC-Weg ab.
Für Händler mit regelmäßigem Frankreich-Geschäft kann eine CB-Zulassung Gebühren sparen.
Dänemark — Dankort
Dankort ist das dänische Nationaldebitkartensystem und in Dänemark an jedem Terminal Pflicht. Dankort-Karten sind fast immer co-branded mit Visa — technisch läuft es am Visa-Terminal. In der Praxis: Wer Visa akzeptiert, akzeptiert dänische Kunden in der Regel problemlos.
Niederlande — iDEAL
iDEAL ist die dominante niederländische Zahlungsmethode — aber fast ausschließlich online (Banküberweisung in Echtzeit). Im stationären Handel spielen niederländische Visa/Mastercard-Debitkarten die Hauptrolle. iDEAL für stationäre Händler ist derzeit kein relevantes Thema.
Spanien — Bizum
Bizum ist Spaniens mobiler Bezahldienst — mit über 30 Millionen Nutzern und damit rund 60 % der spanischen Bevölkerung. Bizum ist ursprünglich ein P2P-Dienst, wird aber zunehmend auch im Handel akzeptiert. Für deutsche Händler im stationären Segment aktuell noch Nische; im Online-Handel mit spanischer Kundschaft relevant.
Portugal — Multibanco
Multibanco ist die dominierende Zahlungsmethode in Portugal — ein nationales Debitkartensystem das an Bankautomaten und Terminals gleichzeitig funktioniert. Für deutsche Händler ohne Portugal-Geschäft kein Thema; bei Tourismus aus Portugal relevant.
Italien — Bancomat / PagoBancomat
Das italienische Debitkartennetz heißt PagoBancomat (ehemals Bancomat). Ähnlich wie Girocard in Deutschland — national dominant, international nur über co-branding nutzbar. Italienische Touristen tragen oft Visa/MC co-branded Karten.
Digitale Wallets: Eine Schicht über den Netzwerken
Digitale Wallets wie Apple Pay und Google Pay sind keine eigenen Kartennetzwerke — sie sind eine Authentifizierungsschicht über Visa, Mastercard oder Amex. Die darunterliegende Karte bestimmt Gebühren und Routing. Wer Visa akzeptiert, akzeptiert automatisch Apple Pay mit Visa-Karte.
| Wallet | Netzwerk dahinter | Besonderheit |
|---|---|---|
| Apple Pay | Visa, MC, Amex | NFC; Sicherheit durch Tokenisierung |
| Google Pay | Visa, MC, Amex | Android; ähnlich Apple Pay |
| Samsung Pay | Visa, MC, Amex | Nischenmarkt in DE |
| Garmin Pay / Fitbit Pay | Visa, MC | Wearables; sehr nischig |
| Wero | Eigenes A2A-Netz | Kein Visa/MC; eigene Infrastruktur |
| PayPal (in-store) | Eigenes Netz | Stationär selten, Online Standard |
| Alipay | Eigenes QR-Netz | Chinesische Touristen; QR-Code-basiert |
| WeChat Pay | Eigenes QR-Netz | Chinesische Touristen; QR-Code-basiert |
Alipay und WeChat Pay — für den Chinatourismus
Diese beiden Wallets sind in Deutschland stationär noch wenig verbreitet, aber für spezifische Standorte hochrelevant: Duty-Free-Shops, Luxuseinzelhandel, Museen, Touristenzentren und Messehallen. Wer chinesische Touristen regelmäßig empfängt und kein Alipay oder WeChat Pay akzeptiert, verliert diese Kunden — weil viele keine EU-fähigen Karten dabei haben.
Akzeptanz ist über spezialisierte Anbieter wie Silkpay, Adyen oder Stripe möglich und erfordert einen separaten Vertrag.
Firmenkarten und Business Cards — die teure Kategorie
Ein Aspekt den viele Händler nicht kennen: Die Interchange-Deckelung der EU gilt nur für Consumer-Karten. Firmenkarten, Corporate Cards und Commercial Cards sind von der Regulierung ausgenommen — und damit auch vom Surcharging-Verbot.
Das bedeutet in der Praxis: Zahlt ein Geschäftskunde mit seiner Visa Business Card, zahlt der Händler deutlich mehr als bei einer privaten Debitkarte — oft 1,2–1,7 %, manchmal mehr. Bei einer US-amerikanischen Amex Corporate Card können es 2,5 %+ sein.
Händler mit viel B2B-Geschäft — Fachhändler, Bürobedarf, Handwerkermarkt, Hotel — sollten das bei ihrer Gebührenkalkulation berücksichtigen. Wer einen Pauschalanbieter (SumUp, Flatpay) nutzt, ist hier abgesichert: Die höhere Interchange trägt der Anbieter. Wer nach Interchange-Plus abrechnet, sieht die volle Schwankung.
Was Händler in Deutschland mindestens akzeptieren sollten
| Kundenstamm | Minimum | Empfehlenswert |
|---|---|---|
| Nur deutsche Kunden | Girocard + Visa + MC | + Amex + Apple/Google Pay |
| Deutsche + EU-Touristen | + Visa Debit / MC Debit (Maestro-Nachfolger) | + Amex |
| Grenznahe Lage (Belgien) | + Bancontact | — |
| Tourismus (international) | + Amex + JCB | + UnionPay |
| Chinesische Touristen | + Alipay oder WeChat Pay | Eigener Vertrag nötig |
| B2B / Geschäftsreisende | + Amex Corporate | Gebühren beachten |
Welche Terminals akzeptieren was?
Die meisten modernen Kartenterminals (SumUp Solo, PAX A920 Pro, Nexi SmartPOS) akzeptieren Girocard, Visa, Mastercard, Amex und NFC-Wallets ab Werk. Für regionale Netzwerke (Bancontact, CB, UnionPay) ist die Acquirer-Freischaltung entscheidend — nicht nur die Hardware. Die Frage ist weniger „kann das Terminal es?” als „hat mein Zahlungsvertrag die entsprechende Zulassung?”
Wer maximale Kartenvielfalt braucht, ist mit einem großen Acquirer (Nexi, PAYONE, Adyen für Größere) besser aufgestellt als mit einem einfachen Pauschaltarif-Anbieter — weil letztere meist nur die Standard-Netzwerke (Girocard, Visa, MC, Amex) abdecken und keine Spezialzulassungen für UnionPay oder Bancontact haben.
Zusammenfassung: Die wichtigsten Kartenarten auf einen Blick
| Netzwerk / System | Typ | Geografische Relevanz | Händlergebühr (ca.) |
|---|---|---|---|
| Girocard | Debit (national) | Nur Deutschland | 0,2–0,9 % |
| Visa Debit / Credit | Debit / Kredit | Global | 0,2–1,5 %+ |
| Mastercard Debit / Credit | Debit / Kredit | Global | 0,2–1,5 %+ |
| American Express | Kredit | Global, Premium | 1,5–2,5 % |
| UnionPay | Debit / Kredit | China, global wachsend | 0,5–2,0 % |
| JCB | Kredit | Japan, Tourismus | 1,5–2,5 % |
| Maestro / V PAY | Debit (auslaufend) | Europa (bis 2027) | — |
| Bancontact | Debit | Belgien | ~0,3 % |
| Cartes Bancaires | Debit / Kredit | Frankreich | ~0,3 % |
| Dankort | Debit | Dänemark | — |
| PagoBancomat | Debit | Italien | — |
| Apple / Google Pay | Wallet (Visa/MC) | Global | wie Basiskarte |
| Alipay / WeChat Pay | QR-Wallet | Chinesische Touristen | ~0,5–1,5 % |
| Wero | A2A | D/F/B, wachsend | In Entwicklung |
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